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Täter und Opfer kannten sich nichtMann stößt Frau „aus Mordlust“ in Voerde vor Zug

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Unglück voerde

Freunde der getöteten Frau legten Blumen und Kerzen an der Unglücksstelle nieder.

  1. Am Samstagmorgen hat ein 28-Jähriger, scheinbar ohne Anlass, eine 34-Jährige am Bahnhof Voerde vor einen Zug geschubst
  2. Das Opfer starb an Ort und Stelle, gegen den Täter wurde nun Haftbefehl erlassen
  3. Die Menschen reagieren fassungslos – auch in den sozialen Medien ist die Anteilnahme groß

Voerde – Am Sonntag versammeln sich Bekannte der getöteten Frau auf dem Steig 1 am Bahnhof in Voerde. Blumen werden niedergelegt, Kerzen aufgestellt. „Nur die Besten sterben jung“, steht auf einer. Darunter die Lebensdaten: 15. November 1984 bis 20. Juli 2019. Anja N. aus Voerde wurde 34 Jahre alt. Sie hinterlässt ihren Ehemann und eine jugendliche Tochter. Sie starb auf grausame Weise am Samstag.

Tat geschah aus heiterem Himmel

Es geschah um 8.49 Uhr am Morgen. Die 34-Jährige wartete am Bahnsteig auf ihren Zug in Richtung Oberhausen, als sie von einem Mann direkt vor den einfahrenden Regionalexpress ins Gleisbett gestoßen wurde – so der Bericht der Polizei. Sie wurde überrollt und starb an Ort und Stelle. Der angeforderte Rettungshubschrauber kam nicht mehr zum Einsatz.

Die Tat passierte offenbar aus heiterem Himmel und ohne jeden äußeren Anlass. Der mutmaßliche Täter, ein 28-Jähriger aus Hamminkeln im Kreis Wesel, sei „dringend tatverdächtig, das Opfer heimtückisch und aus Mordlust vor den einfahrenden Zug geschubst zu haben“, heißt es von der Polizei. „Täter und Opfer kannten sich vor der Tat nicht; es gab auch keinen Streit zwischen den beiden.“ Allerdings sei der Mann „polizeibekannt“ gewesen. Inwiefern er in der Vergangenheit in Erscheinung getreten war, darüber machen die Behörden offiziell keine Angaben. Am Sonntag dann erlässt das Amtsgericht Duisburg Haftbefehl wegen Mordes. Die zwei Tatmerkmale Heimtücke und Mordlust sieht die Staatsanwaltschaft erfüllt. So soll der Mann die Frau von hinten unmittelbar vor den sich nähernden Zug gestoßen haben.

SPurensuche Voerde

Polizeibeamte suchen am Bahnhof in Voerde nach Spuren.

Täter ist polizeilich bekannt

Am Samstagmorgen hatten Zeugen den 28-Jährigen nach dem Verbrechen am Tatort festgehalten. Die Polizei war kurz darauf da, ebenso Notarzt und Feuerwehr. Menschen, die das Geschehen miterlebt hatte, mussten seelsorgerisch betreut werden – der Lokführer, Reisende, Angehörige, aber auch die Einsatzkräfte der Feuerwehr, die zu helfen versuchten und die junge Frau nicht mehr retten konnten. Für die Spurensicherung wurde die Bahnstrecke mehrere Stunden lang gesperrt.

Nach Informationen unserer Redaktion handelt es sich bei dem Tatverdächtigen um einen in Deutschland geborenen Serben. Er soll verheiratet sein, zwei Kinder haben und von seiner Frau getrennt leben. Er ist vorbestraft wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und Sachbeschädigung. Eine Nachbarin in Hamminkeln schildert, der 28-Jährige habe sich häufig auffällig verhalten. Er habe herumgeschrien, anderen Schläge angedroht und sei sogar auf fahrende Autos gesprungen. Der Mann habe die Nachbarn terrorisiert, sie sei froh, „dass er nun erst mal weg ist“.

Opfer hatte erst ein Jahr zuvor geheiratet

Am Sonntag spielen sich am Tatort traurige Szenen ab. „Ich habe es im Radio gehört“, sagt eine Frau, die weiße Rosen niederlegt. „Da wusste ich noch nicht, dass es eine Arbeitskollegin von uns ist.“ Sie schüttelt den Kopf: „Jetzt ist mir schlecht. Ich weiß gar nicht, welche Gefühle ich zuerst habe.“ Trauer, Entsetzen, Wut, Hilflosigkeit. Die Kolleginnen der getöteten Frau, die jetzt als Gruppe vor der kleinen Gedenkstelle stehen, haben sich verabredet, am Ort ihres Todes zusammenzukommen. Sie hatten das Gefühl, sie müssten irgendetwas tun, und sie wollten dabei nicht allein sein, beschreiben sie: „So kann man irgendwie Anteil nehmen.“

„Das ist sie“, sagt eine Besucherin und zeigt auf ein Foto, das jemand an einer Kerze festgebunden hat. Es zeigt eine junge, lächeln de Frau im Kreis von Freunden. Und so sei sie auch gewesen, beschreibt eine andere Mitarbeiterin. Erst im vergangenen Jahr hatte sie geheiratet, „ich habe ihr noch Tipps gegeben für die Hochzeitsreise“. Ihr Ehemann war noch am Samstag nach dem Unfall zum Bahnhof geeilt. Im sozialen Netzwerk Facebook postete er anschließend ein Hochzeitsbild.

Große Anteilnahme in sozialen Netzwerken

Direkt am Bahnhof gibt es eine Gaststätte, den „Papala-Pub“. Der Gastwirt kannte sowohl Anja N. als auch einen Freund, mit dem sie am Samstagmorgen unterwegs gewesen sei. „Die kamen ab und zu rein und habe ein paar Bierchen getrunken“, erzählt er. Nett, offen und fröhlich sei sie gewesen. Jetzt müsse er an das Verbrechen denken, „jedesmal, wenn man einen Zug hört“.

In den sozialen Netzwerken nehmen die Menschen großen Anteil am Geschehen. So wurde bereits eine Spendenaktion für die Familie ins Leben gerufen.