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„Ich bin nicht Harry Potter"Ten Hag kämpft mit Leverkusens Umbruch

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Steht womöglich in Bremen vor seinem letzten Auftritt für Bayer Leverkusen: Piero Hincapie könnte zum FC Arsenal wechseln.

Steht womöglich in Bremen vor seinem letzten Auftritt für Bayer Leverkusen: Piero Hincapie könnte zum FC Arsenal wechseln.

Der Bayer-Coach wartet auf das Ende der Transferperiode und bittet um Geduld. Nach dem Fehlstart gegen Hoffenheim muss seine noch ungefestigte Mannschaft in Bremen bestehen - während Arsenal den nächsten Leistungsträger lockt.

Sorgen und Zweifel herrschen aktuell bei Bayer Leverkusen vor. Nach einer Flut von Abgängen sehnt der deutsche Vizemeister das Ende der Transferperiode herbei. Erst wenn am kommenden Dienstag feststeht, wie der Kader genau aussieht, kann Erik ten Hag seine Spielidee vollends implementieren. Dass der Chefcoach diese Aufgabe nicht in Ruhe angehen kann, sondern sie im vollen Betrieb erledigen muss, erschwert die Lage.

Ten Hag braucht Geduld und Zeit

„Wir brauchen momentan jede Minute“, stellte ten Hag klar. Nicht nur sein wenig erprobtes und deswegen noch anfälliges „Spielmodell“, sondern auch die physisch suboptimale Verfassung einzelner Profis lässt den Nachfolger von Xabi Alonso um Geduld bitten. „Ich habe es letzte Woche schon gesagt, ich bin nicht Harry Potter“, meinte der Niederländer sechs Tage nach dem 1:2 gegen Hoffenheim und wenige Stunden vor dem zweiten Bundesliga-Spiel bei Werder Bremen am Samstag (15.30 Uhr/Sky).

Dabei versuchte er gar nicht erst den uninspirierten Auftritt aus der Vorwoche schönzureden. „Wir müssen Vieles besser machen“, stellte der 55-Jährige einerseits klar. Andererseits ermutigte er seine Spieler, die Klubführung und die Fans: „Wir haben gezeigt, dass wir es können“, verwies er auf die Vorbereitungsspiele gegen Bochum (2:0), Sittard (2:1) oder Pisa (3:0). Wohlwissend, dass diese Gegner kein Erstliga- und kein Champions League-Niveau hatten, forderte er mehr Kompaktheit, eine dynamischere Spielweise und guten Teamgeist: „Das hat gegen Hoffenheim alles gefehlt.“

Druck vor der Länderspielpause

Vor der anstehenden Länderspielpause, die ten Hag ohne eine Reihe von Nationalspielern kaum zur System-Optimierung nutzen kann, muss der Fehlstart vermieden und Bremen geschlagen werden. „Druck ist immer da“, nahm der Bayer-Coach die Schwingungen in und um seine Werkself wahr. Vielsagend ergänzte er: „Jedes Spiel, das man angeht, muss man gewinnen und einen Weg finden. Ob man bereit ist oder nicht.“ Ein Charakterspieler, der allzeit bereit war, ist Piero Hincapie. Der ecuadorianische Linksverteidiger wird laut seinem Trainer „mit nach Bremen fahren“. Allerdings steht der 23-Jährige in sehr konkretem Kontakt zu Arsenal London. Und durch eine Ausstiegsklausel von kolportierten 60 Millionen Euro könnte der englische Vizemeister dem deutschen einen weiteren Leistungsträger wegschnappen.

Herausforderung Transferfenster

Es wäre die nächste von „vielen Überraschungen in diesem Transferfenster“ für ten Hag. Weil Lucas Vazquez (Real Madrid) noch nicht fit ist, der lange verletzte Malik Tillman (PSV Eindhoven) gerade erst auf den Platz zurückgekehrt ist, Loic Badé (FC Sevilla) und Claudia Echeverri (ManCity) seit Monaten ohne Spielpraxis sind und auch die rekonvaleszenten Leistungsträger Exequiel Palacios und Jonas Hofmann nicht die komplette Trainingswoche absolvierten, wird der Bremen-Kader nicht den Vorstellungen des Trainers entsprechen.

Schon während der Sommervorbereitung hatte ten Hag mehrfach personelle Verstärkungen gefordert. Nun muss er hoffen, dass Simon Rolfes und Co. die Verpflichtungen von Equi Fernandez (Al-Qadisiya) und Eliesse Ben Seghir (AS Monaco) perfekt machen. Dann macht die Sorgen und Zweifel unter dem Bayer-Kreuz zwar nicht automatisch kleiner. Erik ten Hag ist spätestens ab diesem Zeitpunkt aber aufgefordert aus den einzelnen Teilen ein Gesamtbild zu formen.

Voraussichtliche Aufstellungen

Bremen: Backhaus; Sugawara, Stark, Coulibaly, Agu; Bittencourt, Lynen, Njinmah, Schmid, Mbangula; Grüll. – Leverkusen: Flekken; Tape, Quansah, Tapsoba; Arthur, Andrich, Palacios, Grimaldo; Maza, Tella, Schick. – SR.: Braun (Wuppertal).