Nach Niederlage in München1. FC Köln hat den Klassenerhalt nicht mehr in eigener Hand

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Frustrierter Abgang aus München: Die Kölner (v.l.) Marvin Schwäbe, Sargis Adamyan und Jacob Christensen.

Der 1. FC Köln verfügte über genügend Chancen, um in München eine Überraschung zu landen. Stattdessen hilft nur noch eine Siegesserie, um dem drohenden Abstieg noch zu entgehen.

Timo Schultz war kurz angebunden, als er im Kinosaal ähnlichen Pressekonferenzraum der Allianz-Arena Platz nahm. Das war ungewöhnlich für den 46-Jährigen, der sich als Trainer des 1. FC Köln eigentlich den Ruf erarbeitet hat, in ausführlicher Form Rede und Antwort zu stehen. Schultz' Schmallippigkeit am frühen Samstagabend war als Hinweis darauf zu werten, wie sehr ihn das Zustandekommen der 0:2 (0:0)-Niederlage beim FC Bayern frustrierte. Der 20. sieglose Kölner Auftritt in Folge gegen den Rekordmeister ging in der Summe zwar in Ordnung, und doch wäre für den akut abstiegsbedrohten Fußball-Bundesligisten in der bayerischen Landeshauptstadt mehr möglich gewesen, als nur das Ergebnis lange knapp zu gestalten. „Wenn man in einem solchen Spiel etwas mitnehmen möchte, muss man auch eine seiner Chancen nutzen. Das haben wir nicht geschafft. Daher fahren wir ohne Punkte nach Köln“, ärgerte sich Schultz über die vertane Chance auf eine Überraschung beim großzügig verteidigenden Tabellenzweiten.

Die Erfolgserlebnisse der Konkurrenz drückten zusätzlich auf die Stimmung. Weil mit dem VfL Bochum (1:1 gegen den 1. FC Heidenheim) und dem FSV Mainz 05 (4:1 gegen die TSG Hoffenheim) die beiden ärgsten Rivalen punkteten, vergrößerte sich der Kölner Rückstand auf das rettende Ufer sowie den Relegationsplatz auf fünf respektive vier Punkte. Was zur Folge hat, dass der FC die Relegation nicht mehr aus eigener Kraft erreichen kann – eine schwere psychologische Last. Weitere Punktverluste sind kaum mehr erlaubt, soll der drohende siebte Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte noch abgewendet werden. Ein Sieg am kommenden Samstag (15.30 Uhr) gegen das Schlusslicht Darmstadt 98 kann dabei nur der Anfang einer Serie sein, um nicht schon vor dem Abstiegsthriller am 28. April bei den wiedererstarkten Mainzern den Anschluss endgültig zu verlieren. „Die Situation wird sich nächste Woche schon wieder ändern“, reagierte Timo Schultz genervt auf die Frage, wie er die Lage fünf Spieltage vor Ultimo einordne.

Standardsituationen sind eigentlich die einzigen Situationen im Fußball, die du konkret planen kannst. Daher ärgert es mich ungemein, dass wir in diesem Punkt einfach nicht die erforderliche Konsequenz an den Tag legen und in den Abläufen nicht scharf genug sind, um den Ball zu verteidigen.
Timo Schultz, Trainer 1. FC Köln

Was den Kölner Trainer innerlich zum Brodeln brachte, war das Abwehrverhalten seiner Mannschaft beim ersten Gegentor. Nach einem kurz ausgeführten Eckstoß von Joshua Kimmich durfte Raphael Guerreiro aus rund 20 Metern unbedrängt Maß nahmen. Der Portugiese bedankte sich mit einem unhaltbaren Schlenzer ins lange Eck. Zum wiederholten Male waren den Kölnern im Jahr 2024 nach einer Ecke Zuordnungsprobleme im Rückraum um die Ohren geflogen. „Standardsituationen sind eigentlich die einzigen Situationen im Fußball, die du konkret planen kannst. Daher ärgert es mich ungemein, dass wir in diesem Punkt einfach nicht die erforderliche Konsequenz an den Tag legen und in den Abläufen nicht scharf genug sind, um den Ball zu verteidigen. Natürlich hat er den Ball auch gut getroffen, wir müssen aber schneller da sein“, schimpfte Timo Schulz über die aus Kölner Sicht einmal mehr zu einfache Entstehung des 0:1 (65.).

Kurz vor Schluss durften sich die Kölner abermals ärgern, als der eingewechselte Luca Waldschmidt einen kapitalen Fehlpass von Dayot Upamecano nicht zum Lucky Punch nutzen konnte – und im Gegenzug auch noch das 2:0 durch Thomas Müller verschuldete (90.+3). Lucky Punch verpasst „Das war die entscheidende Situation des Spiels“, haderte FC-Lizenzspielerleiter Thomas Kessler, der nach einem Duell „auf Augenhöhe“ (Timo Schultz) „große Enttäuschung“ bei den FC-Profis feststellte: „Wir sind alle Fußballer genug, um zu wissen, dass hier auch mehr drin gewesen wäre. Wir sind enttäuscht darüber, dass wir die eine oder andere Situation nicht genutzt haben. Und, dass wir den einen Meter zu wenig angelaufen sind.“

Normalerweise wird man nicht mit fünf, sechs Chancen eingeladen. Da muss der eine oder andere Ball einfach rein.
Marvin Schwäbe, Torwart 1. FC Köln

Die Kölner um Startelf-Debütant Jacob Christensen (Schultz: „Ein guter Startschuss, wenn auch ein sehr später“) waren im ersten Durchgang zunächst sogar die gefährlichere Mannschaft. Faride Alidou verzog vom Fünfmetereck (9.), dann scheiterte Sargis Adamyan mit einem Flugkopfball ebenfalls glockenfrei an Sven Ulreich (20.). Kurz vor der Pause vergab Alidou per Kopf einen weiteren Hochkaräter (43.). „Normalerweise wird man nicht mit fünf, sechs Chancen eingeladen. Da muss der eine oder andere Ball einfach rein“, stöhnte Torwart Marvin Schwäbe über die gravierende Abschlussschwäche des FC. Kölns bestem Mann war es zu verdanken, dass der Tabellenvorletzte dennoch auf einen Bonuspunkt im Abstiegskampf hoffen durfte. Guerreiro (30.), Harry Kane (34./Innenpfosten, 41.) und Mathys Tel (43./Pfosten, 53.) scheiterten am überragenden Schwäbe oder am Aluminium. Doch dann kam Guerreiros Sonntagsschuss, der den zäh aufspielenden Bayern als Dosenöffner diente. Und auf den der FC keine Antwort fand.

Trotz der Niederlage hob Thomas Kessler die „sehr engagierte Leistung des gesamten Defensivverbundes“ hervor: „Die Jungs haben sich in alles reingeknallt.“ Im Umschaltspiel fehlten mit zunehmender Dauer jedoch die Mittel, um gegen verwundbare Bayern, die zwischen den Viertelfinalspielen in der Champions League gegen Arsenal London nicht richtig bei der Sache waren, weitere Nadelstiche zu setzen. „Wir wissen, dass wir in den nächsten Wochen Siege holen müssen. Wir wissen auch, dass wir Tore schießen müssen“, resümierte Timo Schultz nach dem zwölften Saisonspiel ohne eigenen Treffer. Zeit, der verpassten Überraschung hinterher zu trauern, gibt es ohnehin keine mehr. „Wir haben jetzt noch fünf Spieltage Zeit, das Ding zu drehen“, hat Thomas Kessler die Hoffnung auf den Klassenerhalt noch nicht aufgegeben. „Wir müssen uns schütteln, uns sehr fokussiert vorbereiten und dann dieses sehr wichtige Spiel gegen Darmstadt gewinnen. Darüber gibt es keine zwei Meinungen.“

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