- Die Gewinner eines Preisausschreibens konnten sich vor Ort die massiven Schäden an der Rheinbrücke ansehen.
- Jeden Tag sind ein Dutzend Arbeiter in der Brücke im Einsatz.
„Da ist ein Riss, da ist auch ein Riss, da ist wieder ein Riss.“ Hans-Dieter Jungmann steht in einer von acht Ankerkammern, in der die faustdicken Stahlseile der Brückenkonstruktion zusammenlaufen, eine tonnenschwere Last zerrt an ihnen. Er leuchtet blau markierte Punkte im Stahl aus, die Schäden kennzeichnen. Es sind viele.
Jungmann arbeitet für den Landesbetrieb Straßenbau und hat die Bauaufsicht über das Sorgenkind A-1-Rheinbrücke. An diesem Freitag führt er eine neunköpfige Besuchergruppe durch den Hohlkörper des Brückenbaus. Sämtliche Teilnehmer sind männlich, der jüngste unter ihnen ist mit seinem Vater hier und gerade einmal sechs Jahre alt. Sie haben den Besuch in einem Preisausschreiben von Straßen NRW gewonnen.
Auch Lothar Müller hat gespannt auf den Termin gewartet, er wohnt in Leverkusen und arbeitet dort im Metall- und Maschinenbau. Den Ortstermin möchte er nutzen, um sich selbst von der Notwendigkeit der Einschränkungen auf der Brücke zu überzeugen. „Es gibt wenige Informationen über die Vorgänge und sehr viele Meinungen“, äußert sich Müller, bevor Jungmann ihn und die anderen in das Innere der Brücke führt.
Reparatur mit Stahlflicken
Der Bauaufseher erzählt den Männern von der Geschichte des Bauwerks, den Problemen, die die Stahlkonstruktion macht, der Entdeckung „komischer Risse“ im Stahl im Jahr 2011, der behelfsmäßigen Reparatur mit Stahlflicken. Und dann gibt es Anschauungsunterricht. Manch einer der Teilnehmer zählt zu Beginn des Rundgangs noch die silbrig-braunen Schweißnähte, die die Konstruktion dort in einem Stück halten sollen, wo der mangelhafte Stahl kurz davor stand, den Widerstand aufzugeben. Doch das Zählen hat keinen Zweck, zu viele Schäden sind es. Alle paar Meter bleibt Jungmann in dem galeerenartigen Hohlbau stehen, deutet auf Details im Stahl, erklärt Stationen, mit Hilfe derer die Belastung der Brücke gemessen wird, verkündet: „Im Moment sieht es nicht so aus, als würden Lkw die Brücke je wieder befahren dürfen.“ Zu groß und zahlreich sind die Stahlschäden.
Momentan sei die Brücke sicher, stellt Jungmann fest, das könne aber nur gewährleistet werden, wenn die Belastung so niedrig wie möglich sei. Lothar Müllers Unsicherheit über den Nutzen der Arbeiten ist wie weggefegt: „Die Schäden sind schon beängstigend.“ Jungmann versichert aber: „Wir tun alles dafür, dass die Brücke für ihre Restlaufzeit sicher ist.“ Jeden Tag seien ein Dutzend Arbeiter in der Brücke im Einsatz. Damit nicht nur die Anwohner, die sich vor Ort informiert haben, guten Mutes den Rhein auf dem maroden Bau überqueren können.
