Leverkusen – Wie lange ist es her, dass Sie das Gefühl von Gemeinschaft in einer größeren Gruppe wahrnehmen konnten? Wann haben sie das letzte Mal gehört, wie sich viele Stimmen zum Gesang vereinen? Die Krise hat sich als wahre Kulturkrise herausgestellt. Alles, womit man sonst seine Freizeit verbrachte, ist vom einen auf den anderen Tag weggebrochen. Und so ist es eine Wohltat, am Montagabend im Garten der Friedenskirche in Schlebusch zu sitzen und dem Chor zu lauschen.
Die Blue Mountain Singers haben wieder begonnen, zu proben: Unter freiem Himmel und mit anderthalb Metern Abstand zueinander. An diesem Probentag haben sich mehr als zwanzig Sängerinnen und Sänger unter der Magnolie eingefunden, auf Stühlen mit grünen Kissen, die Füße zwischen Gänseblümchen und Klee. Gesang auf der Wiese. Ab und zu knattert ein lautes Motorrad vorbei, oder eine Kaskade Autos rauscht in die Stadt hinein. Doch die Akustik unter dem schrägen Kirchturm, im Innenhof des Gemeindehauses, ist erstaunlich gut. Kantor Josef Nedzvetski leitet den Chor und begleitet die sakralen Stücke am Keyboard.
Erstmal aufwärmen
Doch zunächst das Aufwärmen. Die Choristen kennen die Bewegungen. Ein „u“ wird gesummt, dann ein offenes „o“. „Hi-hä-ha“-Stakkati; legato, in die Höhen und in die Tiefen. „Singt dem Herrn ein neues Lied“ erschallt zuerst, es folgt ein „Latino Halleluja“ mit echoenden Stimmen.
Die Blue Mountain Singers hoffen, dass die verschobenen Konfirmationen wie geplant im August stattfinden können – dann hätten sie nämlich einen Auftritt. Vielleicht auch nur mit einer kleineren Besetzung. Zu acht haben sie vor ein paar Wochen in der Kirche das „Halleluja“ von Cohen aufgenommen und als Hoffnungsschimmer auf Youtube gestellt, wie es so viele Chöre weltweit getan haben.
Viele neue Mitglieder
„Außerdem proben wir mehrere Teile aus „Kyrie – A Gospel Mass„ von Stephan Zebe“, erzählt Hans-Jörg Schaefer. Der Tenor erinnert sich, dass der Chor die Messe schon vor 20 Jahren gesungen hat. Jetzt gibt es viele neue Mitglieder, die die Stücke neu kennenlernen. Eigentlich hätte es Anfang Juni das Jubiläumskonzert gegeben – 25 Jahre Blue Mountain Singers. Es wurde nun um ein Jahr, auf den 12. Juni 2021, verschoben. „Wir hoffen auf Weihnachtskonzerte“, sagt Schaefer – eine Weihnachtszeit ohne Musik, wer möchte sich das auch vorstellen? „Doch erstmal widmen wir uns diesem anspruchsvollen Repertoire.“
Nedzvetski wippt auf seinem Kissen im Rhythmus auf und ab, hält sich die Hand als Trichter an den Mund, um Anweisungen zu geben. Die Abendsonne versteckt sich kurz hinter dicken Wolken, dann strahlt sie wieder sommerlich kräftig. Manche Chormitglieder halten die Noten als Sonnenschutz über den Nacken. Das gospelige „Kyrie“ beginnt a cappella, Dagmar Kilic steht ihrem Chor gegenüber. Die Altistin singt ein lockeres, perfekt sitzendes Solo. Ein andermal bedient sie das Shake-Ei, ein kleines Raschelinstrument für Samba-Rhythmen.
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Als letztes Stück an diesem Abend, genossen auf den warmen Steinen hinter den Choristen, erklingt „Lamb of God“ mit herausfordernden Akkorden. Doch Übung macht die (Sing-)Meister. „Give Us Your Peace, Give Us Your Holy Peace“ hebt die Stimmung in andere Sphären. Auch der Chorleiter ist zufrieden. Gepustete Küsschen, ein Lächeln – der schönste Abschluss eines langen Sommertages.
Das nächste Konzert der Blue Mountain Singers soll am 20. September um 17 Uhr im Gemeindezentrum Steinbüchel stattfinden. Nach der nächsten Montagsprobe ist erstmal Sommerpause.


