Vor einem halben Jahr hat Kölns Fußball-Ikone Lukas Podolski seine Karriere beendet. Was er jetzt macht, plant und sich erträumt.
Sein Leben nach aktiven KarriereLukas Podolski: „Der Fußball wird mir immer fehlen“

Im vergangenen Mai gewann Lukas Podolski mit Gornik Zabre den polnischen Pokal. Danach beendete er seine lange Karriere und führt nun den Traditionsklub an.
Copyright: Leszek Szymanski/PAP/dpa
In Teil zwei des Interviews spricht Lukas Podolski (41) über sein Leben nach dem Ende seiner Karriere: über den Pokalsieg mit Górnik Zabrze, seine neue Rolle als Klubbesitzer und seine Unternehmen. Dabei gibt die Kölner Fußball-Legende offen zu, dass ihm das Karriereende wahrlich nicht einfach gefallen ist: „Der Fußball wird mir immer fehlen. Dafür liebe ich ihn zu sehr.“
Langweilig wird es dem 41-Jährigen trotzdem nicht. „Wer schläft, verliert. Man muss aktiv sein.“ Über sich selbst sagt er: „Ich bin ein Freund des ehrlichen Fußballs und einer von den Fans.“
Herr Podolski, fast ein halbes Jahr ist seit Ihrem letzten Spiel vergangen. Fehlt Ihnen der Fußball?
Der Fußball wird mir immer fehlen. Dafür liebe ich ihn zu sehr. Es wäre Blödsinn zu sagen, ich wäre damit fein. Ich würde am liebsten immer weiterspielen. Auch in zehn Jahren wird mir der Fußball fehlen, wenn ich auf der Tribüne sitze. Andere schließen damit ab und sagen: „Ich habe jetzt einen anderen Job, gehe Rad fahren oder mache etwas anderes.“ Ich habe den Fußball zu sehr geliebt und liebe ihn immer noch. Natürlich vermisse ich den Platz, die Stadien, die Mannschaft, die Kabine und die Reisen. Dafür habe ich jetzt mehr Zeit für meine Kinder und meine Familie.
Muss man nach so vielen Jahren Profifußball eigentlich abtrainieren?
Ich trainiere nicht mehr intensiv und gehe nicht jeden Tag laufen oder ins Fitnessstudio. Ab und zu spiele ich mit Freunden. Ich bin froh, meinem Körper eine Pause zu gönnen. Wenn du das mehr als 20 Jahre machst, sehen die Leute nur die 90 Minuten und sagen: „Millionäre, ein bisschen laufen – das geht doch.“ Dabei ist es körperlich und vor allem im Kopf anstrengend: in jedem Training Vollgas, jedes Wochenende die mentale Vorbereitung auf ein Spiel. Irgendwann brauchst du eine Pause.
War der Pokalsieg mit Górnik der richtige Abschluss Ihrer Karriere?
Es war einer der schönsten Momente meiner Karriere. Ich wusste schon vorher, dass es in Richtung Karriereende geht. In Polen findet das Pokalfinale im Mai, noch während der Saison, statt. Bei meinem letzten großen Einsatz vor fast 60.000 Menschen den Pokal zu gewinnen, war ein Traum. Mit der ganzen Familie im Stadion, mittendrin, und der Verein hatte seit 54 Jahren keinen Pokal mehr gewonnen. Dann holen wir ihn.
Sie sprachen es an: Sie sind inzwischen Klubbesitzer. Wie fühlt sich die neue Rolle an?
Sehr gut. Die Aufgabe macht mir riesigen Spaß. Ich verstehe mich aber nicht als klassischen Klubbesitzer oder Investor. Schon vorher war ich stark in den Verein eingebunden – bei Transfers, Scouting und Einnahmen. Allein in diesem Sommer haben wir fast zehn Millionen Euro auf dem Transfermarkt eingenommen. Für den polnischen Fußball ist das sehr viel. Von Kursen oder Lehrgängen halte ich wenig. Im Verein lerne ich ständig Neues über Marketing, Scouting und Finanzen. Ich kann mitgestalten, und die Wege sind kürzer. Die Leute bei uns sind cool. Ich lerne viel von ihnen, sie lernen auch von mir. Ich habe mich darauf vorbereitet. Ich wusste, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem ich aufhöre. Deshalb habe ich schon vorher hinter die Kulissen geschaut: Was passiert dort, wie funktioniert das, welche Systeme gibt es?
Was ich beim FC immer wollte, kann ich hier verwirklichen: gemeinsam etwas entwickeln.
Welche Ziele verfolgen Sie mit Górnik?
Was ich beim FC immer wollte, kann ich hier verwirklichen: gemeinsam etwas entwickeln. Darauf bin ich stolz: Ich habe wesentlich dazu beigetragen, hier in Zabrze etwas aufzubauen. Mit schlechter Arbeit holt man keinen Titel, wird nicht Zweiter und zieht nicht in die Champions-League-Qualifikation ein. Bevor ich nach Zabrze kam, war die Stadt am Klub beteiligt. Es war für mich ganz komisch, dass die Bürgermeisterin quasi über alles entschieden hat. Das ging jahrelang so.
Irgendwann habe ich gesagt: „So kann es nicht weitergehen, dass die Stadt den Verein betreut und komische Dinge macht.“ Dann habe ich zusammen mit unseren Fans angefangen, etwas anzuschieben. Irgendwann hat es geklappt. Jetzt schauen wir, wo es in den nächsten Jahren hingeht. Ich bin ein Freund des ehrlichen Fußballs und einer von den Fans. Ich will der Region und den Leuten helfen. Ich glaube, das habe ich schon getan – mit dem Pokalsieg und den sechs internationalen Spielen. Es war nur die Qualifikation, aber immerhin.
Wie sieht ein typischer Alltag ohne aktiven Fußball aus?
Morgens habe ich kein Training mehr, und die Wochenenden kann ich freier planen. Wenn ich zurückblicke, kneife ich mir manchmal selbst in den Arm: Was hast du alles gemacht – neben Fußball und Spielen? Jetzt habe ich mehr Zeit für Telefonate, kann Themen intensiver angehen, mehr reisen und Leute treffen, mit denen ich vorher nur telefoniert habe. Am Wochenende kann ich Spiele anschauen. Das genieße ich, das genießt meine Familie.
Wer schläft, verliert. Man muss aktiv sein. Ausruhen kann man sich, wenn man im Grab liegt.
Stehen Sie noch immer früh auf?
Wer schläft, verliert. Man muss aktiv sein. Ausruhen kann man sich, wenn man im Grab liegt. Ich habe viel zu tun und bin seit einigen Jahren Unternehmer. Bei Mangal gibt es mittlerweile ungefähr 80 Filialen; außerdem planen wir zunehmend im Ausland – auch in Polen natürlich. Wir bauen Ice Cream United aus, es kommen bald weitere Standorte dazu. Das Glücksgefühle-Festival läuft sehr gut. Ich habe alle Hände voll zu tun und großen Spaß an meinen Projekten.
Was bedeutet es für das Festival, Helene Fischer 2027 dabei zu haben? Haben Sie sie sogar selbst angerufen?
Es war sicherlich kein Nachteil, dass sie mich kennt (lacht). Sie ist ein Superstar in Deutschland. Sie hat noch nie bei einem Festival gespielt und tritt jetzt bei meinem Festival auf. Das ist super. Sie hat immer eine geile Show. Es geht darum, die Leute zu begeistern und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Das wollen wir mit dem Festival und Helene schaffen.
Bleibt Kattowitz zunächst Ihr Lebensmittelpunkt?
Einen festen Lebensmittelpunkt gibt es für mich nicht. Ich bleibe in Polen, in Köln, aber eigentlich bin ich überall.
Wie geht es Ihren Eltern, und haben Sie jetzt mehr Zeit für sie?
Ja, alles top. Wenn man nicht mehr jeden Morgen um acht oder neun beim Training sein muss und nicht von Freitag bis Sonntag auswärts im Hotel sitzt, hat man mehr Zeit für Eltern, Familie und Freunde – und für die eigenen Unternehmen. Diese Zeit kann man nutzen, um Dinge zu genießen und den Tag auszukosten.
Gibt es noch einen Traum, der sich unbedingt erfüllen soll oder den Sie sich erfüllen möchten?
Dass der 1. FC Köln irgendwann einen Pokal gewinnt. Wenn du Fan bist und dein Verein irgendwann mit einem Pokal auf dem Rathaus steht und du – in welcher Form auch immer – mittendrin bist, ist das etwas, das du erleben möchtest. Natürlich gibt es auch viele andere Dinge – Reisen, Städte.
Ich würde gerne weltweit Derbys sehen – bei Boca Juniors in diesem fantastischen, einzigartigen Stadion und bei anderen Vereinen auf verschiedenen Kontinenten. Ich möchte direkt mitten unter den Fans erleben, was ein Derby ausmacht: die Stimmung, die Stadien und so weiter. Ich war immer in der Kurve, war immer auch Ultra, und das wird sich nicht ändern.
Können Sie das überhaupt? Sie werden doch auf der ganzen Welt erkannt.
Egal. Da musst du einfach mit rein und mit den Leuten Spaß haben.