Der Vertrags-Poker zwischen dem 1. FC Köln und Eric Martel beginnt jetzt erst richtig. Ein Zwischenfall im Januar wirkte eine Zeit lang nach.
Vorfall im TrainingslagerWarum sich Martel von Kwasniok bloßgestellt fühlte

Steht nach seiner Gelbsperre dem FC gegen Bremen wieder zur Verfügung: Eric Martel
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Beim Debüt von René Wagner in Frankfurt (2:2) hatte Eric Martel gefehlt, nun kehrt der defensive Mittelfeldspieler des 1. FC Köln im Heimspiel gegen Werder Bremen (Sonntag, 15.30 Uhr) nach abgesessener Gelbsperre zurück. Anders als sein Vorgänger Lukas Kwasniok lässt sich der neue Cheftrainer Wagner bei der Aufstellung nicht in die Karten schauen.
Auf die Frage, ob Martel in die Startelf zurückkehrt, antwortete er ausweichend. „Im Mittelfeld konkurrieren drei Spieler um zwei Plätze. Wir haben mit allen Spielern unter der Woche gesprochen. Es gibt ein, zwei Positionen, bei denen wir uns noch nicht sicher sind – das ist 50:50. Andere Positionen sind dagegen fix. Die endgültigen Entscheidungen werden wir der Mannschaft am Sonntag mitteilen“, sagte Wagner am Freitag.
Für Martel geht es mit einem Fragezeichen weiter – nach Monaten, die für den 23-Jährigen auch abseits des Platzes von Reibung geprägt waren. Eine Episode, die ihn zwischenzeitlich beschäftigte, hat er inzwischen offenbar hinter sich gelassen – auch, weil es auf der Trainerposition Veränderungen gegeben hat. Mitte Dezember hatte Martel das Gefühl, dass beim FC einiges in die falsche Richtung lief. Nicht nur, was die Mannschaft betraf, sondern auch mit Blick auf seine eigene Rolle. In der Branche sind mündige Spieler gefragt – und Martel, seit knapp vier Jahren fester Bestandteil des Profikaders und über weite Strecken Leistungsträger, suchte das Gespräch mit dem damaligen Cheftrainer Lukas Kwasniok. Es fand vor Weihnachten statt. Doch danach, so heißt es, blieb bei Martel gleich ein ungutes Gefühl zurück.
Was dann im Trainingslager der Kölner an der Costa Blanca geschah, damit hatte selbst der Straubinger nicht gerechnet: Nach Informationen dieser Zeitung stellte Kwasniok Martel vor der gesamten Mannschaft verbal in den Senkel. Der Vorfall fiel in eine Phase, in der auch Martels Leistungen nicht mehr das gewohnte Niveau erreichten. Aus dem Umfeld der Verantwortlichen war zu hören, dass die sportliche Weiterentwicklung auf dem Platz nicht im gewünschten Maß erkennbar war und er womöglich nicht mehr unersetzlich sei. Nach 100 Einsätzen in Folge in der Startelf saß Martel Ende Januar beim Spiel in Freiburg (1:2) auf der Bank.
Nach der Saison läuft Martels Vertrag beim FC aus. Vor dem Heimspiel gegen Hoffenheim (21. Februar) hatte Kwasniok öffentlich erklärt, dass der zentrale Defensivspieler verständlicherweise nicht nur die nächste Partie im Blick habe, sondern auch seine Vertragssituation. Immerhin setzte der Trainer nach dem Freiburg-Spiel wieder auf Martel – dessen Leistungskurve anschließend wieder nach oben zeigte. An der Vertragssituation hat sich bislang nichts geändert.
Martel und der FC führen inzwischen konkrete Gespräche
Nach Informationen dieser Zeitung haben Spieler- und Vereinsseite inzwischen konkrete Gespräche aufgenommen. Ein früheres konkretes Angebot des FC, wie kolportiert, habe es jedoch nicht gegeben. Inzwischen liegt der Spielerseite nach Informationen dieser Zeitung ein Angebot des Klubs vor. Der FC möchte den Vertrag mit Martel langfristig verlängern; es geht demnach um weitere vier Jahre. Martel, so heißt es, schließt eine Zukunft am Geißbockheim nicht aus – allerdings nur bei entsprechender Weiterentwicklung der Mannschaft. Vor allem in den Konditionen besteht allerdings keine Einigung. Kurz gesagt: Der Martel-Poker beginnt erst jetzt so richtig.
Sollte eine Einigung ausbleiben, wäre es für den Spieler keine dramatische Entwicklung. Martel ist Stand jetzt im Sommer ablösefrei und soll Offerten aus dem In- und Ausland vorliegen haben. Öffentlich wurde darüber spekuliert, der Spieler habe sich in den Verhandlungen verpokert. Tatsächlich befindet er sich eher in einer komfortablen Situation. Auf der anderen Seite wird auch der FC nicht jede Forderung erfüllen. Sollte es nach vier erfolgreichen Jahren zur Trennung kommen – Martel war 2022 für rund 1,2 Millionen Euro von RB Leipzig verpflichtet worden –, könnten sich beide Seiten weiter in die Augen schauen. Lukas Kwasniok ist schließlich nicht mehr im Amt.
