Der 1. FC Köln ist aus dem Trainingslager im spanischen Algorfa zurück und bereitet sich nun ab Montag auf das nächste Bundesligaspiel kommenden Sonntag in Augsburg vor.
Fazit des TrainingslagersSkepsis und Hoffnung begleiten den 1. FC Köln

Gelungener Belastungstest im Testspiel: Torjäger Davie Selke (r. ) vom 1. FC Köln.
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Eine Portion Skepsis war mit an Bord, als der 1. FC Köln am Samstag mit Eurowings über Düsseldorf aus dem Trainingslager im spanischen Algorfa in die Heimat zurückflog. Es war das 2:2 im Testspiel gegen Breidablik Kópavogur zum Abschluss der fünf Tage an der sonnigen Costa Blanca, das befürchten lässt, dass der Fußball-Bundesligist im bevorstehenden Abstiegskampf die Probleme nicht abschütteln kann, die ihn schon die ganze Saison über begleiten und für Tabellenplatz 17 vor den letzten acht Spieltagen verantwortlich sind.
Das Remis gegen den isländischen Erstligisten, der zwar zweimal Meister des Inselstaates war, aber maximal unteres Zweitliga-Format verkörperte, war auf jeden Fall eine Enttäuschung inmitten der Aufbruchstimmung, die Trainer Timo Schultz seinen Spielern in Spanien vermitteln wollte und selbst auch zu jeder Zeit vorlebte. Eine Enttäuschung, weil die Kölner als bessere Mannschaft zweimal führten und zweimal nach individuellen Patzern den Ausgleich hinnehmen mussten.
Beim 1:1 nach Faride Alidous Führungstreffer leistete sich Steffen Tigges im Mittelfeld einen schlimmen Ballverlust. Tigges war es auch, der den unnötigen Freistoß vor dem 2:2 verursacht hatte. Ein Freistoß, den die Isländer schnell ausführen konnten, weil Timo Wäschenbach gegen drei Isländer alleine gelassen wurde und der als Linksverteidiger aufgebotene Dominique Heintz viel zu weit eingerückt war. „Da haben wir uns übertölpeln lasen. Ein schnell ausgeführter Freistoß, bei dem wir nicht auf Sendung sind, darf uns nicht passieren — auch nicht in einem Testspiel. Dafür sind wir zu ambitioniert“, kritisierte Timo Schultz.
Selke macht seinem Unmut Luft
Noch auf dem Spielfeld hatte sich nach dem Abpfiff Davie Selke mächtig über die Entstehung des 2:2 aufgeregt und vor allem Heintz die Meinung gegeigt. Timo Schultz nahm die Ansagen seines Torjägers wohlwollend zur Kenntnis und lobte Selke auch für seinen Kurzeinsatz: „Davie hat in der letzten halben Stunde nicht nur wegen seiner Torbeteiligung, sondern auch wegen seiner Aktionen rund um die Box gezeigt, wie gefährlich und wichtig er für uns ist.“ Der 29-Jährige hatte Youngster Damion Downs das 2:1 aufgelegt und ist neben dem zweiten Rückkehrer Luca Waldschmidt einer der großen FC-Hoffnungsträger im Kampf um den Klassenerhalt.
Zwei Spieler, die den Geißböcken in der lahmenden Offensive auf die Sprünge helfen sollen, zumal Schultz in den Tagen von Algorfa wiederholt davon gesprochen hatte, ab dem Spiel am Ostersonntag beim FC Augsburg „mehr Risiko“ gehen zu wollen. Die Einheiten im Trainingslager waren entsprechend ausgelegt. Der FC-Coach bewertete den Test gegen Breidablik deshalb auch differenzierter: „Wir sind gut reingekommen und haben einiges von den Abläufen gezeigt, die wir einstudiert haben. Im Laufe des Spiels haben wir uns ein bisschen den Schneid abkaufen lassen. Wir haben einige Jungs dabei gehabt, die fünf Einheiten in den Knochen hatten und am Ende stehend K.o. waren. Das haben wir auch so eingeplant. Wir müssen am Ende aber eben auch solche Spiele gewinnen.“
Das Trainingslager hat seinen Zweck absolut erfüllt.
Der 46-Jährige zeigte sich insgesamt mit dem Trainingslager zufrieden: „Es hat absolut seinen Zweck erfüllt. So ein Trainingslager hat ja weitaus mehr Wert als nur das Training auf dem Platz. Die Jungs sind 24 Stunden am Tag zusammen und können auch mal Sachen neben dem Fußball machen. Ich habe sie permanent gesehen, wie sie sich miteinander beschäftigt haben“, hob Schultz den Teamgeist-Effekt für Spieler und ebenso für den Staff hervor: „Auch wir im Trainerteam hatten noch einmal die Möglichkeit, das eine oder andere mehr mit auf unsere Agenda zu nehmen.“
Bis zum Augsburg-Spiel (15.30 Uhr/DAZN) bleiben den Kölnern noch vier volle Trainingstage. Schultz hat lediglich Gründonnerstag freigegeben. „Wir freuen uns auf nächste Woche und hoffen, dass alle Nationalspieler heil zurückkommen. Die Trainingswoche in Köln wird genauso wichtig wie die Tage hier“, erklärte der Trainer. Vor allem, weil er dann wohl alle Spieler bis auf die weiter verletzten Mark Uth und Justin Diehl wieder dabei hat. Ein Fragezeichen steht lediglich noch hinter Youngster Max Finkgräfe, der nach einer MRT-Untersuchung und einer Spritze seine Rückenprobleme allerdings wieder in den Griff bekommen zu haben scheint und damit rechtzeitig vor der „Crunch-Time“ wieder fit ist.
Jan Thielmann als Rechtsverteidiger
Vier Nationalspieler sind für den FC in der Länderspielpause unterwegs. Während Leart Pacarada beim 1:0-Sieg des Kosovo gegen Armenien in der Startelf des deutschen Trainers Franco Foda stand, hofft Denis Huseinbasic am Dienstag auf seinen ersten Einsatz für die U21--Nationalmannschaft Bosnien-Herzegowinas. Pacarada spielt am gleichen Tag mit Kosovo noch gegen Ungarn.
Ebenfalls am Dienstag sind mit Jan Thielmann und Eric Martel zwei FC-Profis zum zweiten Mal bei der deutschen U21 im Einsatz. Beim enttäuschenden 0:0 in der EM-Qualifikation gegen Kosovo standen beide in der Startelf, Thielmann etwas überraschend als Rechtsverteidiger. Eine Rolle, die der 21-Jährige am Dienstag gegen Israel wieder in der U21 spielen wird und dann möglicherweise auch beim 1. FC Köln.
