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FC-Aufritt in der AnalyseKane war Kölns Schicksal

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16.05.2026, Bayern, München: Fußball, Männer, Bundesliga, FC Bayern München - 1. FC Köln, 34. Spieltag, Allianz Arena, Harry Kane (Bayern München) bejubelt sein Tor zum 4:1. WICHTIGER HINWEIS: Gemäß den Vorgaben der DFL Deutsche Fußball Liga bzw. des DFB Deutscher Fußball-Bund ist es untersagt, in dem Stadion und/oder vom Spiel angefertigte Fotoaufnahmen in Form von Sequenzbildern und/oder videoähnlichen Fotostrecken zu verwerten bzw. verwerten zu lassen. Foto: Tom Weller/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bayern-Star Harry Kane feiert seinen dritten Treffer gegen den FC, die Kölner sind erneut nur Randfiguren.

Wie erwartet ist der 1. FC Köln bei den Titel-Feierlichkeiten in München nur Zuschauer, verliert mit 1:5 und beendet die Saison als 14. mit 32 Punkten.

Der 1. FC Köln stört nicht die Meisterfeier des FC Bayern und verliert mit 1:5 in München.

Das Wichtigste zuerst

Der FC Bayern feierte nach dem Abpfiff mit viel Konfetti, Donnerschlägen, den obligatorischen Weißbier-Duschen zwar routiniert, aber auch bisweilen ausgelassen seinen Titelgewinn, der nunmehr sein 35. ist. Ein bisschen Wehmut kam auf, als der Rekordmeister seinen langjährigen Profi Leon Goretzka verabschiedete. Und der scheidende Schiedsrichter Deniz Aytekin, der nach fast zwei Jahrzehnten seine Laufbahn beendete, weinte bereits vor dem Anpfiff beim TV-Interview – und danach ebenfalls.

Ganz schön viele Emotionen am Samstagnachmittag in München, dem Tag, als dem FC Bayern die Meisterschale überreicht wurde. Und auch der Gegner, der 1. FC Köln, erfüllte – fast wie erwartet – seine ihm an diesem Tag zugetragene Rolle: die als Zuschauer, als Beiwerk bei Bayerns Meisterfeier. Der FC verlor mit 1:5 und beendete die Saison als Tabellen-14. vor dem punktgleichen SV Werder Bremen. Die Kölner hatten den Klassenerhalt, das große und eben auch das Minimalziel, bereits nach dem 32. Spieltag gesichert.

Interimstrainer René Wagner konnte nach dem Abpfiff des letzten Saisonspiels allerdings weiterhin nicht sagen, ob er im Amt bleiben darf und zum Cheftrainer befördert wird. Allerdings hatten sich die Verantwortlichen des FC in den vergangenen Tagen schon für den 37-Jährigen stark gemacht, ihm Rückendeckung gegeben. Sie halten fachlich viel von ihm und trauen ihm die Aufgabe zu – allen Bedenken, die es auch bei vielen Fans gibt, zum Trotz. Und sechs Punkte aus sieben Spielen sind nun auch kein Ruhmesblatt. Nach einer „Saison-Analyse" Anfang der Woche könnte die Entscheidung dann auch offiziell verkündet werden. Alle wollen ja irgendwann auch mal in den Urlaub und bis dato Klarheit haben.

Die Tore

Wir müssen an dieser Stelle ausnahmsweise mal nicht jedes Tor en détail schildern. Die Kölner waren gegen das Starensemble von der Isar einfach vielfach überfordert, die Bayern, das Liga-Nonplusultra, sind eben auf jeder Position besser besetzt als der Aufsteiger aus Köln. Es hätte noch übler enden können für die Gäste, wenn die Bayern in der zweiten Halbzeit ernst gemacht hätten – was sie aber freilich nicht mussten. Andererseits hätte der FC auch mehr als ein Tor erzielen können. Und dieses eine Tor schildern wir dann doch gerne, weil es ein herausragendes Tor von Said El Mala war: Nach einem Ballverlust von Jamal Musiala kam das Kölner Ausnahmetalent an die Kugel, zündete seinen Turbo, ließ keine Geringeren als Joshua Kimmich, Dayot Upamecano und Jonathan Tah stehen, behielt auch vor Torhüter Manuel Neuer, der auch mit 40 noch Weltklasse verkörpert und allem Anschein nach auch für Deutschland im WM-Tor stehen wird, die Nerven und verkürzte auf 1:2 (18.).

Das war gut

Die Einzelleistung von Said El Mala – es war bereits der 13. Saisontreffer in der ersten Bundesliga-Saison für den erst 19-Jährigen. Auch ansonsten war El Mala eigentlich der einzige Kölner, der sich mal offensiv etwas zutraute und die große Bühne in München genoss. Der Auftritt war ein weiteres Bewerbungsschreiben von El Mala an Bundestrainer Julian Nagelsmann. Doch am Geißbockheim geht man dennoch nicht davon aus, dass El Mala in den WM-Kader berufen wird. Was auch an den Bayern liegt. Die haben mit eben auch Jungstars wie Lennart Karl (18), der den FC-Verteidiger Kristoffer Lund schwindelig spielte, oder 3:1-Torschütze Tom Bischof (20), der in der DFB-Auswahl offensiver eingeplant ist als beim Rekordmeister.

Das war schlecht

Natürlich, in München war eine Niederlage aus Kölner Sicht fast eingeplant, kaum abwendbar. Doch man fragt sich dann doch, was der Matchplan des FC zu Beginn war. Die „Kaninchen-vor-der-Schlange-Taktik" ging jedenfalls nicht auf. Wagner dürfte sie auch kaum ausgegeben haben – hoffentlich nicht.

Moment des Spiels

Bayern schoss auch schöne, viele Tore, doch das von El Mala war der schönste Treffer an diesem Nachmittag.

Spieler des Spiels

Harry Kane – auch wenn die Wahl mittlerweile langweilt. Aber der 32-Jährige ist derzeit wohl einer der komplettesten, wenn nicht der kompletteste Stürmer der Welt. Der Engländer kann fast alles und erzielte gegen den FC seine Saisontore 34, 35 und 36 – was für eine Quote. Kane war Kölns Schicksal.

Das sagen die Kölner

Trainer René Wagner (1. FC Köln): „Die ersten 20 Minuten hat es sich angefühlt, wie ein Spiel in München eben leider angehen kann. Da haben wir es nicht geschafft, gegen den Ball den Mut zu entwickeln. Das erste Tor fällt zu einfach, das müssen wir besser verteidigen. Mit dem 1:2 kriegen wir ein bisschen Mut und merken, dass wir auch Fußball spielen können. Die Jungs haben dann nochmal versucht, nach vorne zu spielen und Bälle zu gewinnen. Die Qualität von den Bayern ist aber einfach unfassbar. Am Ende sind wir zufrieden, dass wir in der Liga geblieben sind, das war das allerwichtigste. Auch intern haben wir ein, zwei Dinge zu lösen gehabt, die wir angeschoben haben. An meinem Gefühl ändert das Spiel heute nichts. Das Ergebnis ist natürlich nicht toll, aber wir müssen es sauber und sachlich einordnen. Der Verein muss dann die Entscheidung treffen, was passiert."

Kapitän Marvin Schwäbe: „Wir haben unser Minimalziel zwei Spieltage vor Schluss erreicht. Dass wir vom ersten bis zum letzten Spieltag fighten müssen, war uns bewusst. Es war keine einfache Saison, wir hatten die ein oder andere Situation, in der wir hart kämpfen mussten. Dass 32 Punkte nicht der Maßstab für uns sein sollten, ist glaube ich jedem klar. Wir müssen die kleinen Fehler abstellen, man hat oft genug gesehen, dass es ansonsten nicht reicht. Dementsprechend gilt es, für die kommende Saison wieder eine schlagfertige Truppe zusammenzuhaben, damit wir ein paar Punkte mehr holen. René hat einen guten Job gemacht, eine gute Kommunikation gefunden und an Stellschrauben gedreht. Damit habe ich mich ja schon klar positioniert."

Das sagen wir

Mit der Aussage von FC-Verteidiger Joel Schmied, dem freundlichen Schweizer, ist schon viel gesagt: „Gegen die Bayern heißt es auch mal zuschauen und genießen, das ist teilweise eine andere Sportart, was sie in dieser Saison gezeigt haben." So geriet dann auch der Auftritt der Kölner: Wie von vielen erwartet, so waren sie Statisten im Spiel und bei der Bayern-Meisterfeier. Ist am Ende auch nicht mehr so entscheidend. Zwar hatte der FC, wohlgemerkt immer noch Aufsteiger, sein großes Saisonziel, den Klassenerhalt, bereits nach dem 32. Spieltag erreicht. Was aber auch an der Schwäche der Konkurrenz lag.

Nach dem Abpfiff wurde die Mannschaft von den mitgereisten FC-Fans gefeiert. Also scheint ja alles bestens zu sein. Doch 32 Punkte aus 34 Spielen sind wahrlich keine Glanzleistung. In vielen Spielzeiten wäre man mit der Ausbeute abgestiegen. So sollten es die Kölner am Ende auch einordnen.