Bayer 04 muss sich gegen Nottingham Forest mit 1:2 geschlagen geben. Am Samstag soll es gegen Newcastle United besser werden.
„Das ist, was wir gebraucht haben“Bayer 04 mit Lerneffekt nach erster Niederlage in der Vorbereitung?

Nottinghams Arnaud Kalimuendo trifft in der 90. Minute. Die Leverkusener Defensive kommt zu spät.
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Er war kaum zu überhören: Carles Martínez, der neue Chefcoach von Bayer Leverkusen, trieb seine Mannschaft von der Seitenlinie aus immer wieder an. Mehr Aggressivität im Pressing forderte der Katalane, garniert mit hektischen Armbewegungen, die manch einen an Leverkusens Ex-Trainer Xabi Alonso erinnerten.
Bayer 04 offenbart Defizite
Auch Martínez ist ein detailversessener Trainer, der nach dem 1:2 gegen Nottingham Forest mit dem Auftritt seiner Elf kaum zufrieden gewesen sein dürfte – auch wenn am Ende, nach fünf Siegen in Serie, lediglich die erste Vorbereitungsniederlage stand. Der Schweizer WM-Fahrer Dan Ndoye brachte Nottingham bereits nach vier Minuten in Führung, ehe Patrik Schick per sehenswertem Lupfer zum 1:1 ausglich (33.). Den Schlusspunkt setzte ausgerechnet in der letzten Aktion der Partie der frühere Frankfurter Arnaud Kalimuendo per Kopf, bedient von dem Ex-Gladbacher Luca Netz.
Der englische Erstligist, in der vergangenen Saison nur Sechzehnter und mit vier Trainern binnen einer Spielzeit ein Sinnbild der Unruhe, machte es der Werkself in weiten Teilen schwer – unter dem neuen, mit Leverkusen selbst zeitweise in Verbindung gebrachten Trainer Oliver Glasner erhofft man sich in Nottingham nun geordnetere Zeiten. Dabei sollen Testspiele und ihre Ergebnisse nicht überbewertet werden. Martínez rotierte im Vergleich zum 2:1-Erfolg gegen den FC Sevilla mehrfach, etwa mit Jeanuel Belocian neben Loïc Badé in der Innenverteidigung und Martin Terrier sowie Ernest Poku auf den Flügeln, ehe er im Laufe der Partie noch häufiger wechselte.
So kam auch das 17-jährige Mittelfeldtalent Kenan Doganay, von Olympique Lyon zur Werkself gewechselt, zum Debüt. Wichtiger als das Resultat dürften Leverkusens Trainer ohnehin die Erkenntnisse gewesen sein – und die fielen gemischt aus. Denn zunächst fand Leverkusen nicht in das von Martínez geforderte, intensive Gegenpressing hinein. Statt nach Ballverlusten sofort nachzusetzen und den Gegner in dessen eigener Hälfte zu stellen, ließ die Werkself Nottingham gewähren – die Gastgeber konnten sich aus dem ersten Zugriff mit einfachen Pass-Stafetten befreien, ehe Leverkusen überhaupt in Zugriffsposition war.
Die Anfangsminuten verschlief die Werkself regelrecht: Nach einer Flanke von Morgan Gibbs-White drückte Ndoye den Ball ohne jeden Widerstand über die Linie. Auch danach blieben die Halbräume ein Problem – Gibbs-White und Ndoye fanden dort immer wieder Platz, auch weil Terrier und Poku – beide mit einem Wechsel ins Ausland in Verbindung gebracht – defensiv kaum absicherten und sich offensiv wenig anboten. Rechtsverteidiger Lucas Vázquez wiederum haderte sichtlich mit der robusten, körperbetonten Spielweise der Gastgeber.
Blaswich mit gemischten Fazit
Mit der Zeit steigerte sich die Werkself. Sechser Equi Fernández legte, dem Testspiel-Charakter zum Trotz, einen kampfbetonten Auftritt hin, warf sich in jeden Zweikampf und bereitete mit einem starken Pass auch den Ausgleich vor. „Es war ein toller Pass von ihm“, lobte Schick seinen Vorlagengeber. „Wir haben viele Sachen gut gemacht, ein paar Sachen schlecht. Wir werden daraus lernen“, resümierte der Tscheche, der die Mannschaft als Kapitän aufs Feld geführt hatte.
Deutlich kritischer klang das bei Janis Blaswich, der als Torhüter durchspielte. „Wir haben viel wegverteidigt, der Spielaufbau war schwierig, weil Nottingham stark gepresst hat. Das Ergebnis ist am Ende irrelevant, der Fokus liegt auf den Belastungen. Dennoch ist das Resultat bitter“, sagte der Routinier. „Trotzdem war es ein guter Test gegen einen aggressiven Gegner. Das ist, was wir gebraucht haben. Gegner, die Mann gegen Mann verteidigen und mit Härte kommen. In der Bundesliga ist es genauso.“ Von Testspiel zu Testspiel zeichnet sich unter dem neuen Trainer eine klarere Spielidee ab – Ballbesitz, schnelles Umschalten, Kombinieren. Es ist klar, dass längst noch nicht alle Zahnräder ineinandergreifen.
Zu den Problemen in den Außenräumen gesellte sich am Mittwoch ein zweites, altbekanntes: das Verteidigen von Standards. Nahezu jede Ecke und jede Freistoßflanke wurde brenzlig, die Zuordnung in der Abwehr stimmte in etlichen Situationen nicht – ein Muster, das Martínez in den kommenden Wochen dringend abstellen muss. Zeit zur Nachbesserung bleibt wenig: Schon am Samstag steht mit dem Gastspiel bei Newcastle United, einem weiteren Hochkaräter, der zweite Teil der Leverkusener England-Reise an. Es wird sich zeigen, ob die Werkself die Lehren aus Nottingham bis dahin schon verinnerlicht hat.