Bei einem Brand und einer Explosion in einer Bar in der Schweiz hat es in der Silvesternacht viele Tote und Verletzte gegeben.
Feuerinferno bei SilvesterfeierMehr als 40 Tote bei Brand in Schweizer Nobelort – Zeugen berichten von Panik
Eine Silvesterparty im Schweizer Nobelskiort Crans-Montana endete in einer Feuertragödie mit mehr als 40 Toten. Durch das Feuer in einer Bar im Schweizer Skiort Crans-Montana sind nach Angaben der Polizei 115 weitere verletzt worden. Die meisten Verletzungen seien schwer, sagte der Polizeichef des Kantons Wallis, Frédéric Gisler, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Der Schweizer Präsident Guy Parmelin nannte den Brand „eine der schlimmsten Tragödien, die unser Land erlebt hat“.
Das Unglück in dem bekannten Touristenort löste bei Anwohnern, Touristen und Politikern Erschütterung aus. „Dieser Abend sollte eigentlich ein Fest sein, doch er wurde zu einem Alptraum“, sagte der Präsident der Regierung im Kanton Wallis, Mathias Reynard. Bei dem Brand in der Bar „Le Constellation“ sind nach Angaben der Polizei zudem rund 100 Menschen größtenteils schwer verletzt worden.
Touristen in Crans-Montana unter Schock
Crans-Montana ist einer der bekanntesten Touristenorte in den Schweizer Alpen und über Feiertage wie Weihnachten und Neujahr mit tausenden Besuchern aus aller Welt meist ausgebucht. Es sei sehr wahrscheinlich, dass unter den Opfern ausländische Gäste seien, so die Polizei. Ob Deutsche betroffen sind, war zunächst unklar. Die Ermittler gehen von einem Unglück aus. „Ein Anschlag kann absolut ausgeschlossen werden“, sagte Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud bei einer Pressekonferenz.
Eine Besucherin aus Stuttgart steht unter Schock: „Wir haben mit der Familie in unserer Ferienwohnung Silvester gefeiert“, sagte Christina Lutz der Deutschen Presse-Agentur. „Die Kinder von Freunden sind gestern Abend in der Bar gewesen. Ihnen ist zum Glück nichts passiert, aber sie haben offenbar viele Freunde verloren.“
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) sprach den Opfern und ihren Familien sein Mitgefühl aus. „Ich bin zutiefst erschüttert über den tödlichen Brand in Crans-Montana in der Silvesternacht“, schrieb er auf X. Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin, der sein Amt erst Stunden vorher angetreten hatte, zeigte sich ebenfalls bestürzt: „Was ein Moment der Freude sein sollte, verwandelte sich am Neujahrstag in Crans-Montana in eine Trauer, die das ganze Land und weit darüber hinaus erfasst hat“, schrieb er auf X.
Verpuffung erst nach dem Brand
Die Ermittler schließen einen Anschlag nach Zeugenbefragungen und ersten Ermittlungen aus, wie der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Frédéric Gisler sagte. Die Explosionen, von denen Anwohner berichteten, hätten sich erst nach dem Brandausbruch ereignet. Das Feuer habe bei seiner Ausbreitung eine Verpuffung ausgelöst, sagte der für Sicherheit zuständige Staatsrat im Kanton Wallis, Stéphane Ganzer. Er berief sich dabei auf Zeugenaussagen und erste Ermittlungen.

Crans Montana: Das Innere der Bar und Lounge Le Constellation, wo nach einer Explosion in den frühen Morgenstunden der Silvesternacht ein Feuer ausgebrochen ist.
Copyright: Police Cantonale Valaisanne/Police Cantonale Valaisanne/AP/dpa
„Wir haben eine Explosion gehört, aber das hörte sich überhaupt nicht wie Silvesterfeuerwerk an“, sagte Anwohner Jeoffrey d'Amecourt dem Sender RTS. Das Gebäude, in dem sich die Bar befand, sei schwer beschädigt worden. Die Polizei hat das Gelände rund um die Bar auf der Hauptstraße des Ortes weiträumig abgesperrt.
Die Polizei hat eine Telefonauskunft für Angehörige eingerichtet. Die Medienwebseite der Kantonspolizei brach nach der ersten Mitteilung dort angesichts der zahlreichen Abrufe zusammen.
Kerzen als Auslöser der Katastrophe von Crans-Montana?
Zur Brandursache konnte Staatsanwältin Pilloud zunächst keine Angaben machen. Ebenso äußert sie sich auf Nachfrage nicht dazu, ob die Bar über die korrekten Notausgänge verfügte und ob diese auch funktionierten.
Es wird über Kerzen oder einen Feuerwerkskörper als mögliche Auslöser spekuliert. Zwei Augenzeuginnen sagten dem französischen Sender BFMTV, das Feuer sei durch Kerzen verursacht worden. Die Französinnen, die nach eigenen Angaben in der betroffenen Bar „Le Constellation“ gefeiert hatten, berichteten, es habe Kerzen in Champagnerflaschen gegeben. Eine davon sei zu nah an die Decke gekommen, die dann Feuer gefangen habe. Der Brand habe sich innerhalb von Sekunden ausgebreitet. Die Decke sei aus Holz gewesen, zitierte der Sender die Frauen, deren Namen er mit Emma und Albane angibt. In der Bar sei Panik ausgebrochen.
Der italienische Botschafter in der Schweiz Gian Lorenzo Cornado s spekulierte über einen Feuerwerkskörper. „Wir können dazu keine Angaben machen“, sagt Daniel Imboden, Sprecher der Kantonspolizei. „Wie immer wird in alle möglichen Richtungen ermittelt.“

Crans-Montana: Polizeibeamte inspizieren den Bereich, in dem in der Bar und Lounge „Le Constellation“ ein Feuer ausgebrochen ist.
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Die vielen Opfer wurden per Hubschrauber in umliegende Krankenhäuser gebracht, etwa in Sitten, aber auch ins rund 100 Kilometer Luftlinie entfernte Genf. Dort landeten am Universitätsspital nach Angaben von Augenzeugen am Vormittag zahlreiche Hubschrauber.
Der Alarm ging bei der Polizei gegen 1.30 Uhr ein. In der Bar feierten noch zahlreiche Besucher der Silvesterparty in das neue Jahr. Die Einsatzkräfte seien innerhalb von Minuten vor Ort gewesen, so die Behörden. Angesichts des Ausmaßes der Tragödie eilte unter anderem auch die Bergwacht aus dem Aostatal in Italien zu Hilfe.
Der Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana
Crans-Montana liegt im Kanton Wallis und gilt als mondäner Ferienort mit vielen Prominenten. Berühmtester Einwohner war James-Bond-Schauspieler Roger Moore (1927-2017). Der Ort auf etwa 1.500 Metern Höhe hat ein großes Skigebiet. Ende Januar und Anfang Februar finden dort auch Rennen des Ski-Weltcups statt.
Über die Feiertage ist der Ort in der Regel ausgebucht. Auf rund 10.000 Einwohner kommen rund 2.600 Hotelbetten, davon acht Hotels in der Luxuskategorie, und Hunderte Ferienwohnungen. Bei rund einer Million Übernachtungen im Jahr kommen nach Angaben der örtlichen Tourismusbehörde etwa 20 Prozent der Gäste aus dem Ausland. Der nächste große Flughafen ist Genf. Auf dem Landweg sind es von dort aus 180 Kilometer. (red/afp/dpa)

