Bayer 04 Leverkusen bleibt in der Saison 2023/24 auch im 46. Pflichtspiel ungeschlagen. Eine unglaubliche Serie.
Und täglich grüßt das Last Minute-TeamBayer 04 Leverkusen bleibt unerwartet und ungeschlagen

Leverkusener Torschützen: Amine Adli (2.v.l.) und Robert Andrich (2.v.r.).
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Diego Torres begleitet Xabi Alonso schon eine ganze Weile. Der Journalist schreibt für die spanische Tageszeitung und hat erlebt, wie Alonso als Spieler 18 Titel gewonnen hat. Mit der spanischen Nationalmannschaft, mit Real Madrid, dem FC Liverpool und Bayern München. Torres interessierte sich nach dem spektakulären 2:2 (0:0) im Bundesliga-Topspiel zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem VfB Stuttgart am Samstagabend also für die Zusammenhänge, die Geschichte hinter dem Erfolgsmenschen Alonso. Schließlich hat der 42-jährige Baske auch als Trainer sofort seine Sieger-Mentalität in den Ring geworfen und den Werksclub zum ersten deutschen Meistertitel seiner 120-jährigen Vereinsgeschichte geführt.
Torres fragte also, was denn „dieses Mal“ anders sein. Jede von Alonsos Erfolgsgeschichten als Spieler habe ja mehr oder weniger die gleiche Erklärung. Diesmal wirke es aber so, als wäre es anders — und der El Pais-Redakteur kennt den Leverkusener Trainer wirklich gut. „Meine Rolle ist anders“, hob Alonso zunächst auf das Offensichtliche ab und gab dann einen Einblick in sein Gefühl als noch sehr junger Trainer: „Diesen Erfolg zu haben, Meister zu werden und auf einem guten Weg zu sein, mehr zu erreichen mit einem Club, macht es noch besser.“
Wenn etwas Unerwartetes passiert, fühlt es sich noch besser an.
Alonso denkt und empfindet darüber hinaus aber auch in größeren Dimensionen. Für ihn ist der Erfolg mit Leverkusen etwas das bleibt, etwas Monumentales: „Wenn etwas Unerwartetes passiert, fühlt es sich noch besser an. Ich nehme dieses Gefühl vom Club aber vor allem von den Fans wahr. Sie erleben etwas Besonders, etwas Unerwartetes und Neues, an das sie sich noch viele Jahre erinnern werden.“
Der Bayer-Chefcoach stand bei diesen Worten noch unter dem Eindruck des ersten Heimspiels als Deutscher Meister, das wieder einmal belegte, warum diese Leverkusener Saison etwas einmaliges darstellt und immer darstellen wird. 0:2 hatte die Werkself nach Toren von Chris Führich (47.) und Deniz Undav (56.) zurückgelegen. Der VfB war drauf und dran im dritten Versuch dieser Saison Bayer 04 erstmals zu besiegen. Im Hinspiel (1:1) und im Viertelfinale des DFB-Pokals (2:3) war der Tabellendritte schon zwei Mal ganz dicht dran gewesen.
Leverkusener Schockstarre dauert nur sechs Minuten
Weil die Stuttgarter in Person ihres Torjägers Serhou Guirassy aber das 3:0 liegen ließen (60.) und Amine Adli die Leverkusener Schockstarre mit dem 1:2 auf sechs Minuten begrenzte (62.), konnte das Unvermeidliche seinen Lauf nehmen. Robert Andrich traf nach Empfinden des konsternierten VfB-Trainers Sebastian Hoeneß in der „Nachspielzeit der Nachspielzeit“ in Folge eines Freistoßes des eingewechselten Florian Wirtz (90.+6) mit der letzten Aktion des Spiels zum 2:2 und ließ sprachlose Stuttgarter zurück. Die Tatsache, dass die Schwaben der einzige Bundesligist sein werden, der gegen Bayer 04 in der Saison 2023/24 ungeschlagen bleibt, war nur ein schwacher Trost .
Der 16. Pflichtspiel-Treffer dieser Saison in der Nachspielzeit schraubte die Leverkusener Erfolgsserie auf unvorstellbare 46 Spiele ohne Niederlage. Ein Rekord für die Ewigkeit, der auch für Xabi Alonso längst jenseits aller möglichen Erklärungen liegt. Hatte der Trainer vergangene Woche nach Josip Stanisics 1:1-Ausgleich in der 97. Minute bei Borussia Dortmund noch einen entfesselten Jubellauf hingelegt, drehte er sich am Samstagabend ungläubig ab und schlug die Hände über dem Kopf zusammen: „Wir haben viele Spezialmomente in den letzten Minuten. Letzte Woche war der Moment emotional, aber heute konnte ich es nicht glauben, dass wir es wieder geschafft haben. Ich habe das nicht oft im Fußball gesehen. Es ist schwer zu erklären.“
Leverkusen hat 17 Punkte mehr geholt als wir. Das ist unglaublich.
Sebastian Hoeneß reihte sich in die Schlange der Staunenden ein, als er nach dem dritten Saisonduell mit Bayer 04 auf Augenhöhe einen Blick auf die Tabelle warf: „Wir haben zwei Teams gesehen, die mutig nach vorne spielen und unter Druck Lösungen suchen. Darin ähneln sie sich“, sagte der VfB-Coach und stockte: „Aber wenn ich hier schaue, hat Leverkusen 17 Punkte mehr als wir geholt. Das ist unglaublich.“ Vielleicht ist es mittlerweile richtiger, nicht mehr nach Erklärungen zu suchen, sondern die historische Dimension dieser Leverkusener Saison einfach so lange zu genießen, wie sie dauert.
Drei Partien in Frankfurt, in Bochum und gegen Augsburg fehlen dem Werksclub noch, um der erste ungeschlagene Bundesliga-Meister zu werden. Außerdem sind da noch das Europa League-Halbfinale gegen AS Rom (2. und 9. Mai), ein eventuelles Finale gegen Bergamo oder Marseille in Dublin (22. Mai) und das DFB-Pokalfinale am 25. Mai in Berlin gegen Zweitligist 1. FC Kaiserslautern. „Unser großes Ziel war es Meister zu werden, doch wir wollen nicht stoppen“, kündigte Alonso für die ausstehenden maximal sieben Spiele weitere Taten an, die die Geschichte der Unbezwingbarkeit von Bayer 04 in der Spielzeit 2023/24 nähren. Eben etwas, an dass sich alle Leverkusener noch viele Jahre, wenn nicht sogar für alle Zeiten, erinnern werden.
Alonso für Frankfurt gesperrt
Vierte Gelbe Karte für Xabi Alonso. Der Trainer von Bayer 04 wurde ebenso wie sein Stuttgarter-Kollege Sebastian Hoeneß nach einer Diskussion mit Schiedsrichter Felix Zwayer verwarnt (70.) und ist nächste Woche für das Bundesligaspiel bei Eintracht Frankfurt gesperrt. „Es war leidenschaftlich und emotional auf der Bank, aber es s ist nichts Besonderes passiert. Es war alles respektvoll. Ich verstehe die Gelbe Karte nicht so gut, muss das aber akzeptieren“, zeigte der Spanier wenig Verständnis für Zwayers Entscheidung. Hoeneß kritisierte den Unparteiischen nicht nur aufgrund dieser Szene: „Wir haben sehr gute Spielerleistungen gesehen, aber keine gute Schiedsrichterleistung.“
