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Tarifflucht nimmt offenbar zu

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Appell Ein Großteil der 3200 Unternehmen in der Stadt hält sich nicht mehr an Tarifverträge. So schätzt zumindest Manja Wiesner, Chefin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in der Region Köln-Leverkusen, die Situation ein. Sie bezieht sich dabei auf Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Danach nimmt die Tarifbindung im Westen Deutschlands immer weiter ab: Nur noch 57 Prozent der Arbeitnehmer seien nach den Regeln eines Tarifvertrags angestellt. Im Jahr 2000 habe der Anteil noch bei 70 Prozent gelegen.

Aufgrund der wirtschaftlichen Struktur lag der Anteil der Tarifbeschäftigten in Nordrhein-Westfalen etwas höher, zuletzt bei 62 Prozent. Und wegen des großen Gewichts der Chemischen und Pharmazeutischen Industrie könnte Leverkusen noch etwas besser dastehen als der Landesdurchschnitt. Denn vor allem in kleinen Unternehmen sind Tarifverträge fast eine Seltenheit. Laut IAB gilt nur in 26 Prozent der Firmen mit weniger als zehn Beschäftigten ein Tarifvertrag. In Unternehmen mit mehr als 200 Arbeitnehmern liegt die Quote in Nordrhein-Westfalen bei 77 Prozent.

Dennoch zeige die Kurve nach unten, und das sei, so Wiesner, von Nachteil für Arbeitnehmer, aber auch für die Arbeitgeber: „Tariflose Firmen haben in puncto Motivation und Produktivität der Mitarbeiter meist schlechtere Karten. Auch die Suche nach Fachkräften fällt ihnen schwerer.“

Schlecht steht es nach Angaben der Gewerkschaft auch um die Wirkung von Tarifverträgen für eine ganze Branche. Auch sie gehe deutlich zurück. So seien im Jahr 2017 nur 25 Tarifverträge vom Bundesarbeitsministerium als allgemeinverbindlich anerkannt worden. Im Jahr 2000 habe das noch für 133 Tarifverträge gegolten. (tk)