Im letzten Test vor dem Pflichtspielstart offenbart der 1. FC Köln bei Bundesliga-Aufsteiger Paderborn vor allem in der Defensive Schwächen.
2:3 in Paderborn1. FC Köln verliert Generalprobe trotz El-Mala-Treffers

Said El Mala ließ sich beim Testspiel des FC in Paderborn den Wirbel der vergangenen Tage nicht anmerken.
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Said El Mala hat in der Generalprobe des 1. FC Köln vor dem Pflichtspielstart eine gute Antwort inklusive eigenen Treffers auf den geplatzten Wechsel zu Borussia Dortmund gegeben. Doch die Mannschaft von Trainer René Wagner verlor am Sonntag unter Ausschluss von Fans beim SC Paderborn mit 2:3.
Konnte der Kölner Coach mit dem ersten Durchgang noch halbwegs zufrieden sein, galt das für die zweite Halbzeit dann nicht mehr. Der FC offenbarte vor allem in der Defensive erhebliche Schwächen und kassierte drei Gegentreffer innerhalb von 14 Minuten. Es war der erste von zwei Testspielen an diesem Tag in Ostwestfalen, in dem beide Mannschaften jeweils mit der vermeintlichen A-Elf aufliefen. Die Erkenntnis für den FC vor dem DFB-Pokal-Auftakt gegen Würzburg am 24. August ist klar: In der letzten Trainingswoche ist noch einiges zu tun – vor allem in der Defensivarbeit.
Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler wollte mit der Mannschaft nicht hart ins Gericht gehen: „Es waren viele Phasen, die in so einem Testspiel so sind, wo man ein Stück weit auch Risikomanagement ein bisschen mit einpreisen muss. Da haben wir die ein oder andere falsche Entscheidung drum. Vor allen Dingen in der zweiten Halbzeit hatten wir 20 Minuten, wo ich den Eindruck hatte, dass wir ein bisschen Stillstand im Spiel hatten. Das wurde dann gnadenlos bestraft.“ Kessler räumte aber kritisch ein: „Defensiv hätten wir in der ein oder anderen Situation sicherlich stabiler stehen müssen. Da gab es ein paar Dinge, die wir gesehen haben, die müssen wir besser machen.“ Gleichzeitig betonte er aber auch: „Ich habe auch viele Dinge gesehen, die mir heute gut gefallen.“
Nach wochenlangem Poker mit dem BVB und massivem medialem Wirbel stand das junge Kölner Talent auch am Sonntagmittag im Fokus. El Mala musste und wollte auch zeigen, dass der Transfer-Zirkus ihn nicht aus der Bahn geworfen hat. Und das gelang.
Im ersten Spiel setzte Wagner seine vermeintliche A-Elf ein – mit dem 19-Jährigen in der Dreier-Offensivreihe neben Linton Maina und Jan Thielmann, der überraschend als Zehner spielte. Den Achter an Tom Krauß‘ Seite gab nicht Isak Johannesson, sondern Neuzugang Paul Okon-Engstler. Wagner entschied sich erneut für die Viererabwehrkette und eine 4:2:3:1-Grundordnung.
El Mala warf sich sofort rein, beackerte seine Seite und war torgefährlich. In der 23. Minute hatte der Linksaußen den ersten echten Abschluss, sein Schuss wurde aber in letzter Sekunde noch geblockt.
Die Kölner dominierten die Anfangsviertelstunde, belohnten sich aber erst nach einer langen Ball-Aktion: Ragnar Ache schob nach Vorlage von Linton Maina zum 1:0 ein (25.). Der FC spielte konzentriert, ohne daraus deutlich Kapital zu schlagen.
Nach der Pause aber offenbarten sich die Abwehrschwächen. Aus dem Nichts kassierte die Wagner-Elf den Ausgleich – ein sehenswert getretener Freistoß von Batista Meier, der die Mauer überwand und FC-Keeper Marvin Schwäbe überraschte (52.).
Nach dem Ausgleich kollabiert die Kölner Defensive
Danach kollabierte die Kölner Defensive. Paderborn kam besser ins Spiel und nutzte die Kölner Schwächen: Castaneda (63.) köpfte nach einer Flanke zur 2:1-Führung ein, Curda (66.) erhöhte nach einer Hackenvorlage von Batista Meier sogar auf 3:1. Der FC gab das Spiel nach dem Ausgleich ohne Not aus der Hand. Kapitän Schwäbe monierte lautstark fehlendes Zweikampf-Verhalten seiner Vorderleute – die Kritik des Kapitäns war berechtigt. Neuzugang Gideon Mensah, der auch gegen San Sebastián keinen sonderlich guten Eindruck hinterlassen hatte, hatte die Flanke von Curda nicht verhindern können. In der Defensive fehlte es an Zugriff und Kommunikation.
Doch es war El Mala, der die Wagner-Elf zurück ins Spiel brachte. Der Linksaußen setzte sich im Strafraum kraftvoll im Duell mit Curda durch, ließ sich nicht vom Gegner abstoppen und wurde zu Boden gebracht. Den fälligen Elfmeter verwandelte er mit Selbstvertrauen selbst (79.). Das war der Startschuss für die Schlussoffensive: Die Wagner-Elf drückte in den letzten zehn Minuten auf den Ausgleich, konnte sich aber schlussendlich nicht mehr belohnen. Die dickste Chance ließ Abwehr-Neuzugang Luka Lochoshvili liegen – er haute den Ball aus elf Metern über das Tor.
El Mala jedoch bewies mit seiner Leistung, dass ihn der Transfer-Poker zumindest hinsichtlich seines Leistungsvermögens nicht beschäftigt.
Wir hätten Said El Mala gerne zum BVB geholt. Ich glaube, er hätte auch Bock gehabt.
Die Verhandlungen mit Dortmund waren in der vergangenen Woche intensiv. BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer machte bei der Saisoneröffnung am Samstag bei Sky deutlich, wie sehr der Wechsel geplant war: „Wir hätten Said El Mala gerne zum BVB geholt. Ich glaube, er hätte auch Bock gehabt.“ Doch der FC blieb hart, schmetterte das Dortmunder Angebot ab.
Der BVB bot 46 bis 48 Millionen Euro, Köln forderte mindestens 50 Millionen. Dortmunds Bonuspaket hätte zwar die Marke knapp überstiegen, doch sollten diese nur in Tranchen gezahlt werden – für Köln inakzeptabel. Der FC hatte bereits bessere Angebote aus der Premier League vorliegen.
Dortmunds Sportdirektor Lars Ricken würdigte El Malas Professionalität während der gesamten Auseinandersetzung: „Ich hoffe, dass für Said nichts hängen bleibt. Er hat in Köln immer Gas gegeben. Von daher hat Köln da nicht nur einen guten Spieler, sondern einen charakterlich einwandfreien.“ Auch der neue Bundestrainer Jürgen Klopp äußerte sich und dementierte Berichte, wonach er einen Wechsel befürwortet habe. Der ehemalige BVB-Trainer betonte deutlich: „Es hat mich so ein bisschen auch beleidigt, dass die Leute denken, meine erste Amtshandlung wäre: Ich rufe einen Spieler an und sage: ‚Übrigens, BVB, das würde gut zu dir passen.‘ Das habe ich natürlich nicht gemacht. Das ist nicht meine Aufgabe. Ich habe noch nicht mal angefangen, mit den Spielern zu arbeiten.“
ich habe Said auch nie bei mir sitzen gehabt, der mir gesagt hat, es ist mein absoluter Traum, für Borussia Dortmund zu spielen.
Zu Cramers Aussage äußerte sich Kessler deutlich: „Ich habe natürlich auch mitbekommen, dass Borussia Dortmund sich sehr offensiv zu der Thematik geäußert hat. Das kann ich an dieser Stelle auch gerne machen. Klar, wir waren mit Borussia Dortmund im Austausch. Am Ende ist es nicht zu einem Transfer gekommen. Und ich habe Said auch nie bei mir sitzen gehabt, der mir gesagt hat, es ist mein absoluter Traum, für Borussia Dortmund zu spielen. Dass ein Spieler sich in dem Alter mit der Qualität mit dem Klub auseinandersetzt, der in der Champions League unterwegs ist – ich glaube, das ist völlig legitim.“
Kessler blickt dabei auf die Zukunft: „Das wird in den nächsten Jahren auch der Weg des 1. FC Köln sein, dass immer Spieler, die sich hier gut entwickeln, natürlich auch auf dem Markt für Begehrlichkeiten sorgen werden. Aber in keinster Weise sehe ich da eine Traurigkeit." Entscheidend sei: „Ich bin mit Said fast täglich im Austausch und wir reden da auch sehr offen drüber. Und so wie er sich verhält, so wie er unser Trikot trägt, ist er total stolz, Spieler des 1. FC Köln zu sein – und das hat man heute auf dem Platz auch wieder gesehen.“
Der BVB hat bereits eine Alternative gefunden: Giannis Konstantelias von PAOK Saloniki befindet sich auf dem Weg nach Dortmund und soll in den kommenden Stunden per Privatjet eintreffen.
Für El Mala bleibt der Fokus auf Köln und die anstehenden Aufgaben – angefangen mit dem Pokal-Spiel gegen Würzburg am 24. August. (LW)
1. FC Köln: Schwäbe – Castro-Montes, Simpson-Pusey, Lochoshvili, Mensah (ab 76. Friemel) – Krauß, Okon-Engstler – Maina, Thielmann (ab 89. Afri Akumi), El Mala – Ache.- Tore: 0:1 Ache (25.), 1:1 Batista Meier (52.), 2:1 Castaneda (63.), 3:1 Curda (66.), 3:2 El Mala (79., Elfmeter).