Abo

Ärger bei Heimspiel gegen RB Leipzig1. FC Köln verurteilt Schmähgesänge und Flaschenwurf

3 min

Die Kölner Südkurve beim Heimspiel gegen RB Leipzig.

„Das geht natürlich überhaupt nicht“: FC-Sportchef Christian Keller hat die Schmähgesänge gegen Ostdeutschland verurteilt. Zudem kündigte er an, den Flaschenwerfer aussperren zu wollen.

Marco Rose hielt kurzerhand ein Plädoyer für seine Heimat, Christian Keller machte dagegen seinem Ärger über die Schmähgesänge einiger Fans des 1. FC Köln gegen Ostdeutschland Luft. „Das geht natürlich überhaupt nicht“, schimpfte der FC-Geschäftsführer nach dem 1:5 (1:1) gegen RB Leipzig, das von den beleidigenden Gesängen und dem Wurf einer Glasflasche in Richtung eines Leipziger Spielers begleitet wurde. Dabei hatte die Deutsche Fußball Liga (DFL) für den 26. Spieltag eigentlich zu einem „Zeichen gegen Diskriminierung und für gesellschaftlichen Zusammenhalt“ aufgerufen.

„Ich verstehe nicht, was den Leuten da im Kopf vorgeht, über einen solchen Status sollten wir hinweg sein“, waren Keller die Zwischenfälle über die regelmäßigen Anti-RB-Plakate hinaus sichtlich unangenehm. Es sei „die klare Minderheit der Menschen im Stadion“, schob Keller hinterher - und doch ist diese Minderheit laut und fällt auf. Ebenso wie jene Krawallmacher, die bei den vorangegangenen Derbys gegen Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach für Ausschreitungen gesorgt hatten.

Die Leute, die es da drüben nicht kennen bei uns, die sollen kommen. Es gibt ganz viele coole Menschen - wie hier. Es gibt ein paar Idioten - wie hier.
Marco Rose, Trainer RB Leipzig, über die Schmähgesänge gegen Ostdeutschland

Da geriet es am Freitagabend fast in den Hintergrund, dass der FC mit dieser krachenden Niederlage einen weiteren Rückschlag im Kampf um den Klassenerhalt erlitten und RB im Rennen um die Champions League nachgelegt hatte. RB-Trainer Rose lobte sein Team für eine „sehr gute Auswärtsleistung“, die einen „verdienten Sieg“ gebracht hätte. Der gebürtige Leipziger machte sich aber gleichzeitig dafür stark, die Schmähgesänge nicht überzubewerten.

„Ich bin hier, um zu verbinden, nicht um zu spalten. Es ist wichtig, das richtig einzuordnen, es nicht gutzuheißen“, sagte Rose: „Die Leute, die es da drüben nicht kennen bei uns, die sollen kommen. Es gibt ganz viele coole Menschen - wie hier. Es gibt ein paar Idioten - wie hier.“ Insgesamt sei „alles sehr, sehr ähnlich, deswegen haben wir die Mauer abgerissen, auch in den Köpfen“, sagte Rose. Er wolle seine Aufmerksamkeit lieber den „ganz vielen Menschen“ widmen, „die die richtige Einstellung haben. An denen wollen wir uns hochziehen“.

Ich hoffe, dass wir denjenigen auf irgendeinem Video finden und herausziehen können, dann wird er keine mehr werfen.
Christian Keller, Geschäftsführer 1. FC Köln, über den Flaschenwurf

Auch Leipzigs Nationalspieler David Raum, der die Gesänge auf dem Platz nicht mitbekommen hatte, wollte das Thema nicht dramatisieren. „Köln hat geile Fans. Wenn so Gesänge kommen, weiß ich nicht, was ich dazu sagen soll“, sagte er: „Aber wir haben heute auf dem Platz geantwortet. Das ist wichtiger, als sich anzulegen mit den Fans.“ RB-Torschütze Xavi Simons (15.) hatte sich mit seinem Jubel vor der Kölner Südkurve den Zorn der Fans zugezogen, später flog aus dem FC-Block eine Glasflasche in Richtung des Niederländers. „Der Ort (des Jubels, Anm. d. Red.) war eher unglücklich, Xavi hatte überhaupt keine böse Absicht und wollte niemanden provozieren“, sagte Rose: „Wenn er das getan hat, tut es ihm sicher leid. Was ein Thema ist, ist, dass eine Glasflasche auf den Platz fliegt. Egal, wen sie trifft: Dann tut es weh.“

Auch Keller erzürnte der Flaschenwurf. „Wer auch immer eine Flasche geworfen hat“, sagte der FC-Sportchef. „Ich hoffe, dass wir denjenigen auf irgendeinem Video finden und herausziehen können, dann wird er keine mehr werfen.“ Die Vorkommnisse während des Spiels standen im Gegensatz zu den Szenen, die sich nach Spielende abspielten, als Tausende FC-Anhänger ihre Elf feierten und mit dem Lied vom „Veedel“ Zusammenhalt beschworen.

„Ich möchte mich bei den Fans bedanken. Was nach dem Spiel hier abgegangen ist, das ist beeindruckend gewesen. Wie die Fans die Mannschaft noch mal aufgebaut haben, weil sie einfach gesehen haben, dass die Spieler alles auf dem Platz gelassen haben, dass sie das Maximale investiert haben“, sagte FC-Trainer Timo Schultz und blickte voraus: „Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt, den wir mit herausnehmen können, auch wenn es nichts für die Tabelle gegeben hat: Wir als Verein, als Mannschaft mit den Fans, wir stehen zusammen. Wir gehen durch die schwierige Phase durch.“ (sid, dpa, tca)