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Rheinpegel fällt auf Rekord-TiefSo wirkt sich das Niedrigwasser in Köln aus

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Nach wochenlanger Trockenheit hat sich der Rhein tief in sein Bett zurückgezogen.

Nach wochenlanger Trockenheit hat sich der Rhein tief in sein Bett zurückgezogen.

Wochenlange Trockenheit und Hitze haben den Wasserstand des Rheins stark sinken lassen. Das hat Folgen für Schifffahrt und Fauna. Fragen und Antworten.

Wie entwickelt sich der Rheinpegel momentan?

Am heutigen Donnerstag wird in Köln ein Rheinpegel von rund 85 Zentimetern erwartet. Das ist ein extrem niedriger Wert. Weil für Süddeutschland Gewitter und Regen angesagt sind, wird erwartet, dass der Rheinpegel bis Mitte nächster Woche wieder leicht ansteigt, auf etwa 1,10 Meter. Danach wird das Wasser voraussichtlich wieder zurückgehen.

Wie sieht der historische Vergleich aus?

Nach Angaben der Stadtentwässerungsbetriebe (Steb) ist ein Pegelstand von 85 Zentimetern in Köln im Monat Juli seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1816 noch nie gemessen worden. Der bisherige Tiefstwert im Juli wurde vor 50 Jahren, am 9. Juli 1976, mit einem Tagesmittelwert von 1,18 Metern registriert. Im Dürresommer 2022 wurde am 16. Juli ein Wasserstand von 1,29 Metern notiert. Die aktuellen Werte stellen also einen Negativ-Rekord für Juli dar und liegen nur knapp über dem absoluten Tiefstwert: Am 23. Oktober 2018 stand der Kölner Pegel im Mittel bei 69 Zentimetern.

Welche Niederschläge sind für den Kölner Pegel maßgeblich?

Der Wasserstand des Rheins wird durch sein südlich gelegenes Einzugsgebiet bestimmt. Für Köln sind also Niederschläge in der Schweiz, Nordostfrankreich, Süddeutschland und im Rheinland maßgeblich, die über Flüsse wie Aare, Mosel, Neckar, Main, Lahn und Sieg in den Rhein gelangen.

Welche Folgen hat das Niedrigwasser für die Schifffahrt?

Weil viel weniger Wasser in der Fahrrinne ist als üblich, sind Frachtschiffe seit Wochen nur noch mit stark reduzierter Ladung unterwegs, weil sie sich sonst festfahren würden. Der am Markt verfügbare Schiffsraum wird knapp, weil die Ladung auf mehrere Schiffe verteilt werden muss. Transporte verteuern sich, teils werden Verkehre auf Bahn und Lkw verlagert.

So werden etwa Frachter, die Steinsalz für die chemische Industrie im Kölner Süden von Heilbronn zum Godorfer Hafen liefern, normalerweise mit bis zu 2000 Tonnen beladen. Wegen des Niedrigwassers erwarte man statt eines Schiffs am Wochenende nun am Freitag zwei Schiffe mit jeweils 477 Tonnen Ladung und am Samstag ein weiteres mit 550 Tonnen, erläutert Christian Lorenz, Sprecher des Kölner Logistikkonzerns HGK. „Generell gilt: Die Situation erfordert mehr Planung und eine noch engere Abstimmung mit Kunden, Verladern und Transporteuren.“

Ein mit Containern beladenes Frachtschiff fährt in Köln auf dem Rhein.

Ein mit Containern beladenes Frachtschiff fährt in Köln auf dem Rhein.

Wie sieht es bei der Köln-Düsseldorfer aus?

Die Personen- und Ausflugsschiffe verkehrten derzeit normal, erklärt Nina Luig, Geschäftsführerin der Köln-Düsseldorfer (KD). „Zum Glück haben unsere Schiffe einen geringen Tiefgang und können vorerst weiterfahren. Aber wir hatten noch nie so eine herausfordernde Situation mit niedrigen Wasserständen so früh im Jahr und müssen von Tag zu Tag entscheiden.“ Falle der Pegel unter 80 Zentimeter, drohten Einschränkungen im Angebot. Davon sei in Köln als erstes das Schiff „Rheinmagie“ betroffen. Geplante Veranstaltungen könne man aber auch am Liegeplatz durchführen, wenn eine Fahrt auf dem Rhein nicht möglich sei. Probleme mit Niedrigwasser wirkten sich bei der KD als Erstes am Mittel- und Oberrhein zwischen Mainz und Boppard aus. Das dort verkehrende Schiff „Goethe“ habe man bereits in den Niehler Hafen verlegt, weil es für die niedrigen Wasserstände nicht ausgelegt sei.

Wie lange kann die Rheinfähre Köln-Langel/Hitdorf noch fahren?

Möglicherweise muss das Fährschiff „St. Michael“ wegen des Niedrigwassers schon heute den Betrieb einstellen. Da es an Erfahrungswerten mangele, müsse „situationsabhängig von Tag zu Tag geschaut werden, ob der Betrieb noch weiterlaufen kann“, sagt eine Sprecherin der Stadt Leverkusen, die die Fähre seit 2024 betreibt. Ob die Fähre in Betrieb ist, kann man über eine Ampel auf der Internetseite der Stadt Leverkusen erfahren. Das Vorgängerschiff „Fritz Middelanis“ war während des Rekord-Niedrigwassers im Oktober 2018 für zwei Wochen außer Betrieb. Die Landeklappen der Fähre hätten damals nicht mehr auf der Betonrampe am Ufer aufsetzen können.

Was wird getan, um der Schifffahrt in dieser Situation zu helfen?

Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) ist seit 6. Juli in Köln damit beschäftigt, Untiefen im Rhein zu beseitigen. An der sogenannten „Deutzer Platte“, wo sich ständig Geröll ablagert, wird mit einem Bagger Kies aus dem Flussbett geholt und neben den Pylon der Severinsbrücke gekippt. „Es handelt sich um eine kurzfristig angesetzte Notmaßnahme wegen der niedrigen Wasserstände“, erläutert WSV-Sprecher Moritz Axt. Mit einem Peilschiff wurden zuvor Bereiche entdeckt, in denen die Fahrrinne nicht mehr die garantierte Mindesttiefe aufwies. Diese „Spitzen“ trage man ab und deponiere den Kies so, dass er die Fließgeschwindigkeit des Rheins erhöhe, damit in der Fahrrinne weniger Kies liegenbleibe, so Axt.

Ein Bagger schüttet Kies aus dem Rhein neben den Pylon der Severinsbrücke. Zurzeit werden in Deutz Untiefen beseitigt.

Ein Bagger schüttet Kies aus dem Rhein neben den Pylon der Severinsbrücke. Zurzeit werden in Deutz Untiefen beseitigt.

Was fördert das Niedrigwasser zu Tage?

Neben allerlei Müll und Resten früherer Bauten finden sich bei extremem Niedrigwasser am Rheinufer mitunter auch gefährliche Reste von Kriegsmunition. Die Stadt Köln warnt vor Lebensgefahr. Wer verdächtige Gegenstände bemerkt, sollte sie auf keinen Fall anfassen, sondern die Polizei (110) oder die Feuerwehr (112) rufen.

Wie wirken sich Hitze und Niedrigwasser auf Fische im Fluss aus?

Zurzeit hat der Rhein in Köln eine Wassertemperatur von rund 24 Grad, Ende Juni waren es bereits rund 27 Grad. Das ist für die meisten Fische zu warm. Bei hohen Temperaturen geraten sie in Stress, schwächere Tiere sterben. Bei Niedrigwasser droht den Fischen zudem Gefahr durch Schiffe, denen sie zu nahe kommen. Er sei „ziemlich sicher“, dass bei Niedrigwasser mehr Fische von Schiffsschrauben verletzt werden, auch wenn das wissenschaftlich bisher kaum belegt sei, betont der Biologe Jost Borcherding, der die Ökologische Forschungsstation der Uni Köln in Rees am Niederrhein geleitet hat. 

Müssen die Kölner jetzt Wasser sparen?

Die Stadt München und einige andere Kommunen und Kreise in Deutschland haben ihren Bürgern wegen Wasserknappheit verboten, ihren Rasen zu wässern oder Pools zu befüllen. In Köln steht das nicht zu befürchten. Allerdings ist seit dem 18. Juni bis Ende Oktober die Entnahme von Wasser aus den 24 Bächen auf Kölner Stadtgebiet untersagt. Betroffen sind rund 800 bis 900 Grundstückseigentümer.