Nach Mitglieder-StammtischAufatmen bei den Verantwortlichen des 1. FC Köln

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Grund zum Lächeln: Sportchef Christian Keller (l.) und Präsident Werner Wolf können mit dem Verlauf des Mitglieder-Stammtischs zufrieden sein.

Trotz des Abstiegs verlief der Dialog zwischen der FC-Führung und den Mitgliedern weitgehend ruhig. Das war auch ein Verdienst des jüngsten Krisenmanagements.

Das letzte Wort hatte der Präsident. Als Werner Wolf den Mitglieder-Stammtisch des 1. FC Köln nach viereinhalbstündiger Debatte zu einem Abschluss brachte, war ihm die Erleichterung deutlich anzumerken. „Natürlich hatten wir vorher auch Schlotterknie“, räumte das Club-Oberhaupt ein mulmiges Gefühl ein. Doch letztendlich erwiesen sich die Bedenken in der Führungsetage des Fußball-Zweitligisten als weitgehend unbegründet. Die mit Spannung erwartete erste Zusammenkunft nach dem Abstieg verlief weitaus ruhiger als erwartet. „Es ist gut gelaufen, dafür ein großes Dankeschön“, lobte Wolf die Disziplin eines Großteils der 1200 Mitglieder, die am Mittwochabend ins Coloneum gekommen waren.

Angemeldet hatten sich fast 2000 Mitglieder. Das Fernbleiben mehrerer Hundert Fans dürfte maßgeblich damit zusammenhängen, dass das jüngste Krisenmanagement der Geißböcke von Erfolg gekrönt war. Die Präsentation von Gerhard Struber als neuem FC-Trainer, am Tag des Mitglieder-Stammtischs sicherlich kein Zufall, sowie die Abwendung eines Kader-Ausverkaufs haben offenbar zur Besänftigung der Anhängerschaft beigetragen. Entschärfend wirkte wohl auch, dass Vorstand und Geschäftsführung im Vorfeld medial in die Offensive gegangen waren und unter anderem in einem dreiteiligen Podcast Stellung zur Krise bezogen hatten. Eine verbesserte Kommunikation, die es unter dem Nachfolger des nach zweieinhalb Jahren abgelösten Mediendirektors Michael Rudolph fortzusetzen gilt.

Ich habe den verantwortlichen Aufsichtsgremien schon vor Wochen gesagt: Wenn es dem FC hilft, müsst Ihr mich nicht rausschmeißen, dann gehe ich einfach.
Christian Keller, Sportchef 1. FC Köln

Die FC-Führung räumte auf dem Mitglieder-Stammtisch erneut zahlreiche Fehler ein. „Man kann uns vorwerfen, dass wir das zu schnell gemacht haben“, sagte Präsident Werner Wolf über den strikten Sparkurs, der den FC zwar in Windeseile sanierte, aber die sportliche Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigte. „Es ist uns nicht annähernd gelungen, die Abgänge von Ellyes Skhiri und Jonas Hector zu ersetzen“, gab Sportchef Christian Keller eine unzureichende Zusammenstellung des Kaders zu, dem es insbesondere an einer funktionierenden Führungsstruktur mangelte. In der Rückschau auf das Zustandekommen der Transfersperre räumte Vizepräsident und Jurist Carsten Wettich ein: „Wir hätten uns stärker um einen Vergleich mit Olimpija Ljubljana bemühen müssen.“ Vize Eckhard Sauren bemängelte zudem die Außendarstellung des Vorstands, der jüngst den Medienberater Mike Kleiß hinzugezogen hat.

Sportchef Christian Keller, der von Amts wegen im Zentrum der Kritik steht, legte einen selbstreflektierten Auftritt hin. Dieser trug mit dazu bei, dass sich die Zwischenrufe im Rahmen hielten. Keller vermittelte den Eindruck, aus seinen Fehlern gelernt und einen Plan an der Hand zu haben, wie er den FC so bald wie möglich zurück in die Bundesliga führen will. Opposition im Saal vertreten„Wir sind uns einig: Es muss wieder aufwärts gehen“, bekräftigte der Sportchef, der einen in dieser Branche bemerkenswerten Vorgang veröffentlichte. Demnach habe er den zuständigen Gremien „schon vor Wochen“ seinen Rücktritt angeboten. Unter Verzicht auf eine Abfindung wohlgemerkt. „Wenn es dem FC hilft, müsst Ihr mich nicht rausschmeißen, dann gehe ich einfach“, schilderte Keller, der von Werner Wolf prompt unterbrochen wurde: „Das verantwortliche Aufsichtsratsgremium hat das abgelehnt.“

Das ist eine der großen Stärken dieses Vereins: In der Not wird zusammengehalten.
Werner Wolf, FC-Präsident

Am Ende des Mitglieder-Stammtischs, bei dem die anwesende Opposition um Ex-FC-Profi Dieter Prestin auf eigene Wortmeldungen verzichtet hatte, zog der Präsident ein zufriedenes Resümee. „Wir haben das jetzt zum zweiten Mal in einer äußerst kritischen Situation sehr vernünftig zusammen hinbekommen“, freute sich Werner Wolf, dessen Team sich erst im Januar in großem Rahmen den Fragen der Fans gestellt hatte. Was in dieser Form sicherlich keine Selbstverständlichkeit darstellt – trotz aller berechtigten Kritik an den handelnden Personen.

Doch Wolf hat den Dialog mit der Basis zu schätzen gelernt, gerade in Zeiten der Krise: „Das ist eine der großen Stärken dieses Vereins: In der Not wird zusammengehalten. Hier darf alles gesagt und hier darf jede Kritik geäußert werden. Die Art und Weise, wie das passiert ist, war für uns angenehm und vernünftig. Es war klar, dass Kritik geäußert werden musste nach allem, was passiert ist.“ Und dann formulierte das Club-Oberhaupt noch diesen Wunsch: „Ich hoffe, dass es uns gelungen ist, ein bisschen Vertrauen zurückzugewinnen. Und, dass es uns bald gelingt, euch wieder stolzer zu machen.“

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