Bayer 04 Leverkusen hofft nach dem 1:1 im Viertelfinal-Hinspiel gegen Saint-Gilloises auf den Halbfinaleinzug in der Europa League und spielt am Sonntag in der Bundesliga beim VfL Wolfsburg.
Europa LeagueLeverkusen glaubt an Halbfinaleinzug

Florian Wirtz erzielt mit diesem Schuss das Tor zum 1:1 gegen Union Saint Gilloise.
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Das kleine Happy End nach einem großen Abnutzungskampf hat bei Bayer 04 Leverkusen für Optimismus gesorgt. „Das Ticket für ein Halbfinale gibt es nicht for free“, sagte Trainer Xabi Alonso nach dem 1:1 im Viertelfinal-Hinspiel der Europa League gegen Union Saint-Gilloise: „Aber wir haben noch alle Chancen. Mein Kopf will mehr. Wir haben diesen großen Wunsch für das Rückspiel. Und wir bleiben optimistisch.“
Der belgische Außenseiter, der im Achtelfinale den Bundesliga-Dritten Union Berlin rausgeworfen hatte, untermauerte in der mit 30 210 Zuschauern ausverkauften BayArena seinen Ruf als unbequemer, ekliger und schwer zu schlagender Gegner. Der Club, dessen Spieler nur absoluten Fußball-Experten bekannt es, versteht es Fußball als das zu interpretieren, was er ist: ein Mannschaftssport.
Gute Vorbereitung auf nächste Woche
Selten zuvor war in Leverkusen ein Team zu sehen, in dem die Rädchen im Spiel gegen den Ball so ineinander greifen, wie beim Tabellenzweiten der Jupiler Pro League. Die Gäste verdichteten die Räume als Kollektiv so konsequent und schnell, dass Bayer sein Spiel nur selten entfalten konnte.
Darunter litt auch Florian Wirtz, der mit einem Kunstschuss (82.) nach dem Rückstand durch den beeindruckenden Torjäger Victor Boniface (51.) zwar das Remis gerettet hatte, sich ansonsten aber kaum durchsetzen konnte. Alonso nahm das Hinspiel als das, was es war und sortierte es als „gute Vorbereitung auf nächste Woche“ weg, obwohl sich Bayers Ausgangslage nicht verbessert hat. „Gestern standen die Chancen 50:50. Jetzt haben wir unentschieden gespielt und sie haben das zweite Spiel daheim. Daher haben sie vielleicht einen kleinen Vorteil. Der Spanier dachte dabei wohl an die Berliner, die nach einem 3:3 zu Hause in Belgien mit 0:3 verloren. „Aber es sind noch mindestens 90 Minuten zu spielen“, sagte Alonso: „Es wird wie ein Finale. Make or break. Und wir sind bereit dafür.“
Ähnlich sah es Torschütze Wirtz. „Wir hätten uns eine bessere Ausgangslage gewünscht“, sagte der 19-Jährige: „Aber ich bin sicher, dass wir im Rückspiel gewinnen werden. Wir haben eine richtig geile Mannschaft.“
Fans empfangen Teambus mit Pyro-Show
Fakt ist: Nach der teilweise miserablen Hinrunde ist die Stimmung rund um den Club so euphorisch wie seit Jahren nicht. Einige Tausend Fans hatten zwei Stunden vor dem Spiel den Mannschaftsbus empfangen. Dieser konnte sich nur mit Mühe den Weg durch die Fans bahnen, eingehüllt in eine Nebelwolke von zahlreichen Pyros. Club-Chef Fernando Carro fand die Atmosphäre rund um das Spiel „sensationell. Wir alle haben Lust auf mehr. Mannschaft, Trainer, Fans.“ Auch die Spieler. Allen voran Florian Wirtz: „Jeder will das schaffen. Und durch Qualität plus Kampfgeist werden wir uns belohnen“, glaubt der Nationalspieler fest an den Halbfinaleinzug. Seit seinem Comeback nach einem Kreuzbandriss geht es mit Bayer bergauf. Obwohl die Serie von sieben Pflichtspielsiegen gegen St. Gilloise riss, ist die Werkself seit neun Partien unbesiegt. „Er ist eben der geborene Zehner“, bemerke Wirtz Vater Hans. Ein schönes Teekesselchen, denn Florian ist tatsächlich das jüngste von zehn Kindern.
Der Jungstar war am Ende der einzige, der einen Weg durch den starken Defensivverbund der Belgier fand. „Das ist ein Riesentor“, lobte Sechser Robert Andrich: „Der Raum ist sehr eng, und da stehen bestimmt sieben Gegenspieler um zwei von uns.“ Die Wertigkeit des Teenagers für das Team ist unbestritten: „Es ist super für uns, dass wir solch einen Spezialspieler haben, der in schweren Momenten für uns da ist“, lobte Xabi Alonso.
Es wird nicht zu verhindern sein, dass er mal mit dem Ferrari auftaucht. Wichtig ist, dass er trotzdem hier in der Wohngegend nur 30 fährt.
Das 1:1 war bereits der achte Europa League-Treffer von Wirtz, so jung schaffte das vor ihm noch keiner. Abheben wird er laut Vater Hans deshalb aber nicht: „Es wird nicht zu verhindern sein, dass er mal mit einem Ferrari hier auftaucht. Wichtig ist, dass er trotzdem hier in der Wohngegend nur 30 fährt.“ Und am Sonntag (19.30 Uhr/DAZN) erneut sein Können zeigt. Dann geht es für Bayer beim VfL Wolfsburg darum, in der Bundesliga die Chancen zu wahren, dass es auch kommende Saison Europapokalabende wie am Donnerstag geben wird.