- Prächtig sollen sich die 30 Obstbäume entwickeln, die die Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW am Samstag setzte.
Leverkusen – In ein paar Jahren wird die nun noch kahle Wiese am Bahnübergang Sandstraße/Rothenberg nicht wiederzuerkennen sein.
Prächtig sollen sich die 30 Obstbäume entwickeln, die die Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW am Samstag setzte. Erst im vergangenen Jahr hat der Verband auf einer nahe gelegenen Wiese 20 Bäume gepflanzt, die auch zur großen Freude des Vorsitzenden Dr. Martin Denecke alle angegangen sind.
Er, der sich selbst bei den Vorbereitungen am Tag zuvor mit einer Kreissäge in den Daumen schnitt, beaufsichtigte am Samstag, dass die ehrenamtlichen Helfer ihre Arbeit richtig machen. In ihrem Tatendrang waren sie teils kaum zu bremsen.
Gefühlte 50 Jahre dabei
Dietmar Jordan stand auf einer Leiter und schlug, so fest er konnte, einen Stützpfahl in den Boden. „Er ist fast 80 Jahre alt und gefühlte 50 Jahre dabei“, sagte Dr. Martin Denecke, der sich noch mehr Mitglieder dieser Art wünscht: Naturschützer, die mit anpacken.
Ein Dutzend von ihnen, darunter auch drei junge Männer aus Afghanistan und Musikschulleiter Matthias Fromageot, waren am Samstag vor Ort. Ihr Ziel: Die Ausgleichsfläche des Landesbetriebs Straßen NRW soll zu neuem Leben erwachen. Bisher wurde die Wiese alle zwei Jahre im Juni gemäht. Das hatte zur Folge, dass sich keine Blütenpflanzen ansiedeln konnten, die für Insekten von großer Bedeutung sind.
Ende August wird gemäht
Nun soll künftig Ende August die Mähmaschine fahren. „Wir werden öfter gefragt, warum wir die Bäume in einer Linie nebeneinander setzen. Das sei ja unromantisch. Aber es hat mit dem Mäher zu tun“, erklärte Dr. Martin Denecke. „So kann er besser durchfahren und wenden.“ Die Früchte, die die vom Landesbetrieb Straßen NRW bezahlten Bäume tragen, werden nur zum Teil geerntet. Der Rest soll durchaus auf den Boden fallen dürfen, wo sich dann Insekten und Nagetiere darüber hermachen. Auch Vögel wie der Steinkauz werden durchaus angelockt.
Derzeit leide vor allem die Artenvielfalt der Insekten. „Das liegt am Urbanismus und an der intensiven Landwirtschaft. Es gibt wenige Flächen, die sich selbst überlassen sind“, erklärte Denecke, der aber keinesfalls den Landwirten die Schuld geben will. Er suchte den Kompromiss – auch in seiner Arbeit als Vorsitzender der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt. Der Verband kümmert sich in Leverkusen um eine Fläche von zehn Hektar, davon sind drei Hektar Streuobstwiesen.
Britta Demmer vom Naturgut Ophoven nahm am Samstag auch den Hammer in die Hand. Sie war überzeugt: „Durch die Obstbäume schaffen wir hier eine ökologische Aufwertung. Eine Streuobstwiese ist ein ganz wichtiges Biotop, gerade durch die Blüte.“
Bis es soweit ist, steht für die Naturschützer viel Arbeit an. Die jungen Bäume müssen einmal die Woche gegossen werden. 1000 Liter Wasser sind jedes Mal nötig. Auch der regelmäßige Schnitt ist wichtig. Dr. Martin Denecke und seine Mitstreiter waren sich sicher, dass dieses Engagement – im Sinne des Wortes – Früchte tragen wird.