Die Ukraine setzt ihre Angriffsserie fort. Bei russischen Angriffen sterben mindestens zehn Menschen – ein Marschflugkörper explodiert in Polen.
„Eskaliert in beispiellosem Ausmaß“Ukraine greift Ziele in Russland an – Explosion und Krater in Polen

Der Screenshot aus einem Video soll ein Feuer in einem Wildberries-Logistikzentrum in Pensa zeigen.
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Die Ukraine hat ihre Angriffsserie gegen den russischen Online-Versandhändler Wildberries fortgesetzt. In der Nacht auf Donnerstag (30. Juli) seien Logistikzentren des als „Russlands Amazon“ bekannten Unternehmens in den Regionen Pensa und Udmurtien angegriffen worden, berichteten ukrainische und russische Medien übereinstimmend.
In den sozialen Netzwerken kursierten Aufnahmen, die große Rauchsäulen und brennende Lagerhallen zeigen. Unabhängig überprüfbar sind die Videos nicht.
Ukraine setzt Angriffe auf Wildberries und Ölindustrie fort
Seit Anfang Juli attackiert die Ukraine immer wieder Logistikzentren des größten russischen Versandhauses Wildberries. Die symbolträchtigen und weithin sichtbaren Angriffe verursachen Milliardenschäden. Ein Ziel dürfte aber auch sein, Unruhe in der städtischen russischen Mittelschicht zu schüren, die häufig Waren bei Unternehmen online bestellt.

Ein Screenshot aus einem Video soll einen Großbrand in einer Wildberries-Lagerhalle in Rjasan zeigen. (Archivbild)
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Der ukrainische Generalstab bestätigte zudem einen Angriff auf eine Ölraffinerie in der Stadt Perm. Die Anlage des Unternehmens Lukoil zähle zu den größten in Russland, hieß es aus Kyjiw.
Russland: Treibstoffknappheit und Kritik am Kreml
Auch dieser Angriff passt ins Bild: Seit Monaten läuft eine ukrainische Angriffsserie auf russische Raffinerien. Sie soll Treibstoff im gegnerischen Land verknappen und verhindern, dass Russland mit dem Export von Öl und Ölprodukten Geld für den Krieg verdient.
Die systematischen ukrainischen Angriffe haben zuletzt für Treibstoffknappheit und ungewohnt offene Kritik am Kreml und Machthaber Wladimir Putin gesorgt. Die russische Regierung ist unterdessen bisher nicht von ihrem Kurs abgerückt – sowohl Putin als auch Außenminister Sergej Lawrow bekräftigten in dieser Woche Moskaus Maximalforderungen.
Russland greift Städte an: „Dutzende gewöhnliche Wohnhäuser zerstört“
Gleichzeitig setzt Russland auch seine Raketen- und Drohnenangriffe auf ukrainische Städte fort. Landesweit gab es laut Behörden mindestens zehn Tote und Dutzende Verletzte. Insbesondere die Stadt Lwiw nahe der polnischen Grenze beklagte schwere Zerstörungen.
„Dutzende gewöhnliche Wohnhäuser, zivile Unternehmen und Infrastruktureinrichtungen wurden zerstört und beschädigt“, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Russland habe bei den Angriffen mehr als 70 Marschflugkörper und Raketen eingesetzt.
Russischer Marschflugkörper dringt in polnischen Luftraum ein
Ein mutmaßlich von Russland abgefeuerter Marschflugkörper drang zudem in den polnischen Luftraum ein und stürzte in Polen ab, wie die Regierung in Warschau mitteilte. Damit verletzte Moskau den Angaben zufolge wie bei ähnlichen Fällen in der Vergangenheit einmal mehr den Luftraum eines NATO-Mitgliedstaates.
Die Polizei in Lublin teilte auf X mit, Anwohner hätten in den Morgenstunden einen gewaltigen Knall gemeldet. In der Nähe von Tarnawa Kolonia fanden Polizisten einen Krater von zehn Metern Durchmesser.
„Nach Ansicht der Experten von der Armee deuten die meisten Spuren, darunter auch die gefundenen Trümmerteile, auf einen Marschflugkörper vom Typ CH-101“, sagte Regierungschef Donald Tusk am Absturzort. Er wolle aber dem Ergebnis der laufenden Untersuchungen nicht vorgreifen.
Empörung über russische Angriffe in Europa
Die russischen Angriffe auf die ukrainische Zivilbevölkerung sorgten in Europa für Empörung. „Wir verurteilen die massiven russischen Angriffe auf die Ukraine scharf. Viele Zivilisten mussten wieder ihr Leben lassen. Und der Einschlag in Polen zeugt auch von russischer Rücksichtslosigkeit und Eskalationsbereitschaft“, schrieb Bundeskanzler Merz auf der Plattform X. „Wir stehen unverbrüchlich an der Seite unserer Partner.“
„Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine eskaliert in beispiellosem Ausmaß“, schrieb der Generalsekretär des Europarates, Alain Berset, auf der Plattform X. Estlands Präsident Alar Karis fand ebenfalls deutliche Worte. „Eine weitere Nacht mit russischen Angriffen: Zivilisten getötet, darunter auch Kinder. Häuser zerstört. Städte in der ganzen Ukraine in Flammen gesetzt – nun wird von einer Explosion und Trümmern auf NATO-Gebiet in Polen berichtet“, beschrieb Karis Moskaus Methoden und sicherte Warschau und Kyjiw seine Solidarität zu.
Selenskyj fordert mehr Waffenlieferungen
Die Ukraine forderte ihre Verbündeten unterdessen erneut zur Lieferung von Waffen auf. „Verspätete Hilfe und Verzögerungen bei der Lieferung von Raketenabwehrsystemen führen genau zu solchen Zerstörungen und genau zu solchen Opfern, wie wir sie heute leider erleben“, schrieb Präsident Selenskyj bei X.
Kampfflugzeuge konnten nach seiner Darstellung eine beträchtliche Anzahl von Marschflugkörpern abschießen. Zugleich verwies der Staatschef erneut auf den „kritischen Mangel“ an Patriot-Raketen für die Luftabwehr. (mit dpa)
