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„WeiterLev“Leverkusener Musikschullehrer fühlen sich von Politik alleingelassen

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Leverkusen – Übersehen konnte man das Meer aus Schuhen auf dem Vorplatz der Rathaus-Galerie am Samstag kaum. Das Aktionsbündnis „WeiterLev“ hatte alle Bürger dazu aufgerufen, noch brauchbare Schuhe zu spenden. Mit dem Erlös soll integrativer Musikschulunterricht subventioniert werden; ein Schritt, der ein klares Zeichen setzen soll und von den Organisatoren als „absolut notwendig“ bezeichnet wird.

Die Debatte, an welcher Stelle sich das städtische Budget kürzen lasse, reicht schon einige Jahre zurück, spitzt sich im Moment aber dramatisch zu. Ein aktuelles Gutachten hat drastische Einsparungen empfohlen, um die mehr als eine Million Euro Defizit jährlich im städtischen Kulturhaushalt zu verringern. Doch eine solche Kürzung sehen die Kulturschaffenden von „WeiterLev“ gar nicht ein. „Es ist, als werde man gefragt, welchen Arm man sich abschneiden soll. Gar keinen!“, stellte Petra Clemens, Leiterin des Jungen Theaters Leverkusen, fest. Ihr Kollege Stefan Esser stimmte ihr energisch zu und ergänzte: „Wenn überhaupt, dann braucht die Kultur mehr Geld. Immerhin geht es hier um Bildung.“

Dreitausend Paar

Das wurde auch lautstark über Megaphon vom Musikschullehrer und Sprecher der Honorarkräfte Martin Ehrhardt verkündet. Von der Politik fühle man sich teils allein gelassen; und denen, die die Kulturförderung erhalten wollen, wolle man auch mit dieser Aktion den Rücken stärken und Mut zusprechen, so Ehrhardt. Eine weitere Kulturkürzung vertrage die Stadt nicht, denn Qualität wolle man nicht einbüßen – gerade, weil es um die Kinder geht. Doch nicht nur die Einnahmen, auch die Ästhetik der demonstrativ ausgestellten Schuhe vor dem Rathaus sollten das Bündnis symbolisch unterstützen. Die von den Organisatoren auf 3000 Paar geschätzten Schuhe sollten zugleich für die rund 3200 Schüler der Musikschule stehen.

Zu den Kunden der Musikschule zählt auch Familie Otto, die noch am Samstag selbst Schuhe spendete, um sich an der Aktion zu beteiligen. Die fünf Kinder der Familie seien alle schon seit Jahren bei der Musikschule und würden es lieben, so ihre Mutter. Zwar habe eins ihrer Kinder auch einmal privaten Unterricht ausprobiert. Doch hätten sie schnell gemerkt, dass sich die Qualität stark unterscheide und zudem die allgemeine kulturelle und soziale Komponente fehle, die in der Musikschule noch nebenbei vermittelt werde. Auch Birthe Metzler, eine angestellte Lehrerin der Musikschule, weiß, dass es nicht nur um das Erlernen eines Instruments geht. Sie fürchtet den Verlust der Qualität der Musikschule allgemein, da Honorarkräfte lediglich für die Stunden bezahlt werden, die sie tatsächlich absolvieren, während Festangestellte auch noch weitere Aufgaben wie Ensemble-Konzerte und Fahrten mit den Schülern unternehmen.

Dies stärke den Sozialsinn und gebe den Kindern die Möglichkeit, intensiv zu proben. „Solche Angebote machen das Leben an der Musikschule erst aus“, erklärte Metzler. Bei Honorarkräften wäre dies jedoch mit zusätzlichen Kosten verbunden und daher kaum durchführbar. Darauf zu verzichten, wäre ein spürbarer Verlust.