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Kühler Kopf, heißer FußFC-Wikinger Johannesson bringt das Eis spät zum Schmelzen

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Im Bild: Jubel nach dem Tor zum 1:2 beim Torschuetzen Isak Johannesson 1. FC Koeln, 8 24.08.2026, FC Wuerzburger Kickers - 1. FC Koeln, DFB-Pokal, 1. Runde, Deutschland, Wuerzburg, AKON-Arena, DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO. *** Pictured: Celebrations after the goal that made the score 12, with goal scorer Isak Johannesson of 1. FC Köln, August 24, 2026, FC Würzburger Kickers vs. 1. FC Köln, DFB Cup, First Round, Germany, Würzburg, AKON Arena, DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video Copyright: HMBxMedia/xJulienxBecker

Da brodelt der Vulkan im Wikinger: Isak Johannesson nach seinem 2:1-Siegtreffer für den 1. FC Köln in Würzburg

Isak Johannesson bewahrt die Kölner mit zwei Toren vor einer Pokalblamage. Doch der Zitter-Sieg in Würzburg verdeckt nicht die Probleme.

Isak Johannesson ist in Interviews kein Ausbund an Temperament. Als Isländer, der zwar in England geboren wurde, aber in der windumtosten Küstenstadt Akranes im Westen Islands aufwuchs, gehört der Mittelfeldspieler des 1. FC Köln quasi von Geburt an zur coolen Eismänner-Fraktion. Doch wenn der 23-Jährige ein Tor erzielt, ist alles anders. Johannesson jubelt dann derart emotional und befreit, dass ihm fast die Gesichtszüge entgleiten. Da brodelt der Vulkan im Wikinger. So war es auch am Montagabend beim 2:1-Zittersieg seines FC in der ersten Pokalrunde beim Drittliga-Aufsteiger Würzburger Kickers. Zur Freude und Erleichterung aller FC-Fans. 

Mit seinen beiden Toren (62./77.) in der zweiten Halbzeit machte sich Johannesson zum Matchwinner für die zuvor über weite Strecken schwachen, harmlosen und ideenlosen Kölner. Auch der Isländer selbst hatte eine Wandlung erlebt: Aus einem der schwächsten Kölner in der ersten Halbzeit war nach dem Wechsel die prägende und am Ende entscheidende Figur in der Mannschaft von Trainer René Wagner geworden. Damit entwickelt sich Johannesson beim FC zum Pokal-Spezialisten.

Das Spiel kostete den FC und seine Fans einmal mehr Nerven. Wie schon so oft in den vergangenen Jahren zitterte sich der FC in der ersten Runde des DFB-Pokals weiter. Bereits in der vergangenen Saison hatte der Isländer den FC mit seinem Tor in der tiefen Nachspielzeit beim SSV Jahn Regensburg in die nächste Pokalrunde geschossen. Nun war Johannesson in Würzburg erneut der entscheidende Mann. „Beim ersten Tor war bestimmt ein bisschen Glück dabei, aber das zweite macht er überragend“, sagte Wagner und lobte seinen Spieler.

Der Trainer hatte Johannesson für die zweite Halbzeit eine veränderte Aufgabe gegeben. Im ersten Durchgang hatte sich der 23-Jährige die Bälle häufig tief in der eigenen Hälfte abgeholt. Nach der Pause agierte er deutlich offensiver und fand dadurch besser ins Spiel. „Ich freue mich, dass er in der Zwischenrolle besser Fuß fasst. Er hat ein Volumen, das ist einzigartig“, sagte Wagner und bezog sich damit wohl auf die immense Laufleistung und den großen Aktionsradius seines Spielers. Der FC-Trainer sieht Johannesson als eine Art Verbindungsspieler zwischen Defensive und Offensive.

Johannesson selbst widmete seine beiden Tore seiner Verlobten Agnes. Nach dem Schlusspfiff strahlte der Isländer dann doch noch und hielt die Auszeichnung als bester Spieler der Partie in der Hand. Auf die Frage, ob die Trophäe einen Ehrenplatz im Wohnzimmer bekomme, antwortete Johannesson: „Ja, vielleicht ins Wohnzimmer. Vielleicht in Island.“

Dass es für ihn ausgerechnet im Pokal so gut läuft, konnte sich der Mittelfeldspieler selbst nicht erklären. In der Bundesliga hatte er in der vergangenen Saison lediglich ein Tor erzielt. „Ich weiß nicht, im Pokal läuft es bei mir irgendwie. Ich bin sehr glücklich, dass ich der Mannschaft mit den beiden Toren helfen konnte“, sagte Johannesson. Einfach sei die Partie nicht gewesen. Umso größer sei die Freude über das Weiterkommen nach einer über weite Strecken spielerisch sehr schwachen, einfallslosen Vorstellung. Der Plan, wie der FC zum Erfolg kommen wollte, war jedenfalls kaum zu erkennen gewesen.

1. FC Köln: Viel probiert, wenig gelungen – schweres Spiel für El Mala

Eine umgekehrte Wandlung erlebte Kölns Jungstar Said El Mala. Er hatte in der vergangenen Woche nach dem geplatzten Rekordwechsel nach Dortmund mit seiner Entscheidung, in Köln mindestens eine weitere Saison zu bleiben und seinen Vertrag erneut ohne Ausstiegsklausel bis 2031 zu verlängern, einen wahren Jubelsturm ausgelöst. Nun steht er beim FC natürlich noch mehr im Fokus.

In der ersten Halbzeit war El Mala der auffälligste Kölner. Zwar klappte bei ihm wahrlich nicht alles, doch er versuchte immerhin stets etwas. Nach der Pause zeigte er allerdings einen unglücklichen Auftritt mit vielen Ballverlusten. „Ich glaube, man hat gesehen, dass er sich selbst auch ein bisschen Druck gemacht hat in dem Spiel. Er wollte viele Aktionen ziehen, und dann ist es nie einfach“, erklärte Wagner nach dem Spiel. „Sie haben ihn teilweise gedoppelt, dann kommst du auch nicht einfach durch. Und dann gilt es für ihn, das jetzt auch zu lernen, dass er damit zurechtkommen muss, dass natürlich der Fokus noch ein Stück weit mehr auf ihn drauf ist.“

Kurz vor dem Ende mussten Johannesson und Co. aber noch einmal um den Sieg bangen. Würzburgs Liam Omore traf in der Nachspielzeit aus kurzer Distanz nur den Pfosten und verfehlte den Ausgleich um wenige Zentimeter. „Da war der Puls sehr hoch“, sagte Johannesson. Am Ende blieb es beim glücklichen 2:1.

Spieler mit Krämpfen im ersten Pflichtspiel der Saison

Aus Würzburg nahm der FC neben dem Weiterkommen aber offenbar auch ein Fitnessproblem mit. Mit Gideon Mensah und Luka Lochoshvili gaben zwei Neuzugänge ihr Startelfdebüt. Beide mussten vorzeitig ausgewechselt werden, offenbar wegen Krämpfen. Auch Said El Mala, bei dem wieder alte Oberschenkelprobleme auftraten, verließ entkräftet und vorzeitig den Platz.

In der 73. Minute blieb Mensah nach einer wichtigen Grätsche gegen Omore auf dem Rasen der Akon Arena liegen und musste behandelt werden. Acht Minuten später erwischte es Lochoshvili. Für beide war die Partie damit beendet. Der Tank war leer – und das im ersten Pflichtspiel der Saison.

WUERZBURG, GERMANY - AUGUST 24: Marvin Schwaebe Schwäbe, Schwabe, 1. FC Koeln, 1 helping Gideon Mensah 1. FC Koeln, 14 during the 1st round DFB Pokal match between Wuerzburger Kickers vs. 1. FC Koeln at AKON ARENA on August 24, 2026 in Wuerzburg, Germany. DFB REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO. Bavaria Germany Copyright: xSteffiexWunderlx

FC-Torwart Marvin Schwäbe hilft dem von Krämpfen geplagten Neuzugang Gideon Mensah.

Aus dem Kölner Lager folgten jedoch Erklärungen. „Gideon hatte eine sehr wichtige Aktion defensiv, hat sich da perfekt durchgesetzt“, lobte Sportchef Thomas Kessler zunächst. Mensah hatte mit seiner Rettungstat eine brenzlige Situation entschärft und das Zentrum geschlossen. Für den Linksverteidiger war es zugleich die stärkste Szene in einer ansonsten instabilen Leistung, die an seine durchwachsene Vorbereitung anknüpfte.

Kessler verwies zugleich auf Mensahs schwierige Vorbereitung. Der ablösefrei aus Auxerre verpflichtete Spieler habe eine lange Weltmeisterschaft absolviert, sei während seines Urlaubs krank gewesen und anschließend noch nicht vollständig genesen zum FC gekommen. „Er braucht mit Sicherheit noch den einen oder anderen Tag“, sagte Kessler. Eine längere Pause erwartet der FC nach der Auswechslung offenbar nicht. „Ich habe keine Informationen, dass etwas Schwerwiegenderes passiert ist. Ich glaube, dass ihm da ein Stück weit die Luft ausgegangen ist“, sagte Kessler. Die Spielpraxis unter Wettkampfbedingungen soll Mensah helfen, wieder widerstandsfähiger zu werden.

Trainer Wagner hatte jüngst angekündigt, der FC wolle eine der fittesten Mannschaften der Bundesliga werden. Der Auftritt in Würzburg zeigte jedoch, dass die Kölner auf dem Weg dorthin noch einige Schritte vor sich haben. Der coole Johannesson war am Ende trotzdem zur Stelle – und bewahrte den FC mit seinen Pokaltoren vor einer bösen Überraschung.