Der 1. FC Köln ist noch nicht in der Lage, dauerhaft sein Niveau abzurufen. Ein Sieg gegen Bremen wäre absolut möglich gewesen.
Gute erste Halbzeit, schwache zweiteFC wird immer passiver und baut Werder auf

Die Kölner um Torhüter Marvin Schwäbe wirkten nach dem 1:1 gegen Bremen überwiegend enttäuscht.
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Der 1. FC Köln kam am Samstagabend in Müngersdorf nicht über ein 1:1 gegen Werder Bremen hinaus.
Das Wichtigste zuerst
Werder Bremen gilt in der Bundesliga als Lieblingsgegner der Kölner. Gegen kein anderes Bundesliga-Team gewann der FC im heimischen Stadion häufiger (30 Siege), gegen keine andere Mannschaft erzielte er mehr Tore (jetzt 111). Dass es am dritten Bundesliga-Spieltag nichts mit einem weiteren Erfolg wurde, hat sich die Mannschaft von Trainer René Wagner selbst zuzuschreiben.
Nach einer überlegen geführten ersten Halbzeit inklusive einer Drangphase, in der die Kölner nach Linton Mainas Führungstor in der elften Minute durchaus höher hätten führen können, wurde der FC nach dem Wechsel zu passiv und stellte phasenweise seine Offensivbemühungen ein. Dafür bekam er in Form des Gegentreffers durch Niclas Füllkrug (69.) die Quittung. Der Ausgleich hatte sich bereits angedeutet. Rund zehn Minuten zuvor hatten die Kölner noch Glück, dass Dinkçis Schuss an die Latte klatschte.
Zum Ende hin machte der FC noch einmal Druck und hatte durch Marius Bülter und Ragnar Ache Chancen auf den Siegtreffer. Dieser sollte jedoch nicht mehr fallen, sodass es am Ende beim leistungsgerechten Unentschieden blieb. Damit stehen beide Teams in der noch jungen Saison bei jeweils vier Punkten.
Thijs Dallinga, beim 3:2-Sieg gegen Hoffenheim mit zwei Treffern noch der Kölner Matchwinner, erlebte diesmal einen unglücklichen Abend. Der Stürmer holte zwar einen Elfmeter heraus, scheiterte mit seinem flach geschossenen Versuch aber an Werder-Torwart Karl Hein (8.).
Vor dem Anpfiff hatte Trainer Wagner harte Kaderentscheidungen treffen müssen. Der Coach verzichtete auf den Acht-Millionen-Euro-Mann Rav van den Berg, die Angreifer Luca Waldschmidt und Imad Rondic sowie den jungen Neuzugang Reigan Heskey.
Die Tore
Nach dem verschossenen Elfmeter blieb der FC am Drücker und ging in dieser Drangphase in der elften Minute auch vollauf verdient in Führung. Tom Krauß antizipierte Piepers Zuspiel im Bremer Aufbau stark und schaltete nach der Balleroberung sofort um. Über Ellyes Skhiri gelangte der Ball halbrechts im Sechzehner zu Linton Maina, der aus gut 17 Metern überlegt in die lange Ecke traf.
In der 69. Minute glich Bremen aus und profitierte dabei von der Kölner Passivität sowie einem Fehler von FC-Innenverteidiger Jahmai Simpson-Pusey. Nach Chukis Hereingabe von der linken Seite blockte der Engländer den Ball unabsichtlich vor die Füße von Niclas Füllkrug. Der Ex-Nationalstürmer und Bremer Rückkehrer ließ sich nicht zweimal bitten und traf überlegt in die linke Torecke. FC-Trainer René Wagner trampelte vor Wut auf der Kölner Bank.
Das war gut
Die Kölner Drangphase zu Beginn der Partie. Vor allem Linton Maina und der erneut erfrischend aufspielende Teenager Mikey Moore wirbelten die Bremer durcheinander. Moores großes Potenzial wurde erneut deutlich. Auch Rückkehrer Ellyes Skhiri gefiel vor allem im ersten Durchgang als Stabilisator, Dirigent und Antreiber.
Das war schlecht
Die Passivität der Kölner unmittelbar nach dem Wechsel, für die es objektiv betrachtet keinen Grund gab. Bremen hatte sich zuvor wahrlich nicht als angsteinflößender Gegner präsentiert.
Moment des Spiels
Aus Kölner Sicht das 1:0: Tom Krauß antizipierte stark, schaltete nach der Balleroberung sofort um. Es folgte ein sehenswerter Spielzug über Skhiri und Maina, der überlegt zur Führung traf und Bremens Torhüter Hein blöd aussehen ließ.
Aus Bremer Sicht war neben dem Ausgleich auch das Comeback von Mitchell Weiser sehr erfreulich. Der gebürtige Troisdorfer und Ex-FC-Profi stand in der 83. Minute erstmals nach seinem Kreuzbandriss wieder auf dem Platz und hatte dabei sichtlich mit seinen Emotionen zu kämpfen.
Moment zum Vergessen
Neben Dallingas verschossenem Elfmeter war es das ungenügende Abwehrverhalten des FC in der 69. Minute, das mit dem Ausgleich bestraft wurde.
Spieler des Spiels
Mikey Moore. Auch wenn dem technisch versierten und mutigen 19-Jährigen nicht alles gelang, ist er vor allem in spielerischer Hinsicht ein absoluter Gewinn für den FC.
Das sagen die Beteiligten
René Wagner (1. FC Köln): „Das war aus meiner Sicht eine gerechte Punkteteilung. Mit den ersten 20, 25 Minuten der zweiten Halbzeit bin ich allerdings nicht zufrieden. Wir haben eine gute erste Halbzeit gespielt, danach aber in den Ballbesitzphasen nicht mehr den nötigen Biss gezeigt und den Gegner zu sehr ins Spiel kommen lassen. Nach dem Gegentor wollten wir das Spiel zu Hause noch gewinnen und haben wieder mehr Druck entwickelt. Gegen Ende hatten wir viel Ballbesitz, aber nicht mehr die Durchschlagskraft aus der ersten Halbzeit. Deshalb ist das Unentschieden am Ende gerecht.“
Daniel Thioune (SV Werder Bremen): „Das Spiel hatte aus meiner Sicht keinen Sieger verdient. Der frühe Elfmeter hat uns trotz der Parade keine Sicherheit gegeben, und die Kölner haben weiter Druck gemacht. In der ersten Halbzeit hatten wir Probleme, den Dreieraufbau zu kontrollieren. Der Rückstand war zu diesem Zeitpunkt verdient. Nach der Pause haben wir umgestellt, sind höher angelaufen und haben unsere Ballbesitzphasen verbessert. In unserer besten Phase ist der Ausgleich gefallen. Insgesamt hat meine Mannschaft in der zweiten Halbzeit eine sehr gute Haltung gezeigt. Deshalb geht die Punkteteilung in Ordnung, und wir nehmen den Punkt gerne mit nach Hause.“
Das sagen wir
Der auf vielen Positionen erneuerte 1. FC Köln ist in dieser jungen Saison noch nicht in der Lage, über die komplette Spielzeit sein Niveau zu halten. In den ersten drei Pflichtspielen folgte auf eine schwache erste Halbzeit immer eine deutlich bessere oder sogar sehr gute zweite. Diesmal war es umgekehrt: Der FC hatte im ersten Durchgang überzeugt, versäumte es aber, mehr Kapital daraus zu schlagen.
Die Kölner hatten die Partie gegen sehr biedere und harmlose Bremer im ersten Durchgang im Griff. Objektiv betrachtet war es unerklärlich, weshalb sie nach dem Wechsel zunehmend passiver agierten und ihr Offensivspiel phasenweise fast einstellten. Sie gaben die Partie aus der Hand und bauten die Bremer damit auf. Das war weder Fisch noch Fleisch.
Daran muss der FC arbeiten. Und an seinen Schwächen im Abwehrzentrum. Sieben Gegentore kassierten die Kölner bereits in der Liga. Hoffnungsträger für diesen Weg sind die jungen Mikey Moore und Said El Mala – wenn Letzterer wieder im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Vielleicht wird man schon beim nächsten Spiel am kommenden Samstag beim Hamburger SV erstmals die vielversprechende FC-Flügelzange gemeinsam auf dem Platz sehen.
