Der gebürtige Berliner hatte zu Jugendzeiten sein Herz an Hertha BSC verloren. Jetzt muss er mit dem 1. FC Köln gegen seine einstige Liebe ran.
Im Zwiespalt der GefühleFC-Profi Linton Maina stand einst in der Hertha-Kurve

In der FC-Offensive gesetzt: Linton Maina.
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Als Linton Maina den Fußball noch von der Tribüne aus verfolgte, war er regelmäßig im Olympiastadion anzutreffen. Der gebürtige Berliner, aufgewachsen am Prenzlauer Berg, hatte zu Jugendzeiten sein Herz an Hertha BSC verloren.
Die „Alte Dame“ war damals die unangefochtene Nummer eins in der Hauptstadt. Aber wie es so ist im Fandasein: Als Anhänger eines Clubs durchschreitet man nicht nur Höhen, sondern auch Tiefen. Maina kann davon ein Lied singen. „Zwei Abstiege habe ich miterlebt“, blickte der Profi des 1. FC Köln zurück, als er am Rande des Dienstags-Trainings auf seine Zeit in der Berliner Kurve zu sprechen kam.
Nun steht der abgestürzte Traditionsclub, der mit den Millionen von Ex-Investor Lars Windhorst eigentlich in die Champions League vorstoßen wollte, nach 2011 und 2013 vor dem dritten Abstieg aus der Fußball-Bundesliga in diesem Jahrtausend. Es ist fast Ironie des Schicksals, dass gerade Linton Maina nun mit dazu beitragen kann, dass sich Hertha BSC womöglich nicht mehr vor dem drohenden Gang in die Zweitklassigkeit rettet.
FC will Negativserie vor eigenem Publikum brechen
Zum Auftakt des drittletzten Spieltags hilft dem Schlusslicht am Freitagabend (20.30 Uhr, DAZN) nämlich ausgerechnet in Müngersdorf erneut nur ein Sieg weiter. Vor dem Wiedersehen mit seiner einstigen Liebe befindet sich Linton Maina im Zwiespalt der Gefühle. „Es ist schade, dass ein so großer Verein, der dazu auch noch aus der Hauptstadt kommt, da unten drin steht“, sagt der 23-Jährige nachdenklich. „Ich wünsche ihnen viel Glück, dass sie es noch schaffen.“
Nur: Mit einem Gastgeber, der es mit dem gesicherten Klassenerhalt im Rücken etwas gemächlicher angeht, werden die Hauptstädter wohl nicht rechnen können. „Wir wollen für uns einen guten Abschluss haben und den Spielern, die uns verlassen, schöne letzte Spiele bescheren. Dann schauen wir, wie weit es geht“, benennt Linton Maina die weiteren Kölner Ziele. Obendrein geht es für den FC darum, seine Negativserie vor eigenem Publikum zu durchbrechen, wo seit fünf Spielen kein Sieg mehr gelang. Aufwand und Ertrag standen bei den Auftritten in Köln zuletzt in keinem ausgewogenen Verhältnis zueinander.
Wir müssen das Glück zu Hause wieder erzwingen
„Wenn man sich die letzten Heimspiele anschaut, dann war da bestimmt mehr drin“, bestätigt Maina. Damit es nach drei Auswärtssiegen in Folge auch in der Heimat endlich mal wieder Grund zum Jubeln gibt, sieht der Flügelflitzer vor allem zwei Dinge als unerlässlich an: „Wir müssen das Glück zu Hause wieder erzwingen und unsere Chancen reinmachen. Dann bin ich guter Dinge, dass wir auch daheim mal wieder ein Spiel gewinnen.“
Einen spielerischen Leckerbissen erwartet Linton Maina am Freitag allerdings nicht. „Wir wissen alle, was uns da erwartet. Es wird wohl kein schönes Spiel werden. Wir müssen den Kampf annehmen“, prognostiziert er eine typische Aufgabe gegen einen Kontrahenten, für den es ums Überleben geht. Beim jüngsten 2:1-Sieg im Kellerduell gegen Stuttgart hatte die Mannschaft des alten und neuen Retter-Trainers Pal Dardai dem VfB das Spielgerät nahezu vollständig überlassen. Hertha verbuchte im eigenen Stadion läppische 30 Prozent Ballbesitz. Andererseits wurden dem Gegner kaum Räume geboten, und vor dem gegnerischen Tor wurde aus wenig viel gemacht.
Apropos Chancenverwertung: In diesem Punkt sieht Linton Maina bei sich selbst noch Steigerungsbedarf. Nicht wenige Male hatte sich der Sprinter in dieser Saison dank seiner enormen Geschwindigkeit in eine aussichtsreiche Abschlussposition gebracht, in der ihm dann aber zu häufig die Nerven versagten. In der Rückrunde steht er bei nur einem Scorerpunkt. „Ich weiß, dass da bestimmt noch mehr geht, vor allem in den letzten 20, 30 Metern vor dem Tor. Ich kann da noch mehr Zug zum Tor entwickeln und noch torgefährlicher werden“, zeigt sich Maina selbstkritisch. „Trotzdem habe ich die Chancen, um Tore zu erzielen. Ich muss sie am Ende nur reinmachen. Das nehme ich mir vor für die neue Saison.“
Ansonsten fällt das Resümee seiner ersten Spielzeit am Geißbockheim positiv aus. „Ich bin sehr zufrieden, sehr glücklich und fühle mich hier superwohl. Das Umfeld gefällt mir sehr gut“, schwärmt der ehemalige Hannoveraner, für den sich der Sprung aus der Zweiten Liga als nicht zu hoch erwiesen hat.
Maina ist auf dem Kölner Flügel gesetzt. Er bestritt 39 von 40 Pflichtspielen (3 Tore/8 Vorlagen). „Ich habe sehr viel gespielt. Zudem bin ich verletzungsfrei geblieben. Das ist das Wichtigste für mich.“ Zu Zeiten bei 96 hatte es übrigens auch mal Gespräche mit der Hertha gegeben. „Das war aber nichts Handfestes, und ich war auch nie heiß darauf, zurückzugehen“, sagt Maina. „Ich bin froh, hier zu sein.“

