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„Die Pause hat mir sehr gut getan“FC-Stürmer Selke will im Derby gegen Gladbach mit Toren überzeugen

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Davie Selke steht auf dem Fußballplatz und hat einen Ball vor sich liegen.

Davie Selke beim Training am Dienstag

Nach zuletzt aufsteigender Form dürfte der Stürmer erneut der Startelf angehören.

Davie Selke hatte erfreuliche Nachrichten im Gepäck, als er nach Trainingsende einen Halt bei den wartenden Reportern einlegte. „Mir geht es deutlich besser. Die Pause hat mir sehr gut getan“, berichtete der Mittelstürmer des 1. FC Köln am Dienstagmittag. Selke hatte die erste Phase der zweiwöchigen Länderspiel-Unterbrechung in der Fußball-Bundesliga genutzt, um seinem seit Jahresbeginn regelmäßig in Mitleidenschaft gezogenen Körper Ruhe zu verschaffen. Zuletzt schleppte sich der 28-Jährige mit einer Kniereizung herum, die er sich nach eigenen Angaben im zweiten Rückrundenspiel gegen RB Leipzig bei einem Aufprall eingefangen hatte. „Ich habe das wochenlang durchgängig gemerkt“, gab Selke einen Einblick in seinen gesundheitlichen Zustand.

Um die Beschwerden endlich loszuwerden, setzte der Angreifer in der vergangenen Woche mit dem Mannschaftstraining aus. Allzu schwer fiel Selkes vorübergehende Abwesenheit auf dem Rasen nicht ins Gewicht, war die Trainingsgruppe von Steffen Baumgart durch die Abwesenheit zahlreicher Nationalspieler doch ohnehin ausgedünnt. Gleichzeitig stellte die letzte Länderspielpause der Saison 2022/23 die einzige noch verbliebene Möglichkeit dar, Blessuren anständig auszukurieren, bevor es in den neun Spiele langen Endspurt geht.

„Ich bin froh, dass wir das so machen konnten“, erklärte Davie Selke, der sich beim Wiedereinstieg am Montag bestätigt sah: „Ich habe direkt beim ersten Training gemerkt, dass es gut getan hat.“ Ganz untätig ist er in den Tagen zuvor allerdings nicht gewesen. „Es war nicht so, dass ich gar nichts gemacht habe. Ich habe drinnen ordentlich geschuftet.“ Selke hofft damit auf ein Ende der Rückschläge. Seinen Start in Köln hatte sich der Winter-Zugang „natürlich anders“ vorgestellt. „Das war ärgerlich. Da muss man nicht drum herum reden. Aber es ist jetzt so wie es ist.“ Selke versucht, seinen kleineren Blessuren auch etwas Positives abzugewinnen: „Es war zwar immer wieder was, aber nichts langfristiges. Deswegen konnte ich relativ schnell wieder zurückkommen.“

Derby-Erfahrung aus Berlin

Jetzt sei es „wichtig, dass ich in einen Rhythmus komme. Dafür muss ich gesund bleiben. Alles, was ich beeinflussen kann, beeinflusse ich.“ Der gebürtige Schwabe ist zuversichtlich: „Ich bin motiviert und fühle mich gut. Jetzt hoffen wir, dass das so bleibt.“ Selkes Optimismus dürfte eng damit zusammenhängen, dass der Stürmer seinen Torknoten zum Platzen gebracht hat. Beim jüngsten 1:6 in Dortmund gelang ihm sein erster Treffer für den FC. Es war das erste FC-Tor seit 406 Minuten. Nicht nur deshalb war Selke („Ich habe mich gegen Bochum und Dortmund gut gefühlt“) einer der wenigen Lichtblicke in einer desolaten Kölner Mannschaft. „Auch wenn vieles nicht so gut war in Dortmund, sind Tore allgemein gut für das Gefühl eines Stürmers“, erklärt der Routinier.

Auf jenes Glücksgefühl hatte er monatelang warten müssen. Selkes letzter Treffer stammte noch aus seiner Zeit bei Hertha BSC, ein Elfmetertor gegen die Bayern (2:3) am 5. November 2022. „Es geht darum, persönlich das Gute aus dem Dortmund-Spiel mitzunehmen. Für mich war es das Tor. Am besten wäre es, gegen Gladbach direkt eins nachzulegen. Dafür tue ich alles“, sagt Selke mit Blick auf das Duell der Erzrivalen am Sonntag (15.30 Uhr) in Müngersdorf. Nach zuletzt aufsteigender Form dürfte der Stürmer erneut der Startelf angehören.

Für Davie Selke ist es das erste Derby als FC-Profi. „Und dann auch noch zu Hause. Das aufzusaugen und zu erleben – da habe ich richtig Bock drauf“, sagt der Heißsporn, der sich für solche Spiele gemacht sieht: „Das sind Spiele, die emotional sind. Und ich bin jemand, der emotional spielt.“ Die Bedeutung eines Derbys kennt Selke aus der Hauptstadt. „Ich habe die Wucht auch in Berlin immer wieder gespürt“, beschreibt er die Kräftemessen zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union. In diesen Tagen fühlt Selke nun in der Domstadt das Derby-Fieber steigen: „Die Leute sprechen einen in der Woche noch mehr an, immer auf das eine Spiel. Es ist einfach Vorfreude, das sollte man so auch mitnehmen.“

Überhaupt bevorzugt Davie Selke einen positiven Umgang mit der Krise, die die Kölner bis auf sechs Punkte an die Abstiegsplätze herangeführt hat. „Man sollte die Situation nicht größer machen als sie ist. Wir sind in einer Situation, in der wir fünfmal nicht gewinnen konnten, aber in der man auch nicht alles schlechtreden sollte.“

In Zeiten wie diesen sei „Ruhe angesagt“. Ruhe, die auch Selke ausstrahlen will: „Die größte Stärke von erfahrenen Spielern ist Ruhe, weil sie solche Situationen schon öfters erlebt haben.“ Daher lautet seine Devise: „Ruhe bewahren, im Training weiter arbeiten und versuchen, schnellstmöglich wieder einen Dreier zu holen. Darauf liegt der Fokus.“ Und deshalb sieht Selke in dem Derby mehr Chance als Risiko: „Es ist ein besonderes Spiel. Ein Spiel, in dem wir viel bewirken können. Ein Spiel, das Auftrieb verleihen kann. Deshalb wollen wir alles raushauen.“