Abo

VandalismusUnbekannte treiben lange Nägel in Platanen am Wiesdorfer Deich

3 min

Leverkusen – Der Leverkusener Deichhauptmann Heiner Pohlmann hat in 15 Jahren Amtszeit viel erlebt, aber sein neuester Fall ist auch für ihn absolut unerklärlich. Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr haben bisher noch unbekannte ohne erklärbaren Grund lange Nägel in einen Teil der Stämme der dicken Platanen auf dem Wiesdorfer Deich an der Dhünn getrieben. Ein verstörender Angriff gegen die Pflanzen.Sie gehören zum Vermögen des Leverkusener Deichverbands, weil sie auf dem Damm wachsen. Der Packen der über zehn Zentimeter langen Eisennägel, die Pohlmann gestern mit einem Kuhfuß aus den Bäumen gezogen hat, passen kaum in eine Hand. Meist hatte der Übeltäter die Nägel nicht ganz hineingeschlagen, ein Stück standen sie noch heraus, man konnte sie gut sehen. Dennoch hat der Baumnagler – es könnte natürlich auch eine Frau gewesen sein – einen ganz schönen Aufwand betrieben um die Bäume zu verletzen. Platanen haben hartes Holz. Sie werden durch die Nägel nicht eingehen, aber sie sind eben verletzt. Betroffen sind beide Alleen zu beiden Seiten des Flüsschens.Unter ihnen verlaufen die Rad- und Fußwege, deshalb ist es durchaus möglich, dass der Baumfrevel von irgendwem beobachtet worden ist. Betroffen war der Bereich ein paar hundert Meter von den Bahnschienen in Richtung Stadion oder auf der Südseite der Dhünn Richtung Calevornia. Pohlmann hat noch keine Anzeige erstattet: „Das bringt doch sowieso nichts.“ Der Deichhauptmann würde es aber tun, wenn Hinweise kommen.

Die Platanen sind laut Pohlmann eingetragene Naturdenkmäler. Sie wurden im Winter wieder einmal stark zurückgeschnitten. Das macht der Deichverband alle drei Jahre, damit unter den Bäumen noch eine ordentliche Grasnarbe wachsen kann. Die schützt den Damm und die Graswurzeln halten die Erde zusammen, die sonst bei Hochwasser weggeschwemmt wird. Pohlmann sagt, der Beschnitt koste den Deichverband alle drei Jahre 60 000 Euro, er sei wirklich notwendig. Die Sägearbeiten bringen aber regelmäßig Umweltschützer auf die Palme, weil er so radikal ausgeführt werden muss.

Pohlmann, der seinen Dienst als Hauptmann ebenso wie alle anderen Mitarbeiter ehrenamtlich macht, erklärte: In Deichverbänden können sich alle organisieren, deren Wohnort oder Produktion von einem Hochwasser bedroht ist. Normalerweise finanzieren diese Anwohner auch die Aktivitäten des Verbands. So müssen die Wiesen auf den Dämmen gemäht werden und eben die Bäume geschnitten werden.

Anwohner müssten zahlen

In Leverkusen ist es bisher etwas anders: Als Bayer seine Deponie in Bürrig anlegte, musste der Konzern einige große Grundstücke vom Verband kaufen. Der erhielt den Kaufpreis in Aktien ausgezahlt, die man in der Hochphase des Kurses verkaufte. Davon lebt der Leverkusener Deichverband bis heute recht gut. Sollte das Geld wegen der schlechten Zinsen wegschmelzen, dann müssten sie die Anwohner der Flüsse zur Kasse gebeten.

Der Leverkusener Deichverband betreut die Deiche an der Wupper in Rheindorf bis zur Mündung, die Dhünn ab Schlebuschrath bis zur Mündung, den Mühlengraben und den Rheindeich zwischen der Wuppermündung bis an die Hitdorfer Grenze.