Abo

Nächster Teenager soll kommenDie Jagd des 1. FC Köln auf Europas Talente

4 min
Gil Neves  SL Benfica U-23  in action during the match between SL Benfica U-23 and UD Leiria U-23, valid for Liga Revelacao Sub-23 2025 26 at Benfica Campus on 13 November 2025. Lisbon Benfica Campus Seixal Portugal Copyright: xIMAGOx/xPRIMExSPORTSxIMAGESx/xFILIPExOLIVEIRAx

Gil Neves (am Ball) von Benfica Lissabon steht vor einem Wechsel zum 1. FC Köln.

Mit Gil Neves von Benfica könnte ein weiterer hochveranlagter 18-Jähriger zum FC wechseln. Sechser-Suche indes noch nicht beendet.

Der 1. FC Köln macht weiter Jagd auf Europas Talente: Der Bundesligist steht unmittelbar vor der Verpflichtung des portugiesischen Mittelfeldspielers Gil Neves. Der 18-Jährige wird laut Sky am Donnerstag zum Medizincheck in Köln erwartet. Der anvisierte Transfer unterstreicht die neue strategische Ausrichtung des Klubs bei der Talentsuche.

Neves kommt aus der U23 von Benfica Lissabon und besitzt einen Vertrag bis 2027. Der FC zahlt offenbar eine Ablösesumme im sechsstelligen Bereich – eine moderate Investition für ein großes Talent. Benfica sicherte sich eine hohe Weiterverkaufsbeteiligung. Neves soll am Geißbockheim einen Vertrag bis 2029 erhalten. Der 1,89 Meter große Rechtsfuß gilt als großes Perspektiv-Talent und wurde 2025 U17-Europameister. Ein Vorteil: Neves wuchs in Luxemburg auf und spricht Deutsch. Betreut wird er vom renommierten Kölner Berater Volker Struth. Neves ist offenbar zunächst für die U21 eingeplant und soll sich in der Regionalliga West sowie im Training der Profis für höhere Aufgaben empfehlen.

Der Weg des Offensivspielers ist ungewöhnlich. Neves spielte zunächst beim FC Syra in Luxemburg und bei F91 Düdelingen, wo ihn 2024 Benficas Scouts aufhorchen ließen. Bei den Portugiesen durchlief er U17 und kam in der U23 sowie Youth League zum Einsatz. In der Youth League absolvierte er mit Benficas U19 neun Spiele (ein Tor), bevor die Mannschaft im Viertelfinale gegen Inter Mailand ausschied.

1. FC Köln: Klub vor Transfer des dritten 18-Jährigen

Der Transfer von Neves ist Teil eines strategischen Umdenkens beim 1. FC Köln. Der Verein setzt zwar weiterhin auf Eigengewächse und den Akademie-Ausbau, erweitert aber systematisch seinen Blick auf vielversprechende internationale Talente. Das Ziel: Große Spieler früh entdecken, zu moderaten Ablösesummen verpflichten und langfristig entwickeln. Diesen Kurs demonstriert der Klub ganz deutlich in diesem Transfersommer. Vor Neves verpflichtete der FC mit Reigan Heskey (18) bereits einen Nachwuchsspieler internationalen Formats – den Linksaußen von Manchester City. Der FC wird zudem wohl in Kürze die Verpflichtung des Tottenham-Talents Mikey Moore (18) perfekt machen. Auch der Spielmacher, zuletzt an die Glasgow Rangers ausgeliehen, ist für die Profis eingeplant. Zudem verpflichtete der FC bereits Jahmai Simpson-Pusey (20) fest von Manchester City, holte von Paris St. Germain Nachwuchstorwart Martin James (18) und mit WM-Teilnehmer Paul Okon-Engstler (21) aus Australien ebenfalls einen jungen Spieler.

Diese Ausrichtung signalisiert bewussten Fokus auf mittelfristige Entwicklung und perspektivische Investitionen. Der FC will sich als attraktiver Entwicklungsklub für europäische Talente positionieren. Statt teure, etablierte Spieler zu verpflichten, setzt der Verein auf Identifikation und Förderung hochbegabter Nachwuchskräfte, die als zukünftige Leistungsträger fungieren und bei Wechseln signifikante Transfereinnahmen generieren können. Einnahmen, die der Klub im Gegensatz zu vielen Liga-Konkurrenten in jüngerer Vergangenheit fast überhaupt nicht erzielte. Sollten Heskey und Co. den erhofften Weg gehen, könnte dies ein neues Geschäftsmodell für den FC darstellen: Talente entwickeln und perspektivisch mit Gewinn weitergeben.

Das ist der Plan – ob er aufgeht, wird sich aber erst zeigen. Denn die Kölner Verantwortlichen wissen, dass sie nach zwölf Abgängen und dem Einbau vieler Talente nun auch noch erfahrenere Kräfte für die kommende Saison verpflichten müssen. Eine Gratwanderung. Größte Priorität hat die Verpflichtung eines Spielers für die wichtige Sechser-Position. Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler sagte zuletzt: „Wir suchen jemanden, der der Mannschaft eine gewisse Stabilität bringt. Das ist keine Überraschung, bei den Abgängen, die wir hatten. In der letzten Saison hat Eric Martel die Position bekleidet.“ Der Abräumer ist ablösefrei nach Mainz gewechselt. „Am Ende ist nicht alles, was wir tun, ein Wunschkonzert. Wir wissen auch über unsere finanziellen Möglichkeiten“, fügte Kessler an.

Mit den anvisierten Verpflichtungen von Neves, Moore und den bereits getätigten Transfers von Heskey, Okon-Engstler und Simpson-Pusey stellt sich der FC zudem deutlich internationaler auf. Den englischen Markt hat vor allem Kaderplaner Tim Steidten (47) im Visier, ehemaliger Technischer Direktor bei West Ham United. Einen klassischen Zielmarkt für den FC gebe es aber nicht mehr, so Steidten: „Das können wir uns auch nicht erlauben, wir müssen weltweit denken und können keine Märkte ausschließen.“

Sprachbarrieren gibt es beim FC kaum: Auch Cheftrainer René Wagner spricht perfekt Englisch, hat seinen Trainerschein in England erworben und in den USA gearbeitet.