Die NHL macht 2027 Station in der Laxness-Arena. Der KEC wurde vorab nicht eingeweiht und hat organisatorische Nachteile.
EishockeyKölner Haie wurden beim Draisaitl-Gastspiel übergangen

Die NHL mit ihren deutschen Stars JJ Peterka (links) und Leon Draisaitl (rechts) sind Kooperationspartner des FC Bayern umd Alphonso Davies (Mitte)
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Es klingt zunächst einmal wunderbar. Im Rahmen der Global Series kommt die National Hockey League (NHL) 2027 für zwei Spiele der Edmonton Oilers mit dem Kölner Superstar Leon Draisaitl in die Deutzer Lanxess-Arena. Das verkündete Bill Daly, stellvertretender Commissioner der NHL, in der vergangenen Woche in München. Gleichzeitig werden die vom früheren Bundestrainer Marco Sturm gecoachten Boston Bruins mit Stürmer JJ Peterka im Münchner SAP Garden spielen.
Vier Spiele der besten Eishockey-Liga der Welt in Deutschland – was soll da schiefgehen? Das Interesse des deutschen Publikums an Weltklasse-Eishockey ist bewiesenermaßen groß. Die beiden Partien der Ottawa Senators, die am 18. und 20. Dezember diesen Jahres in Düsseldorf stattfinden, waren beim Verkaufsstart innerhalb weniger Minuten ausverkauft.
Kritik von der DEL am Vorgehen
Aus Sicht der NHL, die ihre Marke weltweit vermarkten will, geht die Rechnung auf. Sie ist dabei allerdings wohl wie ein Bulldozer vorgegangen, die Belange der deutschen Liga und ihrer Vereine missachtend. DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke hatte in der vergangenen Woche bereits Kritik am Vorgehen der NHL geübt. Im Gespräch mit dieser Zeitung konkretisierte Tripcke: „Weder die Liga noch unsere Klubs oder der DEB sind im Vorfeld eingebunden worden. Damit ist leider eine Chance vertan worden. Die Terminierung und auch die Austragungsorte solcher Spiele müssen in Zukunft besser abgestimmt werden, damit wir eine Win-win-Situation bekommen.“
Dazu passt: Eine offizielle Kooperation schloss die NHL bisher nicht etwa mit der DEL oder dem europäischen Zuschauer-Champion im Eishockey, den Kölner Haien, ab, sondern mit dem deutschen Fußball-Meister FC Bayern München, dem insgesamt reichweitenstärksten deutschen Sportverein. Die Motive sind klar: Während die NHL ihre Bekanntheit und ihr Geschäft in Deutschland ausbauen möchte, will der FC Bayern seine Marke in Nordamerika stärker promoten. Von dieser Zusammenarbeit könnten tatsächlich beide profitieren.
Kölner Haie müssen wegen NHL-Deal umplanen
Hingegen müssen die Kölner Haie, die erst drei Tage vor der NHL-Bekanntmachung über die Pläne informiert wurden, Nachteile befürchten. Verhandelt hat die NHL allein mit der Lanxess-Arena, die ihr zwei Spieltermine reservierte – und zwar dem Vernehmen nach im Dezember 2027, kurz vor Weihnachten.
Das bedeutet für den KEC: In der im Eishockey zuschauerstärksten Zeit des Jahres wird in der Deutzer Arena mindestens eine Woche lang kein DEL-Heimspiel möglich sein. Es geht dabei nicht nur um die NHL-Spieltermine. Denn die Eisfläche muss erst auf NHL-Format verkleinert und dann wieder auf die europäischen Maße zurückgebaut werden – was jeweils drei bis vier Tage dauert. Hinzu kommt, dass die Arena in dieser Zeit traditionell mit anderen Veranstaltungen gut gebucht ist.
Haie-Geschäftsführer Philipp Walter versucht, sich diplomatisch zu geben, lässt jedoch erkennen, dass er leicht verstimmt ist – und das klingt so: „Es ist etwas Schönes, dass die Edmonton Oilers und Leon Draisaitl nach Köln kommen. Für die kommenden Monate hoffe ich auf eine gute Kommunikation mit allen Beteiligten.“ Arena-Chef Stefan Löcher ist seinerseits zuversichtlich, dass eine Lösung für die Haie gefunden werde. „Wir haben das in den vielen Jahren immer geschafft, einen guten Spielplan auf die Beine zu stellen“, sagte er.
Bessere Situation für Red Bull München
Für die NHL und die Hallenbetreiber sind die Partien wirtschaftlich einträglich. Bei den Düsseldorfer NHL-Spielen kosteten die günstigsten Tickets etwa 90 Euro, die Preise reichten bis zu 380 Euro. Beim KEC fängt es hingegen mit circa 24 Euro an; Sitzplatzkarten der höchsten Kategorien liegen um die 60 Euro.
Der Kölner DEL-Rivale Red Bull München ist in Bezug auf die Halle in einer komfortableren Situation als der KEC. Während sich die Lanxess-Arena im Besitz eines asiatischen Investorenkonsortiums befindet, gehört der SAP Garden einer Tochtergesellschaft von Red Bull. Die Einnahmen der Halle aus den NHL-Spielen fließen damit an einen Konzern, dem zugleich der betroffene DEL-Klub gehört. Hinzu kommt, dass der SAP Garden nicht so ausgebucht ist wie die Lanxess-Arena, sodass sich leichter Ausweichtermine für DEL-Spiele finden lassen.
Vonseiten der NHL gab es keinen Kommentar zu der deutschen Kritik. Tripcke hofft, dass die Sache künftig weniger einseitig verlaufen werde: „Ich bin mit den Verantwortlichen der NHL regelmäßig im Austausch“, sagte er. „Und wenn sie es mit ihrer Ankündigung ernst meinen, den Eishockeysport in Deutschland durch Breitensportprogramme, schulbasierte Aktionen und Nachwuchsförderung langfristig zu fördern, dann laufen sie bei uns offene Türen ein.“ Von all diesen Dingen war tatsächlich im Zusammenhang mit den deutschen NHL-Spielen die Rede. Und da Tripcke den NHL-Vizechef Daly, wie zu hören ist, schon seit 30 Jahren kennt, dürften die beiden Herren in der nächsten Zeit einiges zu besprechen haben.
