Viele ihrer Kundinnen halten Grazielle Brundo seit Jahrzehnten die Treue. Zusammen mit ihnen feierte sie jetzt das 30-jährige Bestehen ihres Ehrenfelder Salons.
Seit 30 JahrenKölsche Sizilianerin feiert mit Kunden Jubiläum in ihrer „Haarwerkstatt“

In Feierlaune: Antonella Schmitz, Graziella Brundo und Katia Marabou sowie Kunde Tim (v.l.) begrüßten die Kundinnen mit Champagner.
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In 30 Jahren sei sie nur einmal fremdgegangen, erzählt Gabriele Hufnagel-Mertens, und zwar während einer sechswöchigen Indien-Reise. Ansonsten habe sie in all den Jahren der „Haarwerkstatt“ an der Venloer Straße 294 die Treue gehalten: „Als sie vor 30 Jahren öffnete, war ich eine der ersten Kundinnen. Ich schätze die gleichbleibende Qualität, das Eingehen auf die individuellen Wünsche.“ Monika Stein – ebenfalls ein Seitensprung: in Neuseeland – kommt sogar aus Weidenpesch hierher, und Hilla Allemand betont, sie sei „kein einziges Mal enttäuscht“ worden: „Graziella weiß alles über Haare, außerdem ist sie sehr zugewandt und erinnert sich problemlos an Gespräche, die man vor Wochen geführt hat.“
Ganz ähnlich sehen das wohl auch die übrigen knapp 200 Stammkundinnen und -kunden, die zur 30-Jahr-Party in den Salon gekommen sind, wo mit Champagner, einem großzügigen Buffet, vielen Luftballons und Gesprächen gefeiert wird. Lächelnd bestätigt Graziella Brundo, dass der ständige Umgang mit Menschen, die Unterhaltung, für sie einer der großen Vorzüge ihres Berufsstands sei. „Man lernt dabei so viel über andere Menschen, aber auch über sich selbst“, sagt die Friseurmeisterin, die ihre „Haarwerkstatt“ im Jahre 1996 gleich neben einem der Zugänge zur U-Bahnstation Körnerstraße eröffnete. „Aber man kann dabei auch kreativ arbeiten, man muss sich auf dem Laufenden halten, was aktuelle Trends angeht.“
Zeitweise gab es vier Filialen, das Geschäft in Ehrenfeld ist geblieben
Brundo war als Kind mit ihren Eltern von Sizilien nach Köln gekommen, zwei ihrer Schwestern sind ebenfalls Friseurinnen. In der Venloer Straße lief es gut, zusammen mit einem Geschäftspartner eröffnete sie in den Neunzigern noch vier weitere Salons in Köln. Doch die wurden 2005 wieder geschlossen, als man auseinanderging, nur die Ehrenfelder Filiale blieb übrig. Sie überlebte die Veränderungen der Venloer Straße in den vergangenen drei Jahrzehnten, die Schließung inhabergeführter Geschäfte, die zeitweise beängstigende Ausbreitung von Ein-Euro-Läden und Handy-Shops, auch die sprunghafte Zunahme der Barbershops.
Immer mehr Männer kommen zu ihr, trotz Barbershop-Schwemme
„Hier gleich nebenan hat auch mal ein Barbershop eröffnet, aber das war eigentlich keine Konkurrenz, eher ein zusätzliches Angebot“, meint Graziella Brundo. Schließlich seien deren Kunden, wie der Name vermuten lasse, meist Männer, es gehe um Bärte. Häufig würde dort auch mit der Maschine gearbeitet, während man gut ausgebildete Friseurinnen und Friseure am konsequenten Gebrauch der Schere erkenne. Natürlich sei das auch preislich ein Unterschied: „In dieser Hinsicht liegen wir hier aber noch im mittleren Segment, auf der Dürener Straße zum Beispiel wird’s teurer.“
Qualität, auch was die Verwendung von Pflegeprodukten angeht, zahle sich aber letztlich aus, und natürlich spiele auch der Zuzug kaufkräftiger jüngerer Menschen ins angesagte Ehrenfeld Salons wie der Haarwerkstatt in die Karten. Ein allgemeiner Trend kam hinzu: Männer sind in den vergangenen Jahrzehnten konstant anspruchsvoller geworden, was die Körper- und Haarpflege angeht. „Genau kann ich das natürlich nicht sagen, aber ich schätze, dass mittlerweile 40 Prozent der Kundschaft Männer sind, manchmal glaube ich, es sind schon 50 Prozent.“
Wirklich schwierig sei es nur während der Pandemie gewesen, sagt Graziella Brundo. Ein Lockdown zum Beispiel habe ihr, wie anderen Geschäftsleuten auch, komplett das Weihnachtsgeschäft verhagelt. Anders als Restaurants zum Beispiel konnte sie die Verluste später wenigstens zum Teil wieder wettmachen: „Nach den Lockdowns haben wir an manchen Tagen bis in die Nacht gearbeitet, die Kunden rannten uns die Tür ein.“
Drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat Brundo heute und möchte noch ein Weilchen weitermachen. Aber sie denkt auch schon über ganz andere Aufgaben nach: „Mittlerweile haben sich so viele Geschichten über die ,Haarwerkstatt‘ angesammelt. Wenn ich mal aufhöre, schreibe ich vielleicht ein Buch darüber.“