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„Das Spiel habe ich mir immer so sehr gewünscht“Würzburgs Präsident ist leidenschaftlicher Fan des 1. FC Köln

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Ein besonderer Tag: Michael Grieger 2017 auf dem Rasen in Müngersdorf nach der feststehenden Europapokal-Teilnahme des FC

Ein besonderer Tag: Michael Grieger 2017 auf dem Rasen in Müngersdorf nach der feststehenden Europapokal-Teilnahme des FC

Michael Grieger ist Präsident des Kölner Pokalgegners Würzburg und seit Jahrzehnten leidenschaftlicher FC-Fan und Dauerkarten-Inhaber.

Der 1. FC Köln startet am kommenden Montag (18 Uhr) mit dem Spiel in der ersten DFB-Pokalrunde bei Drittligist Würzburger Kickers in die neue Saison. Für Kickers-Präsident Michael Grieger ist das Duell besonders: Der 54-jährige Jurist ist seit Jahrzehnten bekennender FC-Fan. Der gebürtige Würzburger spricht im Gespräch mit dieser Zeitung über seine Faszination für den FC, Kölner Kindheitshelden und die Frage, für wen sein Herz am Montag schneller schlägt.

Herr Grieger, was ging in Ihnen unmittelbar nach der Pokalauslosung vor?

Michael Grieger: Im Topf waren nur noch vier Vereine: Altglienicke und wir im Amateurtopf sowie Wolfsburg und der FC im Profitopf. Als Wolfsburg Altglienicke zugelost wurde, sind meine Frau und ich in Jubel ausgebrochen – und dann klingelte sofort permanent das Telefon.

Ihre Frau teilt also die FC-Leidenschaft?

Genau. Sie hat einen ähnlichen Schatten wie ich (lacht).

Sie sind seit Jahrzehnten FC-Fan und heute Präsident des Gegners. Wie gehen Sie mit dieser besonderen Konstellation um?

Ich habe mir dieses Spiel immer so sehr gewünscht. Gewonnen habe ich damit schon – egal, wie das Spiel ausgeht. Ehrlicherweise wäre Ich vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben nicht ganz traurig, wenn der FC nicht gewinnt.

Tony Woodcock war für mich als kleiner Steppke ein Held wie Klaus Fischer, Pierre Littbarski, später Icke Häßler und immer Toni Schumacher. Der war damals der weltbeste Torwart.
Michael Grieger, Präsident der Würzburger Kickers, über seine FC-Idole

Sie sind Jahrgang 1972 und Franke. Ende der 1970er- und in den 1980er-Jahren war der FC erfolgreich unterwegs. Rührt daher Ihre Leidenschaft für den FC?

Ja, aber ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wie ich FC-Fan wurde. Es gab nicht den entscheidenden Moment. Hier in Würzburg können sich das viele Menschen nicht erklären, der FC ist hier sicher nicht das bestimmende Thema. Mittlerweile habe ich immerhin eine kleine Gruppe von zehn bis 15 FC-Fans in meiner Nähe gefunden. Seit ich denken kann, bin ich FC-Fan. Wissen Sie, Nick Hornby sagt ja: Der Mann sucht sich nicht den Verein, der Verein sucht sich den Mann. So war es auch bei mir. In meiner Familie gibt es den Mythos, dass meine Mutter bereits FC-Sympathisantin war – wegen des Dramas beim Münzwurf von Rotterdam 1965. Angeblich wurde mir das mit der Muttermilch übergeben (lacht). Vielleicht fängt für mich alles dann richtig Ende 1979 an, als Tony Woodcock verpflichtet wurde – das war für mich als kleiner Steppke ein großes Ding. Er war für mich ein Held wie Klaus Fischer, Pierre Littbarski, später Icke Häßler und immer Toni Schumacher. Der war damals der weltbeste Torwart. Das war auch ein Reibungspunkt mit meinem Vater, der Jean-Marie Pfaff besser fand. Das gab zu Hause viele Diskussionen.

Ihr erster Besuch im Müngersdorfer Stadion?

Der war im April 1984 gegen den HSV. Wir verloren 1:4. Mein Vater war zwar fußballverrückt, aber nicht an einen bestimmten Verein gebunden. Mein Bruder und ich wünschten uns das sehnlichst. Mein Bruder ist übrigens HSV-Fan – bis heute für mich nicht nachvollziehbar (lacht).

Seit wann haben Sie die Dauerkarten?

Seit 2012, nach dem Abstieg. Vielleicht auch gerade deswegen. Meine Frau wurde aktiv – ich hätte das wahrscheinlich nie hinbekommen. Wir haben zwei Tickets im Oberrang der Südtribüne. Mal gehe ich mit meiner Frau, mal mit den Söhnen, mal geben wir die Karten an Freunde aus Köln weiter.

Haben Sie ein Ritual vor jedem Heimspiel?

Wir fahren meistens mit dem Zug und dann ab Deutz mit der S-Bahn in Richtung Stadion. An der Kirche St. Vitalis gibt es die schöne Vinoteca Tommasone, die am Spieltag auch Kölsch und Currywurst mit Pommes verkauft – etwa 500 Meter vor dem Stadion. Es herrscht dort einfach eine wunderschöne, so emotionale Stimmung. Das ist das Schöne an dieser Stadt und diesem Verein.

Was war der schmerzhafteste Moment, was der schönste als FC-Fan?

Der Abstieg 2012. Die schwarze Wand auf der Südtribüne danach war hart. Ähnlich schmerzhaft war der erste Abstieg 1998. Besonders schön war neben den Aufstiegen das Spiel gegen Mainz 2017 um die Europa-League-Qualifikation – ich bin mit meinem Sohn auf den Platz gestürmt. 

Sie engagieren sich seit vielen Jahren bei den Würzburger Kickers und sind seit 2021 Präsident. Wie finden Sie Zeit für das Ehrenamt?

Das ist eine Frage, die ich mir oft stelle. Es ist sehr zeitaufwendig. Es geht nur, weil die Familie mich zu 100 Prozent unterstützt. Wenn meine Frau nicht selbst Fußballfan wäre, würde es definitiv nicht gehen. Der Beruf leidet manchmal ein bisschen darunter, aber es ist, wie es ist.

Michael Grieger mit Sohn Samuel in Feierstimmung im Rhein-Energie-Stadion

Welche Ziele haben die Kickers?

Wir waren nach dem Abstieg kurz vor der Insolvenz. Hätte uns nicht unser Förderer und Aufsichtsrat Dominik Möhler unter die Arme gegriffen, wären wir vor vier Jahren pleitegegangen. Dann kam 2024 die dramatische Niederlage gegen Hannover 96 II im Elfmeterschießen der Relegation. Deswegen sind wir froh, überhaupt in der 3. Liga zu sein. Unser Trainer sagt immer: Wir wollen eine sorgenfreie Saison erleben. Wichtig ist, dass sich der Verein nun solide im Profifußball etabliert und ein gutes Fundament geschaffen wird. Dann kann man auch langfristig wieder von Liga zwei träumen.

Vielleicht ist das als FC-Fan blasphemisch, aber für mich wäre es keine echte Sensation, sollten wir weiterkommen.
Michael Grieger

Welchen Stellenwert hat das Pokalspiel für Ihren Verein?

Einen sehr wichtigen. Wir präsentieren uns auf der großen Bühne – zum ersten Mal live im Free-TV. Vier Jahre waren wir der große Favorit in der Regionalliga. Jetzt sind wir Außenseiter in der 3. Liga und natürlich erst recht im Pokal. Wir erwarten ein volles Stadion und ein tolles Event.

Beim FC lief in der Vorbereitung nicht alles glatt, die Kickers sind mit einem 2:2 in Ingolstadt und einem 4:0-Sieg gegen Wehen Wiesbaden stark in die Liga gestartet. Wie schätzen Sie die Chancen ein?

Vielleicht ist das als FC-Fan blasphemisch, aber für mich wäre es keine echte Sensation, sollten wir weiterkommen. Ich kann mich nicht erinnern, dass der FC in den vergangenen Jahren gegen einen Drittligisten durchmarschiert ist. Es ist also alles andere als selbstverständlich, dass der Favorit am Montag weiterkommt, erst recht, weil wir schon voll im Saft stehen. Das 4:0 gegen Wiesbaden war ein Anschub vor dem großen Spiel, aber kein Spieler braucht gegen den FC vor vollem Haus zusätzliche Motivation.

Sie gehen also offensiv an die Sache heran?

Was bringt es, im DFB-Pokal knapp verlieren zu wollen? Am Ende bin ich ausgeschieden – ob 0:1 oder 0:4. Man geht doch immer mit der Einstellung ran, gewinnen zu wollen, und wir haben gute Erfahrungen gemacht: In den vergangenen Jahren hatten wir Hoffenheim in der ersten Runde und sind zweimal im Elfmeterschießen knapp gescheitert. Wir wissen, dass in einem Spiel alles möglich ist. Zur Wahrheit gehört aber sicher auch dazu, dass wir bislang noch nie gegen einen Erstligisten gewonnen haben.

Die FC-Pokalhistorie ist im Vergleich zu anderen Klubs eher schwach. 2002 hat der FC letztmals das Halbfinale erreicht.

Absolut. Ich würde es meinen Kindern von Herzen gönnen, dass der FC mal wieder um etwas Großes, um einen Titel mitspielt. Klar, ein Aufstieg wird in Köln fast wie eine Deutsche Meisterschaft gefeiert. Ich war zuletzt 2022 in Berlin beim Pokalfinale zwischen Freiburg und Leipzig und habe erlebt, was die Vereine fanmäßig auf die Beine gestellt haben – wir FC-Fans würden das mit Sicherheit toppen. Ich würde mit 100.000 Kölnern in Berlin rechnen – und mindestens 60.000 bis 70.000 wären ohne Karte da.

Haben Sie Kontakt zu den FC-Verantwortlichen?

Ich habe Herrn Kessler einmal eine E-Mail geschrieben (Thomas Kessler, Kölns Sport-Geschäftsführer, d. Red.). Falls er schon früher anreist, würde ich mich freuen, das Präsidium zu einem guten fränkischen Wein einzuladen. Das können Sie auch gerne so ausrichten (lacht).

Zum FC selbst: Wie sehen Sie die Kölner für die kommende Saison aufgestellt?

Ich muss ehrlich sagen: Ich kenne viele der Neuzugänge nicht wirklich. Aus Zeitgründen beschäftige ich mich viel mehr mit der 3. Liga und ihren Spielern als mit ausländischem Erstligafußball. Jakub Kaminski war für mich einer der besten Spieler der vergangenen Saison – dass er weg ist, tut weh. Dass Said El Mala beim FC bleibt, ist dafür eine sehr gute Nachricht. Ich hatte ja gesagt, dass ich ihn auf keinen Fall für weniger als 50 Millionen Euro gehen lassen würde. Umso wichtiger ist es, dass Köln ihn halten konnte. Er hat außergewöhnliche Fähigkeiten, ist schnell, mutig und kann Spiele mit einer einzelnen Aktion entscheiden. Für den FC ist er nicht nur sportlich wichtig, sondern auch ein Spieler, mit dem sich die Fans identifizieren können. Wenn er seine Entwicklung fortsetzt, wird er für Köln noch sehr wertvoll werden.

El Mala wird am Montag deshalb auch gegen Ihr Team auflaufen…

Als FC-Fan freue ich mich natürlich, dass Said bleibt. Als Kickers-Präsident hätte ich mir allerdings gewünscht, dass er am Montag nicht aufläuft. Er ist ein Unterschiedsspieler, und der FC ist mit ihm deutlich schwerer auszurechnen. Wir versuchen, ihn irgendwie aus dem Spiel zu nehmen und hoffen, dass er mal nicht seinen besten Tag erwischt.

Abschließend: Für wen wird Ihr Herz am Montag schneller schlagen?

Das ist die Frage, die ich nicht hören wollte. Wenn ich mich entscheiden muss, wünsche ich mir den Sieg der Kickers mehr als den des FC. Wirtschaftlich wäre Runde zwei für uns eine ganz andere Dimension – es würde extrem viel bedeuten, weiterzukommen. Das würde uns die Arbeit leichter machen.