Über den Versuch des Kölner Trainers, die chronische Unruhe im Verein durch radikale Versachlichung zu kontern
Zitat der WocheWarten auf Wagners „Bingo“-Ruf

René Wagner versucht es am emotionalen Standort Köln mit Fleiß und Kompetenz – und versucht, Problemfelder abzuarbeiten.
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Sollte René Wagner am Sonntagnachmittag irgendwann ein „Bingo!“ durch das Stadion an der Alten Försterei in Berlin-Köpenick brüllen, wäre das ein deutlicher Hinweis darauf, dass Mikey Moore gerade der erste Scorerpunkt der Saison gelungen ist. Es wäre das nächste Ende einer Kölner Negativserie; zuletzt war der 1. FC Köln zweimal nacheinander ohne Gegentor geblieben, zuvor hatte die Mannschaft in jedem Pflichtspiel mindestens einen Treffer kassiert.
Erst beim noch reichlich trüben 0:0 gegen Schalke 04, das der Trainer und seine Leute zwar als Teilerfolg verbuchten. Die Fans sahen es allerdings anders – nach einem torlosen Remis gegen überforderte und massiv ersatzgeschwächte Schalker hatten viele Tribünengäste die Absetzung des Trainers gefordert. Nach dem 5:0 im Pokal gegen Union Berlin hatte das schon anders ausgesehen.
Nun gilt es, ein weiteres Häkchen zu setzen. Seit mehr als einem Jahr hat Köln kein Auswärtsspiel mehr gewonnen. René Wagner wählte am Freitag am Geißbockheim eine bemerkenswerte Analogie: „Wir haben eine riesengroße Chance, so ein bisschen Themenbingo zu spielen jetzt auswärts und ein paar Sachen wegzumachen. Da fehlt uns natürlich der Auswärtssieg, den wir mit aller Leidenschaft versuchen werden zu holen.“
Wir haben eine riesengroße Chance, so ein bisschen Themenbingo zu spielen jetzt auswärts und ein paar Sachen wegzumachen
Ein weiteres Beispiel für René Wagners Versuch, die emotionale Instabilität des Vereins durch radikale Versachlichung und statistische Parzellierung zu bändigen. Er empfindet seine Lage zwar schwerlich als Spiel, sieht aber eine Liste mit Kästchen, die es abzuhaken gilt. Neben dem Auswärtssieg steht dort der Name von Mikey Moore. Ein Tor des Engländers – das ist der klar geäußerte Wunsch. Der Trainer will Zählbares, denn wer Fakten liefert, muss hinterher nicht mehr darüber debattieren, wie gut der Plan war, wie sehr alle gewollt haben, wie schade alles ist.
Es zeigt den Theoretiker René Wagner als Mann mit klaren Zielen, der seinen Spielern praktische Vorgaben macht: Auswärtssieg und Scorerpunkte ihres möglicherweise talentiertesten Angreifers. Was sonst noch auf seiner Karte steht, sagte Wagner am Freitag nicht. Es lohnt also, dem Trainer auch in den kommenden Wochen am Spielfeldrand genau zuzuhören. Denn jederzeit könnte der Ruf erschallen: „Bingo!“
