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Kader-UmbauNeue Achse und Führung beim 1. FC Köln gesucht

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Trainer René Wagner im Gespräch mit Joel Schmied (l.) und Neuzugang Luka Lochoshvili.

Trainer René Wagner im Gespräch mit Joel Schmied (l.) und Neuzugang Luka Lochoshvili. Auch das Duo soll Verantwortung übernehmen.

Der FC ist mittlerweile in der Lage, auch vielversprechende Talente zu verpflichten. Doch es fehlen noch Anführer.

Der im Kader-Umbau befindliche 1. FC Köln wird aller Voraussicht nach noch in dieser Woche nach dem Transfer von Linksaußen Reigan Heskey (18) die Verpflichtung eines weiteren Teenagers aus England perfekt machen. Tottenhams Mikey Moore, zuletzt an die Rangers aus Glasgow ausgeliehen, soll in dieser Woche seinen Medizincheck beim Bundesligisten absolvieren. Den offensiven Mittelfeldspieler Marcel Regula (19, Lubin), mit dem sich der FC ebenfalls beschäftigt hat, zieht es hingegen zu Borussia Dortmund.

Wie zu erfahren war, kommt Moore für eine Saison ans Geißbockheim – allerdings ohne Kaufoption für den FC. Weil die Kölner Verantwortlichen derart überzeugt von den Qualitäten des Offensiv-Allrounders sind, weichen sie von ihrer eigentlichen Maßgabe ab, Talente nur mit Kaufoption auszuleihen. Andernfalls wäre der Spieler nicht zu bekommen gewesen, denn Tottenham plant mit Moore in der Zukunft. Mit Moore würde der Altersdurchschnitt des Kölner Kaders auf 25,4 Jahre sinken. Allerdings wird dieser angehoben durch Spieler wie Imad Rondic (27), die Ersatztorhüter Ron-Robert Zieler (37) und Matthias Köbbing (29), den sich herankämpfenden Timo Hübers (30) oder Profis wie Linton Maina (27) und Luca Waldschmidt (30), deren Zukunft noch nicht gänzlich geklärt ist.

Um keinen falschen Zungenschlag hereinzubekommen: Der Kölner Kader ist im Liga-Vergleich nicht zu jung. Die Altersstruktur spiegelt in etwa die Verhältnisse im Spitzenfußball wider, in dem die Aufgebote immer jünger werden. 25,0 Jahre beträgt der aktuelle Durchschnitt der Bundesliga-Kader, in der Vorsaison waren es 25,5. Bei eingesetzten Spielern erhöht sich dieser Schnitt auf knapp 26 Jahre.

1. FC Köln: Veränderte Scouting- und Transfer-Kultur

Es spricht für den FC und seine Verantwortlichen um Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler und Kaderplaner Tim Steidten und für eine veränderte Scouting und- Transfer-Kultur, dass der Klub in der Kaderplanung mittlerweile deutlich internationaler denkt und sich auf diese Märkte traut. Entwickeln sich die Talente wie erhofft, kann der FC mittel- und langfristig Transfereinnahmen generieren, die es in der jüngeren Vergangenheit mit wenigen Ausnahmen nicht gab. Dazu zählen auch die Neuzugänge wie Innenverteidiger Jahmai Simpson-Pusey (20), den der FC fest von Manchester City verpflichtet hat, oder Paul Okon-Engstler (21) und Nachwuchstorwart Martin James (18). Ihnen wird großes Potenzial nachgesagt, doch die Bundesliga ist für diese jungen Spieler noch Neuland.

Klar ist: Nach zwölf Abgängen muss der FC den Kader auf vier bis fünf Positionen noch verstärken – dabei liegt die Betonung auf Verstärkung. Nicht nur qualitativ, sondern auch hinsichtlich Führung und Hierarchie. Hier ist beim Team des jungen Cheftrainers René Wagner (37) noch einiges unklar. Zumal Hübers erst wieder zur Wettkampf-Option werden muss und Ex-Kapitän Florian Kainz (33) oder Dominique Heintz (32) ihre Karriere beendeten oder den FC verließen. Kainz und Heintz mögen zwar auf dem Platz nicht mehr die größte Rolle gespielt haben, doch in der Kabine hatte ihr Wort Gewicht.

Wagners Mannschaft muss zunächst eine belastbare Achse aufbauen. Der FC benötigt bei der Vielzahl von Talenten eine erfahrene Führungsstruktur, die vom Tor über die Abwehr und das Mittelfeld bis in den Angriff Halt und Orientierung gibt. Besonders kritisch sind zwei Positionen: die Sechserposition im defensiven Mittelfeld und die Offensive, wo emotional starke Charaktere noch fehlen.

Das Torwart-Duo prägt die derzeit vorhandene Hierarchie: Kapitän Marvin Schwäbe (31) ist die unangefochtene Nummer 1 und führt das Team mit ruhiger Autorität an. Ron-Robert Zieler (37), der Weltmeister von 2014, fungiert als Vize-Kapitän und ist intern die wichtigste Kabinen-Stimme sowie engster Vertrauter des Trainerstabs. Im Mannschaftsrat unterstützen sie Marius Bülter (33) und Jan Thielmann (24), der die „FC-DNA“ verkörpert und schrittweise mehr Verantwortung übernehmen will und soll. Allerdings muss der 24-Jährige zunächst seine zuletzt stagnierenden Leistungen deutlich steigern. Vor Thielmann liegt eine wegweisende Saison.

In der Abwehr hat der FC mit Bedacht Spieler verpflichtet, denen man Führung zutraut. Luka Lochoshvili (28), der georgische Nationalspieler, zeigt bereits die aggressive Körpersprache und den physischen Einsatz, den eine Defensive benötigt. In der Bundesliga hat der von Nürnberg verpflichtete Abwehrspieler allerdings ebenso noch nicht gespielt wie Gideon Mensah (28), der ghanaische Linksverteidiger, der ähnliche Qualitäten mitbringt, dabei aber auch für Lockerheit sorgen kann. Zusammen mit Joel Schmied (27) oder Hübers sollen sie eine defensive Führungsachse bilden, die emotional und verbal präsent ist. Auch Rechtsverteidiger Sebastian Sebulonsen (26) hat sich in der Vorbereitung als verbaler Anführer gezeigt – ein positiver Schritt, da der Defensivmann in seiner Debüt-Saison eher zurückhaltend wirkte. 

Führungsvakuum im Zentrum und Angriff

Im Mittelfeld zeigt sich allerdings ein Vakuum, das zum Problem werden könnte. Tom Krauß (25) besitzt zwar Führungsqualitäten und ist durch den Abgang von Eric Martel zunächst gesetzt. Er ist kommunikativ und präsent. Allerdings kann er nicht allein die Verantwortung für die Balance zwischen Defensive und Spielaufbau tragen. Der Verein sucht dringend einen stabilen Partner – einen klassischen Sechser mit Erfahrung und Durchsetzungskraft, der Krauß entlastet. Neuestes Gerücht: Laut der englischen Zeitung „Standard“ soll der FC unter den Interessenten für David Ozoh von Premier-League-Klub Crystal Palace sein. Der defensive Mittelfeldspieler, zuletzt an Zweitligist Derby County erfolgreich ausgeliehen, ist aber auch erst 21 Jahre alt.

Im Angriff fehlt es an echten Antreibern und emotionalen Führungsfiguren. Luca Waldschmidt (30) und Marius Bülter (33) sind zwar sehr erfahren, führen aber weniger durch lautstarke Kommandos in Krisenmomenten. Ragnar Ache (28) ist zwar im Angriff unverzichtbar, konzentriert sich aber primär auf seine körperliche Fitness und Torgefährlichkeit statt auf die klassische Kabinen-Führungsrolle. Im Mittelfeld und Angriff mangelt es noch an charakterstarken Führungsspielern, die verbal und emotional präsent sind – genau dort, wo das junge Team in Druck-Situationen Stabilität braucht.

So könnte bereits Saïd El Mala immer mehr in eine veränderte Rolle schlüpfen – und zwar mit erst 19 Jahren. Der Offensivspieler ist nicht nur der Kölner Senkrechtstarter und mit 13 Treffern der erfolgreichste FC-Spieler der Vorsaison, sondern auch eine identitätsstiftende Figur für Klub und Fanbase. Sollte der talentierte Offensivmann den FC allerdings allerdings für eine Kölner Rekordablösesumme noch verlassen – wohl in Richtung Borussia Dortmund – würde dem Klub nicht nur ein Spitzenspieler abhandenkommen, sondern auch ein marketingwirksames Gesicht fehlen, das für den Klub steht und die Vermarktung trägt. Das ist zwar letztlich wirtschaftlich relevant, tangiert aber auch die emotionale Struktur der Mannschaft.

Die Kölner Hoffnung: Im erneuerten Kader können sich durchaus Führungspersönlichkeiten entwickeln, die derzeit noch unter dem Radar sind. Der Härtetest am Samstag (15.30 Uhr) gegen Real Sociedad San Sebastian vor großer Kulisse – 30.000 Karten wurden bereits verkauft – könnte diesbezüglich aussagekräftige Anhaltspunkte liefern und zumindest andeuten, welche Spieler sich ganz von allein als natürliche Führungskräfte etablieren könnten. Viel Zeit für diese Entwicklung gibt es allerdings nicht.