Abo

Lukas Podolski„Die Tür zum 1. FC Köln mache ich nicht zu“

4 min
Lukas Podolski bei seinem Kölner Abschiedsspiel im Oktober 2024 in Müngersdorf

Lukas Podolski bei seinem Kölner Abschiedsspiel im Oktober 2024 in Müngersdorf

Lukas Podolski über den schwersten Abschied seines Lebens, die Reaktionen auf seine Doku und die Wieder-Annäherung an den 1. FC Köln.

Im ersten Teil des Interviews mit dieser Zeitung sprach Kölns Weltmeister Lukas Podolski über die Mammut-WM, die Chancen der deutschen Nationalmannschaft, alte Weggefährten wie Cristiano Ronaldo und Lionel Messi – und warum er es für falsch hält, dass FC-Jungstar Said El Mala nicht in den DFB-Kader berufen wurde. In Teil zwei spricht der 41-Jährige über sein kürzlich verkündetes Karriereende, seine Pläne insbesondere als neuer Klubbesitzer von Gornik Zabrze und seinen langjährigen Verein 1. FC Köln.

Sie haben Ihre Karriere vor wenigen Wochen beendet. Wie fühlen sich die ersten Wochen danach an?

Aktuell bin ich noch in der Phase des Urlaubs – so wie die Spieler gerade auch. Und in dieser Phase ist es noch irgendwie normal, nicht zu trainieren, nicht auf dem Platz zu sein. Das kennt man ja auch aus den Sommerpausen der letzten Jahre. Ich glaube, es kommt dann eher wieder, wenn man das erste Mal nicht beim Trainingsbeginn da ist. Wenn die anderen auf den Platz gehen und du stehst daneben – oder gar nicht erst dort bist. Das wird, glaube ich, emotional und schwer für mich. Weil der Fußball mein ganzes Leben war. Seit ich denken kann. Und natürlich wird er immer fehlen. Das habe ich immer gesagt, und das wird sich auch nicht ändern. Der Fußball ist ein Teil von mir – den kannst du nicht einfach abschalten.

Die Entscheidung war richtig schwer. Du fragst dich: Kann ich noch? Will ich noch? Und gleichzeitig weißt du, dass du irgendwann einen Schlussstrich ziehen musst.
Lukas Podolski über sein kürzlich verkündetes Karriereende

Wie schwer war diese Entscheidung wirklich?

Richtig schwer. Man bekommt in der Doku ja so einen kleinen Einblick, was das mit einem macht. Vielleicht war es diesmal ein bisschen leichter als das Jahr zuvor – aber trotzdem extrem schwer. Du fragst dich: Kann ich noch? Will ich noch? Und gleichzeitig weißt du, dass du irgendwann einen Schlussstrich ziehen musst. Ich bin stolz und glücklich, dass ich weitergemacht habe. Mit dem Pokalsieg mit Gornik Zabrze, mit all den Emotionen, die dazugehört haben – das war noch mal etwas ganz Besonderes. Daher bin ich froh, dass meine Familie mich überzeugt hat, noch ein Jahr dranzuhängen. Aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, das Ding zu beenden. Und das fühlt sich – auch wenn es schwer ist – richtig an.

Ihre Doku „Poldi" läuft auf Netflix. Wie sind die ersten Reaktionen?

Durchgehend positiv – und das freut mich natürlich. Man macht so etwas ja auch, um den Leuten einen echten Einblick zu geben, wer man ist. Nicht das Bild, das die Medien von einem zeichnen, sondern den Menschen dahinter. Und das scheint anzukommen. Allerdings war ich im Nachhinein eher der Meinung, dass noch mehr drin sein könnte – nicht dass zu viel drin ist. Es gab so viele lustige Szenen, so viel Humor und Witz, der auf dem Schneidetisch geblieben ist. Aber wir hatten leider nur 90 Minuten. Das ist wenig für ein Leben wie meins. Vielleicht kann man da noch mal ein 2.0 drehen.

Heißt das, es könnte einen zweiten Teil geben?

Mal schauen, was Netflix für Ideen hat. Ausgeschlossen ist das nicht.

Lukas Podolski feierte Anfang Mai mit Traditionsklub Gornik Zabrze den Pokalsieg in Polen.

Lukas Podolski feierte Anfang Mai mit Traditionsklub Gornik Zabrze den Pokalsieg in Polen.

Wie beobachten Sie die aktuelle Entwicklung beim 1. FC Köln?

Man kann mit der letzten Saison und dem Ergebnis nicht zufrieden sein. Man hatte einen Kader, der eigentlich für mehr gemacht war – der mehr hergegeben hat. Das war für mich als Fan am Ende ein bisschen enttäuschend, weil man wieder gezeigt hat, dass man trotz guter Voraussetzungen da unten reinrutscht. Und jetzt das Thema mit dem Gleisbockheim-Ausbau und der Politik, die dabei einfach nur amateurhaft agiert. Das macht mich als jemand, dem der Verein am Herzen liegt, wütend. Weil du siehst, was möglich wäre – und es wird immer wieder verschenkt. Ich wünsche dem FC nur das Beste. Dass man das Potenzial, das in diesem Verein und dieser Stadt steckt, irgendwann mal so nutzt, dass es für mehr reicht, als immer gegen den Abstieg zu spielen.

Gibt es irgendeine Idee, sich beim FC zu engagieren – jetzt, wo Ihre aktive Karriere beendet ist?

Nein, aktuell ist der FC kein Thema. Es gab so viele Möglichkeiten, mich näher an den Verein zu binden. Aber durch die vielen Wechsel im Verein – im Management, im Umfeld – verschwimmt das immer irgendwo. Es kam nie wirklich etwas Konkretes, nichts Ernsthaftes. Ich hatte nie das Gefühl, dass es ein echtes Wollen vom 1. FC Köln ist. Daher bin ich die letzten Jahre einen anderen Weg eingeschlagen. Und Stand heute bin ich für diesen Weg glücklich. Ich habe mir selbst bewiesen, dass ich auch als Unternehmer, als Klubbesitzer, etwas bewegen kann. Dasselbe hätte ich auch beim FC machen können – mit genauso viel Herzblut, vielleicht sogar mehr. Aber die Leute und der Verein wollten es nicht wirklich. Das ist schade, aber es ist so. Die Tür zum FC mache ich jetzt allerdings nicht zu. Denn heute sind andere Leute am Geißbockheim am Werk und andere Voraussetzungen, der Kontakt ist jetzt absolut da.

Lust auf die von Stephan Engels organisierte Traditionsmannschaft des FC?

Mal schauen, wie sich das entwickelt. Grundsätzlich – ja, warum nicht? Wenn die Zeit passt und es irgendein geiles Hallenturnier gibt oder eine besondere Veranstaltung, dann kann man das immer mit mir durchsprechen. Ich war und bin immer noch Fußballverrückter. Dieses Feuer geht nie aus. Das wird sich nie ändern.