Der gelernte Sechser hatte eine äußerst lukrative Anfrage vorliegen. Er blieb in Köln – und ist nun auf dem Weg zum Führungsspieler.
Nein zu Saudi-Millionen, Ja zum FCTom Krauß auf dem Weg zum Kölner Führungsspieler

Tom Krauß (M.) feiert mit seinen FC-Teamkollegen um Borna Sosa (l.) und Isak Johannesson den 5:0-Sieg im Pokal gegen Union Berlin.
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Es war ein Abend ganz nach dem Geschmack von Tom Krauß. Beim 5:0 gegen Union Berlin war er die zentrale Figur, beeindruckte mit Aggressivität und Körperlichkeit und gefiel auch im Spiel nach vorn. Kein Mitspieler war häufiger am Ball: 86 Ballaktionen standen zu Buche, und 92 Prozent seiner 71 Pässe fanden ihren Adressaten.
Und dies alles in einer speziellen Rolle. Gegen Union hatte FC-Trainer René Wagner überraschend eine Dreierabwehrkette aufgeboten. Während Jahmai Simpson-Pusey im Zentrum gesetzt war, besetzte Joel Schmied die rechte und Krauß die linke Innenverteidigerposition. Krauß rückte jedoch regelmäßig ins Zentrum, der gelernte Sechser übernahm dann den Aufbau. Er räumte jedoch nicht nur ab: Mit einem starken Ballgewinn leitete er den ersten FC-Treffer ein.
Im Kölner Team übernimmt Krauß zunehmend Verantwortung auf dem Platz. Und ist damit in der Lage, das Fehlen des verletzten FC-Rückkehrers Ellyes Skhiri zu kompensieren.
Der Weg dorthin war hart. Im Training vor dem Derby gegen Gladbach hatte sich Krauß im Frühjahr 2026 einen Innenbandanriss im Knie zugezogen. Statt sich operieren zu lassen oder eine lange Pause einzulegen, biss er im Abstiegskampf wochenlang auf die Zähne und ließ sich für die Spiele fitspritzen. Der FC hielt die Klasse, Krauß kam auf 27 Saisonspiele. Damit griff die mit Mainz im Leihvertrag verankerte Kaufpflicht, die bei Klassenerhalt und einer bestimmten Anzahl an Einsätzen automatisch wirkt. Krauß blühte auf. Und Köln überwies später rund 3,5 Millionen Euro nach Mainz, der Anschlussvertrag bis Juni 2029 trat in Kraft.
Tom will es in dieser Saison allen beweisen. Für mich ist das ein ,neuer’ Tom Krauß mit starken Führungsqualitäten.
Trotz einer in Teilen schwierigen Saison lagen Krauß andere Optionen vor, unter anderem von einem spanischen und einem belgischen Europapokalteilnehmer. Die finanziell lukrativste Möglichkeit, auch nach seiner Vertragsverlängerung, kam jedoch nach Informationen unserer Redaktion vom Neom SC. Der Klub aus der Provinz Tabuk im Nordwesten Saudi-Arabiens wurde nach der Übernahme durch das staatliche Megaprojekt-Unternehmen Neom Company massiv finanziell aufgerüstet, soll zum Aushängeschild werden und spielt in der Saudi Pro League. Ein Bundesliga-Profi kann sein Gehalt bei einem Wechsel nach Saudi-Arabien in der Regel locker verdrei- oder vervierfachen, nicht brutto, sondern netto gerechnet.
Doch Krauß blieb beim FC. Ihm gefällt es bestens beim Klub und in der Stadt. Nach vier Vereinen in viereinhalb Jahren (Schalke, Mainz, Luton, Bochum) will der Leipziger beim fünften, dem FC, sesshaft werden und immer mehr Verantwortung übernehmen.
Auch Wagner sieht Krauß immer mehr auf dem Weg zum Führungsspieler. Gegenüber unserer Redaktion sagt der Kölner Trainer: „Tom will es in dieser Saison allen beweisen und hat sich unheimlich viel vorgenommen. Das ist mir schon zu Beginn dieser Vorbereitung aufgefallen. Er hat sich ein gewisses Standing in der Mannschaft durch seinen Einsatz, seine Aggressivität, seinen Mut und seine Leidenschaft erarbeitet, aber er hat auch fußballerisch noch einmal einen klaren Schritt nach vorne gemacht und sich verbessert. Wie bei Linton Maina und Marius Bülter zeigt sich, dass Vertrauen und jedes kleine Erfolgserlebnis einen Spieler besser machen. Für mich ist das ein ,neuer’ Tom Krauß mit starken Führungsqualitäten.“
