Leverkusen – Der Beschluss am Montag war so einstimmig wie der im vorigen Oktober. Allerdings besagt der eine exakt das Gegenteil des anderen. Thema ist Manfort; der Stadtteil soll von einem Integrierten Handlungskonzept (IHK) profitieren. Das heißt zum Beispiel: Die soziale Lage verbessern durch direkte Hilfe für benachteiligte Bewohner. Armut bekämpfen, Integration fördern. Aber auch Plätze schöner machen und Brachflächen nutzen. Drei Töpfe aus Brüssel werden dazu angezapft. Mit Hilfe des Landes.
Einstimmig hatte im Oktober die Bezirksvertretung I die Stadtverwaltung aufgefordert, ein solches Programm auf den Weg zu bringen. Ebenso einstimmig kassierte der Rat jetzt die Angelegenheit. Die Stadtverordneten erhörten damit den Hilferuf aus der Stadtverwaltung. Die Anträge für die Finanzierung eines IHK zu schreiben, sei sehr aufwendig, heißt es in einer Stellungnahme. Und die über Jahre gehende Betreuung des Sozialprogramms sei nicht „mit dem vorhandenen Personal abzuwickeln“. Die Bediensteten müssen sich fürderhin auch um das IHK für Hitdorf kümmern.
Das kommt gerade in die Anlaufphase. Die dauert nach den Erfahrungen in der Stadtverwaltung nahezu drei Jahre. Schließlich gilt es, nicht nur Ziele zu definieren. Zuvor müssen Stärken und Schwächen des Stadtteils herausgearbeitet, die Bürger beteiligt, Vorschläge für die passenden Rezepte und eine Strategie für deren Umsetzung erarbeitet werden. Erst dann kann der Förderantrag geschrieben werden, was wiederum ein halbes Jahr in Anspruch nimmt. Danach geht es an die Verwirklichung des Konzepts – sofern es als förderungswürdig erachtet wird. Die Umsetzung dauert fünf Jahre, in denen alles von der Stadtverwaltung begleitet wird.
Viel Aufwand, den der Sozialdezernent in Manfort aber sehr gern betreiben würde. Markus Märtens hält nur einen ganzheitlichen Ansatz in Manfort für „zielführend und wünschenswert“. Soziale Flickschusterei bringe den Stadtteil nicht weiter.
Bericht zeigt den Bedarf
Das habe vor einiger Zeit der Sozialbericht gezeigt und jüngst die Belegung der großen Flüchtlingsunterkunft auf dem früheren Eumuco-Gelände an der Josefstraße. Aus dem Rathaus selbst war also die dringende Empfehlung für „sozialstrategische Maßnahmen“ in dem Stadtteil gekommen.
Die können aber vorerst nicht umgesetzt werden. Dazu müsste die Stadt Fachkräfte einstellen. Wofür Kämmerer Frank Stein derzeit keinerlei finanziellen Spielraum sieht. Das Trostpflaster besteht aus einer Quartiersanlaufstelle für Manfort. Die auch gefördert wird: Das Sonderprogramm des Landes trägt den Titel „Hilfen im Städtebau für Kommunen zur Integration von Flüchtlingen“.
Diese Notbremsung bei einem so wichtigen Projekt nahm Erhard Schoofs im Rat zum Anlass, sich publikumswirksam zu wundern. Dass Stein als Kämmerer mit rotem Parteibuch ein großes SPD-Projekt torpediere, sei merkwürdig. „Ich habe einen Eid abgelegt, mich für das Wohl der Stadt und seinen Bürger einzusetzen“, konterte Stein. Das stehe dem Wohl der SPD manchmal entgegen.
