Der 1. FC Köln bewegt sich nach zwei Spieltagen in der 2. Fußball-Bundesliga auf dem schmalen Grat zwischen guten Leistungen und fehlenden Punkten.
Fehlstart in die 2. Bundesliga1. FC Köln sucht noch die Leichtigkeit

Diskussionsbedarf: Trainer Gerhard Struber, Co-Trainer Bernd Eibler und FC-Geschäftsführer Christian Keller (v.l.n.r.) 1. FC Köln nach dem Spiel in Elversberg.
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Der Gästeblock hatte wieder einmal alles gegeben. Gut 2500 Fans des 1. FC Köln machten sich am Samstag auf den Weg in die saarländische Dorf-Idylle, um ihrem Club auf dem schweren Weg durch die 2. Fußball-Bundesliga die volle Unterstützung zukommen zu lassen. Die Anhänger zeigten zwischen Autobahnzubringer, Tankstelle und Supermarkt auf der Baustelle im Waldstadion an der Kaiserlinde, dass es für sie in ihrem Support und ihrer Liebe keinen Unterschied zwischen Bundesliga und 2. Liga gibt. Selbst nach dem frustrierenden 2:2 (1:0) bei der SV 07 Elversberg, standen die Fans an der Seite ihres Teams und fingen die Spieler in ihrer Enttäuschung auf.
Die Kölner Mannschaft ist im Gegensatz zu ihrer treuen Gefolgschaft nach zwei Spieltagen der Saison 2024/25 noch nicht im Fußball-Unterhaus angekommen. In der Vorstellung sollte dem bitteren Bundesliga-Abstieg und der Euphorie des Sommers ein rauschender Saisonstart folgen. Die Wünsche und Erwartungen sahen erst einen Heimsieg vor 50.000 Zuschauern gegen den Hamburger SV und Ex-Trainer Steffen Baumgart und dann drei weitere Punkte beim Abstiegskandidaten aus der Provinz vor.
Wir haben den Gegner in der ersten Halbzeit kontrolliert, aber versäumt, ihn zu killen.
Stattdessen steht das Team des neuen Trainers Gerhard Struber vor dem Pokalspiel am kommenden Sonntag beim Drittligisten SV Sandhausen mit nur einem Punkt auf Platz 13 in der ungemütlichen Zone der 2. Liga und vor ähnlichen Problemen wie in der vergangenen Saison. Den Kölnern fällt es schwer, ihre PS konstant auf die Straße zu bekommen und aus der Überzeugung eigener Stärke entsprechend Tore resultieren zu lassen. Vielmehr genügt das erste negative Erlebnis, um aufzuzeigen, dass es der Mannschaft an Widerstandsfähigkeit, Führungsstruktur und Selbstverständnis mangelt.
Die Geißböcke demonstrierten in Elversberg zunächst eine Halbzeit lang, was an Potenzial ihnen steckt. Der FC hatte die Partie vor knapp 10.000 Zuschauer im kleinsten Stadion der Liga nach zehn Minuten voll im Griff und hätte sich für seine starke Leistung mit mehr als dem 1:0 des überzeugenden Denis Huseinbasic belohnen müssen (21.). „Wir waren kontrolliert, dominant und haben uns einige Chancen herausgespielt, die für mehr Tore hätten reichen müssen. Wir haben kaum bis gar nichts zugelassen“, analysierte Gerhard Struber zufrieden.
Einziger Makel war die fehlende Effizienz.„ Ich bin enttäuscht. Wir haben den Gegner in der ersten Halbzeit kontrolliert, aber versäumt, ihn zu killen. Das müssen wir uns vorwerfen lassen“, haderte Torschütze Huseinbasic. Ein Versäumnis, das den Kölnern anschließend fast komplett zum Verhängnis geworden wäre, denn die vergebenen Torchancen standen in direktem Zusammenhang zu den Ereignissen der zweiten Hälfte, wie Kapitän Timo Hübers treffend analysierte: „Wenn wir in der ersten Halbzeit den Sack mit dem 2:0 oder 3:0 zu machen, müssen wir hinten heraus gar nicht so kämpfen. Ich glaube, das hätte den Gegner demoralisiert. So war die Tür einen Spalt breit offen und den hat Elversberg direkt nach der Pause genutzt, wo wir noch im Tiefschlaf waren.“
Timo Hübers geht voran
Nach nicht einmal 40 Sekunden des zweiten Durchgangs standen Spiel und Stadion nach einer Kölner Fehlerkette und dem Ausgleich von Joker Fisnik Asllani Kopf. „Wir waren nach dem schnellen Gegentor in einer Denkphase. Wir haben das Momentum hergegeben, Elversberg ist aufgekommen“, beschrieb Coach Struber den unerklärlichen Einbruch. Als der zweite Elversberger Joker Frederik Schmahl drei Minuten nach einer vergebenen Großchance von FC-Stürmer Damion Downs zum 2:1 traf (62.), drohte sogar die zweite Niederlage im zweiten Saisonspiel.
Wenn es neben der Leistung in der ersten Hälfte etwas Gutes aus Kölner Sicht gab, dann war es der Fakt, dass sich die Geißböcke trotz des Rückstands und des Dramas um Mark Uth vehement gegen die drohende Niederlage stemmten. Spielerisch ging zwar nicht mehr viel, dafür ließ der FC „sein Herz auf dem Platz“, wie es Timo Hübers ausdrückte: „Die Reaktion am Ende hat gepasst, aber zufrieden sind wir trotzdem nicht.“
Der neue Kapitän trieb sein Team als Abwehrchef unermüdlich an und sorgte in der Schlussphase nach einer Ecke von Leart Pacarada nicht von ungefähr per Kopf für den letztlich verdienten Ausgleich (84.). In der Nachspielzeit wäre dem für Mark Uth eingewechselten Luca Waldschmidt beinahe sogar der Siegtreffer gelungen. „Wir haben den Glauben, immer dranzubleiben, nicht verloren und haben uns das Momentum mit viel Einsatz und Energie zurückerkämpft“, lobte Trainer Struber die Einstellung seines Teams.
Mit der Leistung in den ersten beiden Spielen kann ich über weite Strecken sehr gut leben.
Von einem Fehlstart wollte der 47-Jährige trotz des verpassten ersten Saisonsieges nichts wissen: „Wir haben als FC natürlich den Anspruch, punktemäßig woanders zu stehen. Mit der Leistung in den ersten beiden Spielen kann ich über weite Strecken aber sehr gut leben.“ Es fehle die Konstanz, die „Leistungen über die gesamte Spielzeit stabiler zu konservieren“.
Für Struber ist es eine Frage der Zeit, bis der Knoten platzt, der seine Spieler die Leichtigkeit des Seins im Fußball erleben lässt: „Es gibt diese Phasen, in denen man sich alles hart erarbeiten muss. Das Gute ist, dass wir zu Torchancen kommen. Uns hilft jetzt kein Aktionismus. Wir müssen den jungen Burschen Klarheit, Sicherheit und einen Matchplan geben, um ins Toreschießen zu kommen.“ Eine Vorgabe, für die die mitgereisten FC-Fans gleich nach dem Schlusspfiff ein feines Gespür bewiesen: „FC, kämpfen und siegen“, bauten sie die geknickten Spieler vor der Gästetribüne mit ihren freundlichen Gesängen auf.
