Der FC findet offenbar seinen benötigten defensiven Mittelfeldspieler mit Führungsstärke und Erfahrung. Rani Khedira gilt als preiswerte Lösung.
Rani Khedira nach KölnEin altes FC-Gerücht, das jetzt heiß wird

Bald Teamkollegen? Rani Khedira und Kölns Torwart Marvin Schwäbe am 2. Mai beim Duell zwischen Union und dem FC
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Der 1. FC Köln vollzieht in diesem Sommer den zweiten Teil eines groß angelegten Umbruchs. Einer der wichtigsten Bausteine, vielleicht sogar der wichtigste Baustein, fehlte lange – doch nun scheint der Königstransfer greifbar. Nach wochenlanger Suche mit zahlreichen Rückschlägen und gescheiterten Verhandlungen hat der FC offenbar seinen Mann für die neuralgische Sechser-Position gefunden: Rani Khedira von Union Berlin. Es ist eine kostengünstigere Lösung als die zuvor gehandelten Kandidaten. Das Interesse ist nicht neu, jetzt gab es aber offenbar auch die Kontaktaufnahme.
Die Vakanz im defensiven Mittelfeld der Kölner war lange bekannt. Mitte Mai war Eric Martel zu Mainz 05 gewechselt – ein Weggang, auf den man sich zuvor schon monatelang einstellen konnte. Und die FC-Verantwortlichen waren nicht untätig. Doch mehrere hochkarätige Kandidaten sprangen ab, andere erwiesen sich als unerreichbar – sei es wegen der Ablöseforderungen oder fehlender Einigung mit dem Spieler selbst.
Die Position des Sechsers genießt am Geißbockheim oberste Priorität – aus gutem Grund. Das Profil ist klar umrissen: Gesucht wurde ein routinierter Abräumer mit Erfahrung und Führungsqualitäten. Der auch die vielen jungen Spieler im Kader führen kann, zuletzt gab der FC die Verpflichtung gleich mehrerer hochveranlagter Teenager bekannt. In der vergangenen Saison hatte die Sechser-Position und der damit verbundene Spielaufbau von hinten raus immer wieder zu Problemen geführt. Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler wusste genau, wo der Schuh drückt. „Wir sind ein sehr attraktiver Standort – gerade für junge Spieler oder für Spieler, die vielleicht noch mal eine kleine Kurve in der Karriere machen müssen“, sagte Kessler noch am Samstag vor dem Härtetest gegen San Sebastian (2:1).
1. FC Köln: Sechser-Suche entwickelt sich zur Geduldsprobe
Doch die Suche entwickelte sich zur Geduldsprobe. Eine Rückkehr von Ellyes Skhiri von Eintracht Frankfurt war lange Zeit intensiv Thema. Doch diese Option zerschlug sich, Skhiri zieht es jetzt offenbar zum FC Sevilla. Auch Mexiko-Kapitän und WM-Teilnehmer Edson Álvarez (28, West Ham United) wurde sondiert, erwies sich aber als zu teuer.
Nun arbeitet der FC laut „Sky“ konkret an einer Verpflichtung von Rani Khedira, der zwar noch bis 2027 bei Union Berlin unter Vertrag steht, aber die Köpenicker verlassen darf. Gespräche zwischen dem 32 Jahre alten Mittelfeldspieler und der Kölner Führung sollen begonnen haben. Diese Zeitung kann die Information bestätigen, allerdings stehen die beiden Vereine noch nicht in Kontakt – was aber schnell passieren könnte. Der Mittelfeldspieler passt ins Kölner Profil – routiniert, zweikampfstark, mit der nötigen Ruhe im Spiel und viel Erfahrung. Khedira galt allerdings lange Zeit nur als eine Option unter vielen. Vinícius Souza, weitere Namen aus aller Welt – alle wurden öffentlich, manchmal aber auch substanzlos gehandelt, während andere vom FC tatsächlich beleuchtet, analysiert, diskutiert und wieder beiseite gelegt worden waren.
Kessler versuchte, Zuversicht auszustrahlen: „Es sind nicht nur junge Spieler, die wir geholt haben. Mit Luca Lochoshvili und Gideon Mensah haben wir auch Erfahrung dazugeholt. Es ist ein guter Mix und wir wollen noch ein bisschen was hinzuführen.“ Doch die fehlende Sechs war und blieb eine Sorge. „Nur mit jungen talentierten Spielern geht es nicht“, befand der Sportboss. „Du brauchst eine vernünftige Struktur.“
Doch die Zeit verging. Eigentlich war geplant, dass der neue Ankerspieler im Mittelfeld spätestens bis zum Trainingslager in Österreich dabei sein würde. Doch die Realität sah anders aus: Das Trainingslager war längst vorbei, die Generalprobe gegen San Sebastian (2:1) absolviert – und immer noch stand kein neuer Sechser bereit. Coach René Wagner behielt zwar Ruhe und Geduld, ließ sich bewusst Zeit: „Wenn die richtige Personalie nicht dabei ist, können wir es nicht machen. Wenn wir oder der Spieler sich nicht sicher sind, machen wir nichts.“ Die Suche war aber zäher als gedacht. Wagner stärkte seinen Schützlingen gleichzeitig demonstrativ den Rücken: „Tom Krauß gibt Gas, Isak Johannesson ist da und mit Paul Okon-Engstler haben wir einen dazubekommen, der drückt. Patrik Kristal aus der U21 hat sich ebenfalls in den Fokus gespielt.“
Doch den neuen Führungsspieler hätte der Kölner Trainer natürlich trotzdem lieber heute als morgen. Nun gibt es endlich Bewegung. In der vergangenen Saison war Khedira Stellvertreter von Union-Kapitän Christopher Trimmel (39). Seine Bundesliga-Erfahrung ist beachtlich: 287 Spiele für die Eisernen (14 Tore, acht Torvorlagen), wo er seit Sommer 2021 unter Vertrag steht und sich als konstanter Profi bewährt hat. Davor spielte er für Augsburg, RB Leipzig und seinen Heimatklub VfB Stuttgart. Beraten wird Khedira von seinem Bruder Denny, der auch die Geschicke von Sami Khedira (39) managt. Der Weltmeister von 2014 ist seit der Saison 2026/27 Co-Trainer im Stab von Starcoach José Mourinho bei Real Madrid.
Bereits im Frühjahr hatte Rani Khedira öffentlich über seine sportliche Zukunft nachgedacht und einen Wechsel nicht ausgeschlossen. Im Frühjahr stand ein Transfer zu Borussia Mönchengladbach zur Disposition, dieser zerschlug sich aber. Nun scheint sich die Tür in Richtung Köln zu öffnen. Der FC hatte sich ohnehin zuletzt zuversichtlich gezeigt, in den kommenden Tagen einen neuen Sechser präsentieren zu können. Jetzt scheint die lange Suche endlich ein Ende gefunden zu haben.
