Leverkusen – Es war der 19. Januar 2014, der sein Leben verändern sollte. Der damals 17-jährige Tobias Feld wollte vom Training nach Hause und hatte es eilig. Mit einem Freund auf dem Sozius donnerte er die Hitdorfer Straße entlang, überholte noch ein Auto. 70 statt der erlaubten 30 Stundenkilometer hatte er auf dem Tacho, wie Sachverständige ermittelten. Ein 20-jähriger Autofahrer, der aus der Fährstraße einbiegen wollte, hatte am Stoppschild gehalten, das Licht des herannahenden Motorrads aber für ein entferntes Fahrrad gehalten. Das Motorrad prallte mit voller Wucht in die Fahrertür. Tobias Falke erlitt schwere Verletzungen.
Am Donnerstagmorgen zeigt er seine Narben immer wieder vor, für Reporter und Fernsehkameras. Das gebrochene Handgelenk, mehrfach operiert und mit einer Platte stabilisiert, die gebrochene Kniescheibe, dazu Rippenbrüche und weitere Verletzungen. Vier Monate war er außer Gefecht gesetzt. Jetzt ist er wieder fit. „Ich bin ja hart im Nehmen.“ Und er stellt sich in der Nähe seines Unfallortes als Zeuge der Polizei zur Verfügung, die an diesem Tag vor den Folgen überhöhter Geschwindigkeit warnt. Polizeipräsident Jürgen Mathies ist zur Kontrollstelle an der Hitdorfer Stadthalle gekommen, um den neunten Blitzmarathon für die Polizei Köln/Leverkusen zu eröffnen, und das Medienaufgebot ist beträchtlich.
Kritik an Kontrollen zurückgewiesen
Kritik an allzu demonstrativen Kontrollen an diesem Tag weist Mathies mit Hinweis auf die Opferzahlen zurück. 524 Menschen wurden im vergangenen Jahr bei Unfällen auf den Straßen Nordrhein-Westfalens getötet, tausende schwer verletzt. Mit der Hauptunfallursache überhöhte Geschwindigkeit werden Menschen entstellt und verkrüppelt, bleiben körperliche und seelische Wunden zurück, die oft ein Leben lang nicht mehr heilen. Oft auch bei den Angehörigen, wie die Abteilung Opferschutz der Polizeibehörde eindrucksvoll berichten kann.
Doch alle Kontrollen, die besonders mit solchen Inszenierungen wie dem Blitzmarathon ja eine erinnernde und ermahnende Funktion haben, konnten bisher wenig ändern. Im Gegenteil: „Da ist etwas geschehen in dem Sinne, dass viele Verkehrsteilnehmer ganz grundsätzlich Tempolimits ignorieren“, sagt Mathies. Eine „besonders verwerfliche Verkehrsmoral“ attestiert er jener extremen Raserszene in Köln und auch in Leverkusen, denen die Soko Rennen seit einem Jahr nachstellt. Bei über 100 000 Messungen wurden über 13 0000 Verstöße festgestellt. Über 100 manipulierte Autos wurden sichergestellt. Doch mehr Sicherheit auf den Straßen ist nur mit Repression erreichbar, meint Mathies: „Jeder Autofahrer muss jederzeit damit rechnen, an jeder Stelle geblitzt zu werden.“ An 22 Stellen in Leverkusen wurde gestern von der Polizei geblitzt, an elf weiteren von der Stadtverwaltung. 33 Temposünder gingen der Polizei bis nachmittags ins Netz.
Tobias Feld fährt immer noch leidenschaftlich Motorrad. Inzwischen aber mit Führerschein. Und wenn es schnell zugehen soll, auf eigens dafür zugelassenen Rennstrecken. Im Straßenverkehr fährt er heute angepasst und defensiv, betont er. „Scheiß auf die fünf Minuten, die du schneller sein könntest. Ein Unfall macht dich so fertig und kostet irres Geld. Das ist es nicht wert.“