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„Die Lücke ist groß“Wie die FC-Fans feiern, zittern und dann emotional Abschied feiern

3 min
FC-Fans jubeln und klatschen.

Peitschten ihre Mannschaft nach vorne: die FC-Fans.

Der 1. FC Köln hat das letzte Saisonspiel gegen Meister Bayern München verloren. Im Mittelpunkt standen aber die Verabschiedungen von zwei FC-Legenden.

Die Meisterfeier der Bayern war längst Geschichte, als Timo Horn und Jonas Hector noch einmal zu den Fans auf den Zaun kletterten. „Totale Hingabe, totale Liebe“, so hatte Geschäftsführer Christian Keller die beiden FC-Spieler gewürdigt. Nun befanden sie sich bereits in einem Legendenstatus und stimmten eher leise die obligatorischen Humba-Töne an. Dass sie zum Gruß vor S4 überredet werden mussten, sagt viel über ihren Charakter.

Tränen haben während der durchaus ausgedehnten Zeremonie einige Fans auf der Südtribüne vergossen. „Es ist total verständlich, dass er aufhört“, sagt Daniel vom Fan-Club „Na und 98“, gegründet nach dem ersten Abstieg. Hector ging mit seinem kleinen Sohn durch das Abschiedsspalier. Starke Symbolik. Mehr Zeit für die Familie war einer der Gründe für das Karrierende mit 33. „Die Lücke ist riesengroß, es wird schwer, sie zu schließen, sagt auch Club-Kollege Martin. „Aber die Mannschaft hat in diesem Jahr bis zum letzten Spieltag durchgezogen. Auch, als es um nichts mehr ging. Das macht Spaß.“

Daniel und Martin vom FC-Fanklub „Na und 98“.

Daniel und Martin vom FC-Fanklub „Na und 98“.

Tatsächlich erlebte Müngersdorf einen historischen Meisterkrimi. Die Geschichte war nach dem 1:1 schon geschrieben, und die Südkurve feierte das zwischenzeitliche Remis wie den eigenen Titelgewinn. Aber dann wendete der Fußballgott das Blatt doch noch einmal. „Sie haben es nicht heute verloren, sondern in anderen Spielen“, sagt Daniel Römer, der im schwarz-gelben Trikot gekommen ist. „Ich bin FC-Fan, aber schon wegen der Fanfreundschaft hätte ich mich für den BVB gefreut.“

Damit stand er alles andere als alleine. Der unverhoffte Elfmeterpfiff für den FC hatte die Tribüne beben lassen. Überhaupt dominierte der FC die Bayern lange Zeit, aber das Ergebnis sprach eine andere Sprache. Als Thomas Tuchel und sein Team die Meisterschale entgegennahmen, gab es ein gellendes Pfeifkonzert. Ohnehin feierten die Fans während der gesamten zweiten Halbzeit nur einen Meister: den ersten Deutschen Meister, FC Köln. Vor dem Spiel und auch nachher standen „Capitano“ Jonas Hector und Timo Horn im Mittelpunkt. Unzählige Fans hatten sich die extra aufgelegten Fan-Shirts mit den Nummern 1 und 14 gekauft. Für viele sind sie zentrale Identifikationsfiguren des Vereins, vor allem, weil sie auch in sportlich deutlich tristeren Zeiten zum FC gestanden haben.

Spalier für Horn und Hector.

Die FC-Legenden Timo Horn und Jonas Hector wurden nach dem Spiel gebührend verabschiedet.

Hector spricht zwar nicht viel und meidet das Licht der Öffentlichkeit, wenn er aber etwas sagt, kommt er der fußballromantischen Fanseele sehr nahe. Zum Abschied hat er deutlich Kritik geübt an den Mechanismen der Branche. Nach dem Apfiff sprach er von Dankbarkeit, seine Karriere in Köln verbracht haben zu dürfen. „Es war mir eine Ehre, hier zu spielen.“ Danach sangen die Zuschauer „Tommi“ von AnnenMayKantereit mit ihren Helden. Das Team teilte ein Kabinenritual mit den Fans. „Alle Wege führen nach Rom, und irgendwann zurück nach Köln“, heißt es darin. Und natürlich: „Ich glaub, ich hab Heimweh“.

Coach Steffen Baumgart hat sich in den vergangenen Tagen immer wieder als Fan Nummer 1 des Kapitäns geoutet. Der 33-Jährige sei „angenehm anders“ und habe sich nie an den Fußballzirkus angepasst. Bei all den Hymnen auf den Menschen Jonas ist zuletzt etwas in den Hintergrund gerückt, wie groß die sportliche Lücke sein wird. Und die hinterlässt in gleichen Dimensionen Ellyes Skhiri. Der Mittelfeldmotor (12 Kilometer Laufleistung pro Spiel) genießt auf den Tribünen ebenso höchste Anerkennung, auch wenn er nicht ganz so viel zur kölschen Identifikation anbietet wie H&H, Horn und Hector. Am Samstag wurde auch der Tunesier gebührend gefeiert. Der Abpfiff (und der Anpfiff zur Bierdusche) oblag dem Cheftrainer. Danach rieselte der rot-weiße Konfettiregen auf den Rasen. Der 1.FC Köln hatte im Geldmaschinenbetrieb Fußball eine doch sehr menschliche Verabschiedung auf die Bühne gebracht.