Die Werkself kann langfristig mit dem CEO und dem Sportgeschäftsführer planen. Die Verlängerung ist der richtige Schritt, der aber auch mit Erwartungen verknüpft ist, meint unser Autor.
Kommentar zur Verlängerung von Bayer 04 mit Rolfes und CarroEin verdienter Lohn mit Auftrag

Simon Rolfes (l.) und Fernando Carro legten den Grundstein für die historische Doublesaison von Bayer 04 Leverkusen.
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Bayer 04 lebt vor, was nahezu alle Fußballvereine als entscheidenden Erfolgsfaktor erkannt haben: Kontinuität im Führungspersonal. Die Verlängerung der Verträge mit Fernando Carro und Simon Rolfes ist verdienter Lohn für das Führungsduo – aber auch Auftrag und Verpflichtung. Carro und Rolfes haben das erfolgreichste Jahr der Klubgeschichte mitgebaut.
Der Doublegewinn 2024 ist Ergebnis ihrer Arbeit. Carro kam, redete öffentlich viel und laut – und lernte erst danach. Der Spanier musste sich zunächst an das Fußballgeschäft gewöhnen. Sein Lehrmeister war Rudi Völler, dem er bis heute für die Einführung in das ihm damals fremde Fußballgeschäft dankt. Doch Carro hatte Völler etwas voraus: Ambition vor Realismus. Dass Leverkusen die eingeübte Demut der Komfortzone ablegte, wurde zum Grundstein der ersten Meisterschaft in der Vereinsgeschichte.
Zudem strukturierte Carro, dem große Herzlichkeit ebenso nachgesagt wird wie ein Hang zur Cholerik, Abteilungen und Führungsstrukturen des Klubs um. Der 62-Jährige aus Barcelona steht für Work-Work-Balance, wählt danach seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus und trennt sich von Mitläufern. Passende PersönlichkeitenRolfes passt als Pendant zu Carro. Beide betonen immer wieder, dass ihre Unterschiedlichkeit ein Gewinn ist. Wenn Carro nach vorne prescht, ist Rolfes das Regulativ. Wenn Rolfes zu stark bremst, drückt Carro aufs Tempo. Der Ibbenbürener gilt als harter Verhandler mit Blick für Talente.
Rolfes holte Meistertrainer Xabi Alonso und half entscheidend dabei, Florian Wirtz aus Köln nach Leverkusen zu holen. Leverkusen nahm zuletzt viel Geld mit Spielertransfers ein. In der vergangenen Saison leistete sich der Sportchef aber auch Fehlgriffe. Finanziell dürften sie durch die Wertsteigerungen von Ibrahim Maza und Christian Kofane kaum zu Buche schlagen.
Erwartungsdruck bleibt
Das Doublejahr wird mit den Namen Carro und Rolfes verknüpft bleiben. In den langfristigen Vertragsverlängerungen steckt aber auch eine Erwartung. Rolfes hat mit Carles Martínez gerade den dritten Trainer innerhalb eines Jahres geholt. Sollte das Projekt mit dem Spanier scheitern, wird die Kritik am 44-Jährigen zunehmen. Bei den Spielerverpflichtungen wächst der Druck auf Rolfes. Dass er und sein Team ein Auge für Talente haben, ist unstrittig. Doch bei teuren Transfers für Spieler, die sofort helfen sollen, ist die Fehlerquote zu hoch, um den nächsten Angriff auf die Bayern zu starten.
Carros Wirken hängt nicht so eng an den Geschehnissen auf dem Rasen. Doch der 62-Jährige hat Projekte vor sich, an denen er sich messen lassen muss. Für die Infrastruktur des Vereins ist der geplante Campus elementar. Er soll die Lizenzmannschaften der Männer und Frauen sowie den Nachwuchs an einem Ort vereinen.
Es ist Carros Lieblingsprojekt und soll sein Vermächtnis werden. Am geplanten Standort Monheim kommt Bayer 04 seit mehr als einem Jahr nicht voran. Eine Lösung muss vor dem Start des Autobahnausbaus an der BayArena im Jahr 2029 her. Eine Lösung – nicht nur für Bayer 04, sondern für den gesamten deutschen Fußball – braucht es auch bei 50+1.
Das Kartellamt, die Profiklubs sowie Bayer 04 und der VfL Wolfsburg müssen einen belastbaren Weg finden, um dieses Gut der deutschen Fußballkultur nicht zu beschädigen. Eine Klage der Bayer AG und der VW AG sowie ein mögliches Ende von 50+1 in der Bundesliga würden dauerhaft mit Carro in Verbindung stehen. Für Carro und Rolfes geht es in den kommenden Jahren also darum, ihr Verdienst um die Entwicklung von Bayer nicht kleiner werden zu lassen – und es im Idealfall noch zu vergrößern.
