Der 1. FC Köln formte drei Nationalspieler, verlor Wirtz, Urbig und Bisseck aber früh und für wenig Geld an andere Vereine. Prämie bei Debüt von Urbig.
Wirtz, Urbig und BisseckDie verlorenen Nationalspieler des 1. FC Köln

FIFA Fussball Weltmeisterschaft 2026, Gruppe E, Spiel 3, Ecuador vs Deutschand, 25.06.2026, Metlife-Stadion in New Jersey Jonas Urbig *** 2026 FIFA World Cup, Group E, Match 3, Ecuador vs. Germany, June 25, 2026, MetLife Stadium in New Jersey, Jonas Urbig Copyright: xBahhoxKarax
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In den ersten Aufgeboten des neuen Bundestrainers Jürgen Klopp für die vier Spiele in der Nations League stehen drei junge Spieler aus Köln und Umgebung, die allesamt im Nachwuchsleistungszentrum des 1. FC Köln ausgebildet wurden und zusammen 37 Jahre lang das Trikot des FC trugen beziehungsweise beim Verein unter Vertrag standen. Zwei von ihnen sammelten zudem ihre erste Bundesliga-Erfahrung bei ihrem Heimatklub, machten danach aber andernorts große Karriere. Das Trio weist zusammen aktuell einen Marktwert von rund 175 Millionen Euro auf. Bei ihren Abgängen spülten die drei Eigengewächse dem FC allerdings bis heute gerade einmal rund elf Millionen Euro in die Kasse – bereits getätigte Bonuszahlungen und Weiterverkaufsbeteiligungen eingerechnet. Die Rede ist von Florian Wirtz (23), Jonas Urbig (23) und Yann Aurel Bisseck (25): Kölns verlorenen Nationalspielern.
Unrealistisch ist, dass alle drei heute noch Spieler des 1. FC Köln wären. Dafür verlief ihre Entwicklung in den vergangenen Jahren zu rasant – und die des FC mit seinen kleinen und großen Dramen bei den Profis zu inkonstant. Die Entwicklung führte Wirtz zunächst zu Bayer 04 Leverkusen und später zum FC Liverpool, Urbig zum FC Bayern München und Bisseck zu Inter Mailand. Ihre Geschichten erzählen aber auch vom bitteren Verlust und von verpassten Chancen des 1. FC Köln.
In der Mittwochsausgabe berichtete diese Zeitung von Innenverteidiger Bisseck, der laut dem Branchenportal transfermarkt.de mittlerweile 50 Millionen Euro wert ist und gerade bei der Nationalmannschaft weilt – in der Hoffnung, in den anstehenden Begegnungen sein zweites Länderspiel für die DFB-Auswahl zu bestreiten. Der gebürtige Kölner ist bis heute der jüngste Profi des FC, gab im Alter von 16 Jahren, elf Monaten und 28 Tagen sein Debüt in der Bundesliga, sollte aber erst in der Fremde und nach einigen Umwegen sein Glück finden.

Yann Aurel Bisseck beim Training der Nationalmannschaft in Herzogenaurach
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Bisseck wurde vom FC immer wieder verliehen, um Spielpraxis bei anderen Vereinen zu sammeln. Über Kiel, Roda Kerkrade in den Niederlanden und Guimarães in Portugal landete der Verteidiger im Sommer 2021 in Aarhus. Bis dahin konnte sich der Abwehrspieler nirgends ernsthaft durchsetzen – auch, weil ihn Verletzungen immer wieder zurückwarfen. In Dänemark sollte ihm in der Saison 2021/22 allerdings der Durchbruch gelingen. Bisseck wurde zum Stammspieler und Leistungsträger des Erstligisten Aarhus.
Im Sommer 2022 bot sich dem FC die Chance, sein Eigengewächs für 1,2 Millionen Euro zurückzuholen. Köln besaß im Vertrag mit Aarhus das sogenannte „Matching Right“, eine Klausel, die dem FC bei Angeboten anderer Vereine einen Konter ermöglicht hätte. Damals hatte Sport-Geschäftsführer Christian Keller beim FC das Sagen. Er und sein Team ließen die Frist verstreichen und nutzten die Klausel nicht.
Später wechselte Bisseck zu Inter Mailand. Italiens Double-Sieger verlängerte den Vertrag mit dem 1,96 Meter großen Abwehr-Hünen mittlerweile bis 2031. Eine Entwicklung, die auf der einen Seite beeindruckend ist, aus Kölner Sicht aber auch schmerzt. In einigen, wenn auch nicht allen Punkten, ähnelt sie den Entwicklungen von Urbig und Wirtz. Für Urbig kassierte der FC im Januar 2025 rund sieben Millionen Euro Ablöse. Allerdings wurden mit dem FC Bayern München Zusatzvereinbarungen getroffen, vor allem in Form von Bonuszahlungen.
1. FC Köln: Prämie bei Urbigs Debüt in einem DFB-Pflichtspiel
Wegen Urbigs 34 Pflichtpartien, darunter bereits sieben in der Champions League, hat der FC insgesamt mehr als neun Millionen Euro eingenommen. Besonders profitabel wäre nun ein erster Einsatz in einem Pflichtspiel der Nationalmannschaft: Dann würde dem FC nach Informationen dieser Zeitung eine Prämie von mehr als einer Million Euro zustehen. Die Bonuszahlungen laufen auch in Zukunft weiter. Im besten Fall könnte für den FC so eine Gesamtsumme von bis zu 15 Millionen Euro inklusive Ablöse herausspringen. Obendrein haben sich die Kölner eine Beteiligung an einem Weiterverkauf gesichert.
Florian Wirtz feierte mit dem 1. FC Köln die erste Deutsche Meisterschaft seiner Karriere, als er mit den B-Junioren seines Heimatvereins das Finale gegen Borussia Dortmund gewann. Fünf Jahre später folgte das Double mit Bayer 04 Leverkusen. Dazwischen lag ein für die Kölner traumatisierender Wechsel, als es Wirtz in den Wirren der Machtkämpfe am Geißbockheim leichtgemacht wurde, das Angebot der Werkself anzunehmen. Ein Angebot allerdings, das womöglich auch bei klügerer Handhabung durch die Kölner zu groß gewesen wäre, um zu widerstehen.

Florian Wirtz für Deutschland im Einsatz bei der WM in den USA
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Mittlerweile spielt Wirtz beim FC Liverpool, besonders schmerzhaft für die Kölner ist, dass er nach den Jahren der Ausbildung am Geißbockheim nicht ein Profispiel in Müngersdorf absolvierte und stattdessen dem Rivalen von der anderen Rheinseite die erste Meisterschaft seiner Vereinsgeschichte bescherte und auch noch den DFB-Pokal gewann.
Die Frage für den 1. FC Köln ist, wie man in Zukunft mit vergleichbaren Fällen umgehen wird. Dank Arbeit im NLZ wird der Klub auch künftig so manches Talent formen und hervorbringen. Gewiss sind aber nicht alle Entwicklungen bei Nachwuchsspielern absehbar – unerwartete Leistungssprünge und Rückschläge inbegriffen.
In diesem Sommer lieh der 1. FC Köln die englischen Ausnahmetalente Mikey Moore (19/Tottenham Hotspur) und Reigan Heskey (18/Manchester City) aus und verpflichtete außerdem den zuvor geliehenen Jahmai Simpson-Pusey (20) fest, was auch ein Signal an die eigene Nachwuchsabteilung sein könnte: nämlich, dass der Sprung aus einer Nachwuchsmannschaft in den Profifußball problematischer ist, als man denken mag.
Die Arbeit mit dem Nachwuchs bleibt für Klubs wie den FC ein Spagat zwischen Vertrauen, Geduld und Abwarten auf der einen sowie harten und schmerzlichen Entscheidungen auf der anderen Seite, wenn man zu der Einsicht gelangt, dass eine weitere Zusammenarbeit keinen Sinn mehr ergibt. Was bleibt, ist stets das Risiko.