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Saisonstart 1. FC KölnErste Fragezeichen tauchen bei den Kölner Geißböcken auf

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Jan Thielmann (l) und Hamburgs Miro Muheim kämpfen um den Ball.

Jan Thielmann (l) und Hamburgs Miro Muheim kämpfen um den Ball. 

Die 1:2-Niederlage gegen den Hamburger SV hat gezeigt, dass die Kölner im Spiel mit Ball gegen tief stehende Gegner noch Probleme haben.

Fußball ist ein Tagesgeschäft, in dem die Befindlichkeiten mitunter recht schnell wechseln können. Wie beim 1. FC Köln, wo die in jedem Moment fühlbare Aufbruchsstimmung vor dem Auftakt der Zweitliga-Saison 2024/25 nach dem 1:2-Dämpfer gegen den Hamburger SV einer ersten Drucksituation weichen musste. Das erste Auswärtsspiel am kommenden Samstag (13 Uhr/Sky) beim unangenehmen Liga-Außenseiter SV Elversberg birgt für den Bundesliga-Absteiger gleich die Gefahr eines klassischen Fehlstarts.

Eine Niederlage am ersten Spieltag entscheidet natürlich nicht über den Verlauf einer gesamten Saison. Sie gibt nicht einmal eine Richtung vor. Im Tagesgeschäft Fußball wirft sie aber immer gleich ein paar Fragen auf, selbst wenn sie so unglücklich und unnötig daherkam wie das 1:2 der Geißböcke am vergangenen Freitag gegen den von Ex-Coach Steffen Baumgart angeleiteten HSV.

Thielmann ist rechts hinten noch nicht richtig angekommen

Zum Beispiel jene nach der Rolle von Jan Thielmann. Die in der Rückrunde der vergangenen Saison entstandene Idee, den schussstarken und schnellen Außenangreifer zum Rechtsverteidiger umzufunktionieren, hat ganz sicher ihren Charme. Immerhin ist der 22-Jährige für seine Einsatzfreude und Zweikampfstärke bekannt.

Die Vorstellung, dass er zudem von hinten anschiebt und so eine zusätzliche Option für die FC-Offensive darstellt, gefällt auch dem neuen Cheftrainer Gerhard Struber. Der Österreicher gab Thielmann nach der Vorbereitung den Vorzug vor dem gelernten Rechtsverteidiger Rasmus Carstensen. Wobei der von Sportchef Christian Keller bei seiner Verpflichtung angepriesene Däne den Erwartungen auch in seiner zweiten Saison hinterherhinkt.

Die Partie gegen den HSV hat offenbart, dass die Idee mit Thielmann rechts hinten in ihrer Umsetzung nicht ausgereift ist. Der gebürtige Trierer fühlt sich wie in der Rückrunde der Abstiegssaison auf der Position sichtlich unwohl. Thielmann war seinem Gegenspieler Jean-Luc Dompé im Zweikampf nicht gewachsen und konnte vor dem 0:2 die Flanke von Adam Karabec nicht verhindern. Das FC-Eigengewächs setzte nach der Pause dann zwar immer wieder Impulse nach vorne, seinen Hereingaben fehlte es aber an Präzision und Gefährlichkeit.

Waldschmidt und Adamyan enttäuschen erneut

Das FC-Spiel mit Ball war gegen den tief stehenden HSV einer der großen Knackpunkte. Was zwei weitere Fragen aufwirft. Zunächst, die nach dem alleinigen Sechser Eric Martel, dessen Stärken bekanntlich h eher im kämpferischen und läuferischen Bereich liegen. Die Kölner benötigen im defensiven Mittelfeld aber auch einen Akteur, der das Spiel aufbauen und gestalten kann. Gerade, wenn die Gegner Beton anrühren und das von Struber präferierte Pressing-Spiel nicht so zum Tragen kommen kann.

Eine Situation, mit der die Geißböcke in der Zweiten Liga aufgrund ihrer Favoritenstellung sicher noch häufiger konfrontiert werden. Das nächste Mal wahrscheinlich in Elversberg. Dass die Saarländer verteidigen können, demonstrierten sie bereits am ersten Spieltag beim 0:0 in Magdeburg.

Es wird für die Kölner also nicht reichen, wie gegen Hamburg 34 Flanken mit der Hoffnung in den Strafraum zu schlagen, dass sie einen Abnehmer finden.   Es geht auch darum, in die gefährlichen Räume zwischen den gegnerischen Sechsern und Innenverteidigern zu kommen und die Stürmer mit Steckpässen in Position zu bringen. Ein Stilmittel, das der FC in der Vorbereitung erfolgreich anwendete.

Mit Luca Waldschmidt und Mark Uth hat Struber gleich zwei Spieler von Erstligaformat, die für diese Aufgabe infrage kommen. Waldschmidt gelang es gegen den HSV allerdings überhaupt nicht, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Struber wechselte den Ex-Nationalspieler nach eher enttäuschenden 57 Minuten aus. Ersatzmann Sargis Adamyan blieb danach allerdings auch mal wieder so gut wie alles schuldig.

Dann sollte ich gegen Elversberg im Kader sein.
Mark Uth, FC-Spielmacher

Die Hoffnungen ruhen damit einmal mehr auf Mark Uth, der nach einer   auf ihn und seine mittlerweile zwei Jahre währende Verletzungsgeschichte zugeschnittenen Vorbereitung in dieser Woche voll ins Mannschaftstraining einsteigen soll. „Ich habe den Plan bekommen, 45 Minuten in der U21 zu spielen. Dann sollte ich gegen Elversberg im Kader sein“, hatte der 32-Jährige am Freitag vor dem Spiel gegen Hamburg gesagt.

Seine Leistung beim 5:0-Heimsieg des Kölner Regionalligateams gegen die U23 des SC Paderborn befeuerte die Hoffnung auf einen Einsatz des Routiniers   am Samstag. Uth war in der ersten Hälfte an zwei FC-Treffern beteiligt.