Wenige Tage vor dem Saisonstart ist dem 1. FC Köln bei der Suche nach einem Mittelfeldstrategen noch immer kein Durchbruch gelungen. Diese beiden Namen standen ursprünglich auch auf der Kandidatenliste.
Wegen Said El MalaFC muss bei Sechser-Suche zweigleisig planen

Ständiger Begleiter im Transfer-Sommer: Kölns Sportchef Thomas Kessler mit Mobiltelefon am Ohr.
Copyright: IMAGO/Beautiful Sports International
Die Euphorie war groß, als während der Weltmeisterschaft bekannt wurde, dass sich der 1. FC Köln mit einer Verpflichtung von Edson Alvarez (28) beschäftigt. Jenem Mann, der mit der mexikanischen Nationalmannschaft beim Heimturnier in Nordamerika gerade für Furore sorgte. Nicht wenige Kölner Anhänger dürften sich ob der Bemühungen ihres Klubs verwundert die Augen gerieben haben. Als Premier-League-Profi gehört Alvarez schließlich zu jener Kategorie Spieler, die für einen Vertreter aus dem unteren Tabellendrittel der Bundesliga normalerweise außer Reichweite liegen. Ein Wechsel nach Köln wäre einer Sensation gleichgekommen.
Dass die Verantwortlichen um FC-Sportchef Thomas Kessler dennoch nichts unversucht ließen und sich nach der Wechselbereitschaft des renommierten Mittelfeldstrategen erkundigten, war Ausdruck eines festen Willens, die Schaltzentrale mit einer hochwertigen Lösung neu zu besetzen. Doch schnell wurde klar, dass das bisherige Salär des West-Ham-Profis von geschätzten sechs Millionen Euro pro Jahr für den FC nicht ansatzweise zu erfüllen gewesen wäre. Mittlerweile sind anderthalb Monate vergangen. Während Alvarez laut der Sportzeitung „Marca“ vor einem Wechsel zu Real Sociedad San Sebastian steht, ist Kölns Suche nach einem erfahrenen Sechser noch immer nicht abgeschlossen.
1. FC Köln: Bislang kein Angebot für Said El Mala aus Leipzig
Was vor allem deshalb überrascht, weil der Abgang Eric Martels seit Monaten feststeht. Abgezeichnet hatte sich der Handlungsbedarf im defensiven Mittelfeld sogar schon vor einem Jahr, als Martel es ablehnte, seinen 2026 auslaufenden Vertrag vorzeitig zu verlängern. Inzwischen drängt die Zeit: Am übernächsten Wochenende nimmt die Bundesliga ihren Betrieb wieder auf, wenige Tage später schließt das Sommer-Transferfenster. Bereits zuvor ist die Mannschaft des Cheftrainer-Neulings René Wagner im DFB-Pokal gefordert. Der Ausgang der Partie bei den Würzburger Kickers (Montag, 18 Uhr/RTL, Sky) hat Einfluss darauf, in welcher Gemütslage der Klub in die neue Saison geht. Zumindest für das Duell beim gut gestarteten Drittliga-Aufsteiger wird der FC mit einem unvollständigen Kader auskommen müssen. Neben einem defensiven Mittelfeldspieler fehlen mindestens noch ein Ersatz für den zu Benfica Lissabon abgewanderten Offensiv-Leistungsträger Jakub Kaminski sowie ein zweiter Linksverteidiger.
Unklar bleibt zudem die Zukunft von Said El Mala. Nachdem sich der Wechsel von Kölns Jungstar zu Borussia Dortmund zerschlagen hat, wittert RB Leipzig seine Chance im Rennen um den designierten deutschen A-Nationalspieler. Nach Informationen dieser Zeitung war bis Mittwochmittag allerdings noch kein Angebot aus Sachsen am Geißbockheim eingetroffen. Der Austausch zwischen beiden Klubs bewegt sich demnach bislang auf rein informeller Ebene. Wie berichtet, verlangt der FC einen Sockelbetrag von mindestens 50 Millionen Euro für sein Ausnahmetalent, das in Köln noch bis 2030 unter Vertrag steht. Während der BVB die Forderungen nicht erfüllen konnte oder wollte, dürfte es bei RB nicht am Geld scheitern. Der Verkauf von Yan Diomande an Real Madrid spülte 125 Millionen Euro in die Kassen des Brauseklubs.
Wir sind mit verschiedenen Spielern im Austausch. Die Sechs ist natürlich eine Position, auf der wir uns verbessern wollen.
Die Frage, ob El Mala geht oder bleibt, hat wiederum massive Auswirkungen auf die weitere Kaderplanung des FC. So lange in der wichtigsten Personalie des Sommers keine Klarheit herrscht, bleibt dem FC nichts anderes übrig, als zweigleisig zu planen. Aus den vielen Namen, die im Zuge der Sechser-Suche gehandelt wurden, kristallisiert sich mit dem früheren Kölner Ellyes Skhiri nun offenbar ein Favorit heraus. Der 31-jährige Routinier darf die Frankfurter Eintracht nach drei wechselhaften Jahren verlassen. Die Gespräche zwischen dem FC und dem tunesischen Nationalspieler, der bereits von 2019 bis 2023 für Köln spielte, wurden zuletzt wieder intensiviert. Bei den Gehaltsvorstellungen soll es zu einer Annäherung gekommen sein.
Sollte jedoch auch mit dem Tunesier keine Einigung zustande kommen, könnte Eric Smith (29) zu einem Thema am Geißbockheim werden. Das „Hamburger Abendblatt“ bringt den Defensiv-Allrounder des Zweitligisten FC St. Pauli als möglichen Ersatz ins Spiel. Smith ist sowohl in der Innenverteidigung als auch auf der Sechs einsetzbar. Nach dem Abstieg aus der Bundesliga würde der schwedische WM-Teilnehmer den Millerntor-Klub gerne noch in diesem Sommer verlassen, um weiter erstklassig zu spielen. Sportvorstand Ulf Sobek will die gehandelten Namen weder bestätigen noch dementieren: „Wir sind mit verschiedenen Spielern im Austausch. Die Sechs ist natürlich eine Position, auf der wir uns verbessern wollen“, sagte er dem FC-Podcast „Thekenphilosophen“.
1. FC Köln: Auch Tanaka und Leopold standen auf der Kandidatenliste
Neben Alvarez, Vinícius Souza (27/VfL Wolfsburg) und Rani Khedira (32/Union Berlin) standen mindestens zwei weitere Spieler auf der Kölner Kandidatenliste für das defensive Mittelfeld. Nach Informationen dieser Zeitung führte der FC auch mit Satoshi Tanaka (24) und Enzo Leopold (26) Gespräche. Doch in beiden Fällen kam ein Transfer nicht zustande. Tanaka wechselte stattdessen von Fortuna Düsseldorf zu Schalke 04, Leopold zog es von Hannover 96 zum Kölner Erzrivalen Borussia Mönchengladbach. Der FC dagegen sucht weiter nach einer Lösung – und von der Euphorie rund um Edson Alvarez ist nicht mehr allzu viel übrig.