Wo oder was war bloß der Plan des 1. FC Köln? Das Wagner-Team enttäuscht auf ganzer Linie gegen ein arg dezimiertes Schalke 04.
Das Kölner Spiel in der AnalyseDie Null steht, der Rest fehlt halt

Wer am Samstag mal nicht in Müngersdorf war, der hatte nicht viel verpasst: Es gab eine langweilige Nullnummer zwischen dem FC und Schalke.
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Das Wichtigste zuerst
Der 1. FC Köln und der FC Schalke 04 trennten sich am Samstagnachmittag nach einer schwachen Partie, die wenig mit Bundesligafußball zu tun hatte, folgerichtig mit 0:0.
Die „Darbietung“ in Müngersdorf hatte ihre Spuren hinterlassen. Und der Unmut kochte nach der langweiligen Nullnummer gegen den Aufsteiger aus Gelsenkirchen, der fast mit seinem letzten Aufgebot nach Köln gekommen war und während des Spiels zwei Verletzungen verkraften musste.
Spätestens um 17.28 Uhr skandierten FC-Fans von der Nord- und der Westtribüne des RheinEnergieStadions „Wagner raus“, während die Südtribüne auffallend stumm blieb. Bereits nach der Auswechslung von Mikey Moore in der 68. Minute waren derartige Rufe zu vernehmen. Noch nicht so laut, nach dem Abpfiff aber deutlich hörbar. Etliche Zuschauer, nicht die treuesten der Treuen auf der Süd, forderten also, Kölns Trainer René Wagner abzulösen. Die FC-Verantwortlichen werden ihnen aber nicht den Gefallen tun. Wagner erhält weiterhin den Rückhalt der Klubspitze um Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler. Irgendwie auch logisch, denn Wagner ist eben der auserwählte Trainer der Kölner Klubspitze, die ihn als Fußballfachmann betrachtet. Und am Dienstag geht es schon weiter im Pokal gegen Union Berlin. Augen zu und durch.
Zu hinterfragen gibt es indes einiges. Zu schwach hatte sich der FC gegen einen Gegner präsentiert, der zwar wacker agierte, aber ohnehin qualitativ limitiert ist und auch wegen seiner Ausfälle harmlos blieb.
Und so blieb einem als Zuschauer die bittere Erkenntnis: Man hätte an diesem Tag auch etwas anderes unternehmen können. Der Weinmarkt auf dem Neumarkt lockte ebenso wie die Herbstkirmes in Deutz. Auch das „Cologne Burlesque Festival“ wäre wohl lustvoller gewesen als der Canossa-Gang nach Müngersdorf. Wagner-Festspiele wurden einem nun wahrlich nicht geboten. Doch in Anlehnung an einen Spielfilm-Klassiker aus den fünfziger Jahren könnte man auch (leicht abgewandelt) sagen: „…Und immer lockt der 1. FC Köln“. Es zieht einen einfach nach Müngersdorf, man muss zum geliebten Klub, ins stimmungsvolle Stadion. Der Reiz ist größer als der Verstand. Und logischerweise war beim vermeintlichen Westschlager das Stadion ausverkauft.
Immerhin meint es die Tabelle noch gut mit dem FC, der zumindest bis Sonntag mit acht Punkten Zwölfter ist. Die Formkurve zeigt dagegen nach unten.
Die Tore
Gab es nicht – wie auch…?
Das war gut
Das respektvolle Verhalten der Kölner Zuschauer nach den Auswechslungen von Robin Gosens und Soufiane El-Faouzi. Die Schalker waren zuvor an der Mittellinie gemeinsam zum Kopfball hochgestiegen und heftig mit den Köpfen zusammengeprallt.
Das war schlecht
Nach vorne lief aus Kölner Sicht fast nichts: Nur acht Prozent der Flanken kamen beim eigenen Mitspieler an, zwei von drei Dribblings blieben erfolglos. Und wieder einmal liefen die Kölner weniger Kilometer als der Gegner: 116,3 zu 120,4 Kilometer. Das fällt auf und zieht sich durch die bisherige Saison.
Moment des Spiels
Gab es nicht – wie auch…?
Moment zum Vergessen
Wo fangen wir an, wo hören wir auf…?
Spieler des Spiels
Gab es nicht – wer hätte es auch sein sollen…?
Das sagen die Beteiligten
René Wagner (Trainer 1. FC Köln): „Schalke hat in der zweiten Halbzeit nach den beiden Auswechslungen noch kompakter verteidigt, sie hatten dann viel Power. Gute Besserung auch von unserer Seite an die beiden Spieler. Wir haben versucht, Lösungen zu finden, es aber nicht geschafft. Wir mussten aufpassen, nicht noch einen Umschalter zu bekommen. Das hat die Mannschaft super gemacht und die Null gehalten. Die Jungs haben alles reingeschmissen. Am Ende fühlt sich der Punkt vielleicht zu wenig an. Es hat die Präzision, vielleicht auch ein bisschen das Glück im ersten Durchgang gefehlt. Im zweiten Durchgang wurde es dann sehr schwer. Letztlich haben wir ein gerechtes 0:0.“
Marius Bülter (Stürmer 1. FC Köln): „In der zweiten Halbzeit hatten wir gar kein Tempo in unserem Spiel. Alles hat sich langsam und träge angefühlt. Wir sind gar nicht in die Tiefe gekommen, haben nicht die gefährlichen Zonen attackiert. Dann ist es gegen eine Mannschaft wie Schalke schwierig. Wir hätten viel mehr über die Außen kommen müssen. Das hat sich in der zweiten Halbzeit nicht gut angefühlt. Hier ist alles emotional, das ist auch das Schöne.“ Zu den Pfiffen der Fans: „Natürlich kann man das nachvollziehen. Wir als Mannschaft hatten uns auch viel, viel mehr vorgenommen. Vor allem, wenn man sich die zweite Halbzeit anguckt, war das offensiv viel zu wenig, auch wenn wir defensiv nicht viel zugelassen haben.“
Miron Muslic (Trainer Schalke 04): „Zuerst beste Genesungswünsche an Robin und Soufiane. Bei aller sportlichen Rivalität, wie das Kölner Publikum reagiert hat, zeugt von Größe. Dankeschön für den Applaus. Ich bin mit unserer Performance und Leistung sehr zufrieden, bin sehr stolz. Wir haben auf acht Stammspieler verzichten müssen und verlieren in einer Aktion zwei weitere. Es kann passieren, dass eine Mannschaft dann aus der Fassung kommt. Das Gegenteil ist passiert: Wir sind stärker geworden, haben noch kompakter verteidigt und sehr wenig zugelassen. Wir hatten auch gute Umschaltsituationen und Chancen. Der Punkt geht für uns komplett in Ordnung.“
Das sagen wir
Mehr auf dem Silbertablett serviert werden kann einem ein Gegner in der Bundesliga wohl nicht. Schalke 04 kam erheblich ersatzgeschwächt nach Köln und musste dann noch früh zwei weitere Ausfälle verkraften. Das hat nichts mit vermeintlich zu hohen Erwartungen zu tun, wenn man behauptet: Diesen Gegner muss man bezwingen. Tat der FC aber nicht, weil er ohne Kreativität, Durchschlagskraft und Mut agierte.
Und man fragt sich erneut: Was war die Idee an diesem Nachmittag? Was war René Wagners Plan? Der intellektuelle Trainer ist ein rationaler Analytiker. Doch Aussagen auf der Pressekonferenz wie „Das hat die Mannschaft super gemacht und die Null gehalten“ und „Die Jungs haben alles reingeschmissen“ sind nicht die, die man nach einer solchen Enttäuschung hören will. Obwohl: Tatsächlich hatte der FC erstmals seit Januar kein Gegentor kassiert. Doch wie sollte der Gegner auch eines erzielen? Fest steht: Die Skepsis wächst bei vielen. Nicht so bei der Klubspitze. Sie blieb am Samstag stumm. Sie wird ihre Gründe gehabt haben.