Leverkusen – Ein Wasserfall war nichts dagegen. Ohne Punkt und Komma redete sich der Zeuge vor dem Kölner Landgericht am Freitag in Rage und ließ kein gutes Haar am Angeklagten. Erkan G. (Name geändert) solle ein Rückenleiden haben? „Schwachsinn!“ Er selbst solle ein Konkurrent im Drogenhandel gewesen sein? „Schwachsinn!!“ Er solle Erkan G. bedroht haben? „Schwachsinn!!!“ Sabine Kretzschmar, die Vorsitzende der 11. Großen Strafkammer, konnte ihre Fragen gar nicht so schnell stellen, wie der 25-Jährige von seinem Lieblingswort Gebrauch machte.
Einst gute Freunde
Früher, als er selbst noch Drogen genommen und seine gesamte Tagesfreizeit in der Muckibude beim Krafttraining verbracht habe, seien er und der heute 33 Jahre alte Angeklagte gute Freunde gewesen, erzählte der Zeuge. Da sei er 17, später 18 Jahre alt gewesen, habe dann aber beschlossen, einen anderen Weg zu gehen. Deshalb sei er auch aus der Siedlung Heidgen in Steinbüchel nach Bergisch Gladbach gezogen und befinde sich inzwischen im zweiten Ausbildungsjahr zum Einzelhandelskaufmann.
Erkan sei indessen immer weiter auf die schiefe Bahn geraten und habe irgendwann begonnen, ihn zu hassen – „weil ich zu viel über ihn weiß: Dass er im Kiosk seines Onkels ein Techtelmechtel mit der Tante hatte und dass er seine kleinen Neffen als Drogenkuriere missbraucht hat, zum Beispiel“. Der Angeklagte bestreitet keineswegs, mit Drogen gehandelt zu haben, behauptet in dem seit Anfang Juni laufenden Prozess aber, dass die gegnerische Bande des 25-Jährigen ihn aus dem Geschäft drängen wollte.
Ende Juli 2014 kam es dann zum Showdown auf der Hermann-Hesse-Straße, wo Erkan G. einen angeblichen Gefolgsmann seines Widersachers mit zwei Schüssen lebensgefährlich verletzte. Die Beweisaufnahme wird in der kommenden Woche mit weiteren Zeugen fortgesetzt.
