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FC gegen BorussiaDerby zwischen Druck und Hoffnung

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1. FC Köln vs. Borussia Mönchengladbach, 27. Spieltag, 21.03.2026, 15.30 Uhr, Tor zum 3:3 durch Eric Martel (1. FC Köln), Bild: Herbert Bucco

Szene aus dem bis dato letzten Derby am 21. März in Köln. Das Duell endete 3:3.

Köln sucht Ruhe, Gladbach den ersten Sieg: Im wegweisenden Duell der Erzrivalen geht es für beide Mannschaften um Punkte und Vertrauen.

Drei Wochen ohne Bundesligaspiel sind eine lange Zeit. Für den 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach hat die Pause aber wenig an den Fragen geändert, die sie vor der Unterbrechung beschäftigten. Am Sonntag (15.30 Uhr) treffen die rheinischen Rivalen in Müngersdorf aufeinander. Beide können ihren Leistungsstand nach der ungewohnt langen Pause nur schwer einschätzen. Dass sie ein Ergebnis brauchen, steht dagegen fest.

Beim FC ist der Druck auf René Wagner nach dem schwachen Ende der vergangenen Saison und den Enttäuschungen gegen Bremen (1:1) und beim Hamburger SV (1:2) merklich gestiegen. Die Borussia steht nach vier Spieltagen mit null Punkten und einer Tordifferenz von minus zehn am Tabellenende. Alexander Blessin übernahm wenige Tage nach dem 3:4 gegen Mainz, der vierten Niederlage im vierten Spiel, das Traineramt. Sein erster Auftrag ist entsprechend klar: Er soll die Mannschaft aus der Krise führen.

Für Köln wird das Derby auch darüber mitentscheiden, wie sich die Diskussion um den Trainer entwickelt. Ein Sieg würde die Unruhe vorerst dämpfen. Eine Heimniederlage gegen einen Gegner, der bislang jeden Punkt verfehlt hat, würde den Unmut im Anhang verschärfen. Für Gladbach geht es darum, aus dem Fehlstart keine anhaltende Krise werden zu lassen.

Die Kölner Probleme sind dabei keineswegs auf die jüngsten Ergebnisse beschränkt. Gegen Bremen und in Hamburg hatte der FC die Spiele lange im Griff und brachte sich dann selbst um bessere Resultate. In 19 Pflichtspielen in Folge kassierte die Mannschaft mindestens ein Gegentor. Bei der Abwehr von Standards schneidet sie wie schon in der vergangenen Saison ligaweit am schlechtesten ab. Es fehlt also nicht nur an Punkten, sondern auch an defensiver Verlässlichkeit.

Die Vereinsführung hält dennoch am Trainer fest. Präsident Jörn Stobbe bestätigte auf Nachfrage dieser Redaktion bereits, dass Vorstand und Sportchef Thomas Kessler auf einer Linie stehen und Wagner Rückendeckung geben. Daran dürfte zunächst auch eine Derbyniederlage nichts ändern. „Es bleibt dabei, was ich jüngst gesagt habe: René Wagner genießt unser volles Vertrauen.“ Bei den Kriterien, die vor der Vertragsverlängerung festgelegt worden seien, schneide Wagner durchweg hoch ab. „Jetzt müssen wir natürlich schauen, dass wir die Ergebnisse kriegen, denn dann hört so eine Diskussion schnell auf.“

Das ist die Position der Verantwortlichen. Ob sie nach einer Niederlage gegen den punktlosen Erzrivalen ausreicht, um die Diskussion zu beruhigen, ist eine andere Frage. Allen Treueschwüren zum Trotz könnte die Trainerdebatte eine Eigendynamik entwickeln. Bereits fünf Tage später tritt der FC in Frankfurt an.

1. FC Köln: Trainer René Wagner kennt die Grenzen des Vertrauens

Wagner kennt die Grenzen des Vertrauens. „Seit dem Sommer spüre ich Ruhe im Verein und habe den Eindruck, dass alle an einem Strang ziehen. Die Unterstützung ist da – aber der Kredit ist nicht unbegrenzt. Mir ist die Verantwortung für diesen Verein sehr bewusst. Wir können nicht 34 Spieltage über einen guten Weg sprechen, ohne Punkte zu holen.“

Wie folgenreich Rheinderbys sein können, hat sein früherer Chef Lukas Kwasniok (45) erlebt. Auf das 1:3 im ersten Duell der vergangenen Saison folgte ein halbes Jahr Ergebniskrise. Nach dem 3:3 im Rückspiel übernahm der damalige Assistent Wagner. Nun steht er selbst vor der Aufgabe, mit einem Sieg für Ruhe zu sorgen.

Marcel Risse (36), Kölns Derbyheld von 2016, erwartet keine Partie, die vor allem über die spielerische Qualität entschieden wird. „Bei beiden Vereinen ist es nicht einfach. Bei Gladbach ist die Lage in der Tabelle derzeit noch etwas dramatischer. Auf dem Platz kommt es vom ersten Moment an vor allem auf die Einstellung an. Ich glaube nicht, dass es ein hochklassiges Spiel wird. Die Mannschaft, die am meisten brennt, kann das Derby über den Kampf gewinnen“, sagte Risse im Gespräch mit unserer Redaktion.

Wagners Vorbereitung war schon vor den jüngsten Verletzungen kompliziert. Der 38-Jährige muss eine spät zusammengestellte Mannschaft zusammenführen, während der Länderspielpause fehlten ihm jedoch neun Nationalspieler. Mit den übrigen Profis setzte er zunächst auf Erholung. In der zweiten Woche erhöhte er mit intensiven Einheiten und einem Testspiel die Belastung. Das 2:2 bei Viktoria Köln brachte dann ein zusätzliches Problem. Thijs Dallinga erlitt einen Kreuzbandriss, Ragnar Ache eine Muskelverletzung. Damit fehlen beide Mittelstürmer. Wagner muss nicht nur die Rückkehrer integrieren, sondern auch den Angriff neu besetzen. Voraussichtlich wird Marius Bülter gemeinsam mit Said El Mala, Mikey Moore und Linton Maina die Offensive bilden.

Die Länderspiele haben den Kölnern unterschiedliche Voraussetzungen für das Derby hinterlassen. El Mala debütierte in der deutschen A-Nationalmannschaft, Moore und Reigan Heskey überzeugten bei Englands Juniorenauswahlen. Sie kehrten mit Selbstvertrauen zurück. Luka Lochoshvili und Ísak Jóhannesson hatten dagegen ein erhebliches Pensum zu absolvieren: Der Georgier spielte 355 von 360 möglichen Minuten, der Isländer 345. Beide blieben im Spielrhythmus, hatten aber kaum Gelegenheit zur Erholung. Hinzu kamen die Reisen. Jóhannesson steigt erst am Donnerstag wieder ins Training ein. Gideon Mensah kehrte nach der Absage von Ghanas Testspiel gegen Marokko früher zurück. Auch Paul Okon-Engstler bleibt nach zwei Spielen in Australien mehr Zeit, sich wieder zu akklimatisieren. Jahmai Simpson-Pusey debütierte beim 1:3 in Irland für Englands U21, spielte durch. Rav van den Berg blieb bei der niederländischen U21 hingegen in allen drei Partien ohne Einsatz – wie zuletzt auch in Köln. Für Wagner sind das Schwierigkeiten, aber keine Gründe, das Ziel einzuschränken. „Unser Ziel ist klar: Wir wollen das Derby zu Hause gewinnen. Dass dieses Spiel besonders ist, müssen wir niemandem erklären.“

Bei einem Derby spielt es keine Rolle, wo du in der Tabelle stehst. Klar ist aber auch, dass unabhängig vom Ausgang am Sonntag ein langer Weg vor uns liegt.
Rainer Bonhof, Präsident von Borussia Mönchengladbach

Bei Borussia verbindet sich mit dem Derby die Hoffnung, dass ein Trainerwechsel auch die Ergebnisse verändert. Präsident Rainer Bonhof (74) sieht in der Partie eine Chance. „Bei einem Derby spielt es keine Rolle, wo du in der Tabelle stehst“, sagte der Weltmeister von 1974. „Es geht nur darum, dieses Spiel zu gewinnen, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.“ Die Mannschaft müsse endlich punkten und in der Saison ankommen. Die Trennung von Eugen Polanski habe ihn geschmerzt. Nach intensiven internen Gesprächen hätten die Verantwortlichen den Schritt jedoch gemeinsam für notwendig gehalten. Der sportlichen Leitung um Rouven Schröder vertraue er weiterhin. Bonhof verbindet den Wunsch nach einem sofortigen Erfolg allerdings mit einer Einschränkung: „Klar ist aber auch, dass unabhängig vom Ausgang am Sonntag ein langer Weg vor uns liegt.“

Blessin arbeitete zum Wochenauftakt vor allem an der Defensive. Nach dem 1:1 im Test gegen St. Pauli griff er im Training immer wieder mit Anweisungen ein. Den zurückkehrenden Nationalspielern muss er möglichst schnell die Ideen vermitteln, die er mit den übrigen Profis erarbeitet hat. Auch die Gladbacher Personallage ist nicht geklärt. Kapitän Tim Kleindienst beendete das Training wegen Muskelbeschwerden vorsorglich, Ko Itakura wird wegen Knöchelproblemen untersucht. Enzo Leopold (Kreuzbandriss) und Jens Castrop (Schulteroperation) fehlen. Franck Honorat und Nicolas Kühn machen Fortschritte; Zento Uno trainiert wieder uneingeschränkt und könnte am Sonntag eine Alternative sein.

Das Derby kann die Probleme beider Mannschaften nicht lösen. Es kann aber verändern, unter welchen Bedingungen sie daran arbeiten. Köln würde mit einem Sieg den Rivalen auf sieben Punkte distanzieren und Wagner vorerst Ruhe verschaffen. Gladbach könnte mit den ersten Punkten unter Blessin einen Neubeginn begründen. Bei einer Niederlage drohen dem FC schärfere Trainerdebatten und der Borussia ein wachsender Rückstand auf die Konkurrenz. Für beide geht es deshalb um drei Punkte – und um die Zeit und Zuversicht, die ein Erfolg verschaffen könnte.