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Zweiter Weltkrieg in SiegburgDie Bomben fielen am hellichten Tag

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Siegburg – Unter all dem Jubel über den 950. Geburtstag der Kreisstadt wäre das dunkelste Kapitel in der Geschichte Siegburgs beinahe untergegangen, hätten sich nicht die Sankt-Georg-Pfadfinderinnen aus dem Stadtteil Deichhaus jenes schwarzen Tages erinnert und ihn zum Thema der diesjährigen Sternsinger-Aktion gemacht: Am 28. Dezember 1944, also vor 70 Jahren, erlebte Siegburg seinen schlimmsten Luftangriff.

Gegen 13 Uhr näherten sich über 100 Flugzeuge der Kreisstadt und warfen 150 Phosphorbomben und circa 1000 Stabbrandbomben ab. 66 Zivilisten kamen bei dem Angriff ums Leben, zusätzlich starben elf deutsche Soldaten. 50 Menschen wurden schwer, 200 leicht verletzt. Halb Siegburg lag danach in Schutt und Asche. Die evangelische Pfarrkirche in der Georgstraße fiel den Bomben zum Opfer, ebenso viele Häuser am Markt und in der Mühlenstraße. Schwer beschädigt wurde auch die Abtei auf dem Michaelsberg.

Auf die Stunde genau 70 Jahre nach dem todbringenden Bombenhagel machen sich die Sternsinger am Montag auf, um in mahnender Erinnerung ein Zeichen des Friedens zu setzen – auf ganz besondere Weise: Mit Kreide aus Schulen der Siegburger Partnerstädte Bunzlau (Polen), Nogent-sur-Marne (Frankreich) und Selçuk (Türkei) wollen sie ihren Segensspruch an die Haustüren schreiben.

Die Idee dazu hatten die Pfadfinderinnen vom Deichhaus, die seit vergangenem Jahr die Sternsinger-Aktion in ihrem Stadtteil auch inhaltlich begleiten. Zum 950-Jahr-Jubiläum sollte es etwas Besonderes sein. In ihren Gruppenstunden thematisierten sie die Hintergründe der Städtepartnerschaften, inspiriert von Fotos der von deutschen Soldaten zerstörten Städte Coventry in England und Guernica im Baskenland einerseits und einem Bild von der durch Bomben zerstörten Abtei andererseits.

Ihre Losung „Jeden Tag eine gute Tat“ interpretierten sie dabei völlig neu, nämlich, dass sie „mit geschärftem Bewusstsein durch die Welt gehen“ und sie „verändern und verbessern wollen“, wie Gruppenleiterin Sandra Dybowski erläutert. In Briefen baten sie Kinder aus den Partnerstädten um Schulkreide. Der erste Schwung aus Bunzlau sowie ein begeisterter Kommentar aus Nogent-sur-Marne sind längst eingetroffen in Siegburg. Dass Kreide aus Selçuk folgen werde, davon sind die Pfadfinderinnen überzeugt. Sie soll zum 950. Geburtstag der Stadt „Verbundenheit und Frieden“ greifbar machen und ein Zeichen dafür sein, „dass wir nie wieder in solche Zeiten wie vor 70 Jahren zurückfallen wollen“.

Darüber hinaus sammeln die Siegburger Sternsinger wie bundesweit in 12 000 Gemeinden in diesem Jahr für „gesunde Ernährung für Kinder auf den Philippinen und weltweit“. Nach den Entsendungsgottesdiensten am Sonntag und Montag ziehen sie durch die Stadtteile, bevor sie am Freitag, 9. Januar, im Rathaus empfangen werden.