Die Schweiz überzeugt mit zwei Newcomern, Ungarn enttäuscht dagegen beim EM-Spiel in Köln.
Deutsche GruppengegnerYakins Schachzüge gehen auf

Kwadwo Duah (r.) und Michel Aebischer jubeln nach dem Tor zum 1:0 gegen Ungarn.
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Wenn über die Schweizer Nati gesprochen oder geschrieben wird, richtet sich der Fokus im Regelfall auf Granit Xhaka, Yann Sommer Manuel Akanji oder Xherdan Shaqiri. Die Stars von Bayer 04 Leverkusen, Inter Mailand und Manchester City also. Nach dem hochverdienten 3:1 (2:0)-Auftakterfolg bei der EM gegen Ungarn erhielt dann auch Xhaka die UEFA-Auszeichnung zum Spieler des Spiels. Verdient gehabt hätte sie aber ein anderer.
Michel Aebischer war der gefeierte Mann bei den Eidgenossen. Der 27-jährige Mittelfeldspieler hatte vom FC Bologna hatte von Murat Yakin überraschend den Vorzug vor Routinier Shaqiri erhalten. Die Idee des Schweizer Trainers: Vom linken Flügel aus sollte sich Rechtsfuß Aebischer immer wieder Richtung Zentrum orientieren. Ein Schachzug, der die Ungarn vor große Probleme stellte und Aebischer eine Halbzeit lang alle Freiräume gewährte. Die nutzte er zunächst zu einem genialen Steckpass auf 1:0-Torschütze Kwadwo Duah (14.) und dann zum 2:0, das er mit einem sehenswerten Schlenzer aus 20 Metern selbst markierte (45.).
Ein Novum: Noch nie zuvor war einem Schweizer bei einer EM in einem Spiel Tor und Assist gelungen. „Ich werde sicher heute sehr gut schlafen“, sagte Aebischer, für den es im 21. Länderspiel sein erster Treffer war. Am Ende konnte auch der Fehler beim Anschlusstreffer der Ungarn durch Barnabas Varga seine starke Vorstellung nur bedingt einschränken. Yakin begründete die unerwartete Aufstellung Aebischers mit dessen gute Saison in Bologna. Mit dem Überraschungsteam aus der Serie A spielt der bei den Young Boys Bern groß gewordene Schienenspieler nächste Saison in der Champions League.
Er ist ein echter Mittelstürmer, ein komplett anderer Stürmertyp als wir ihn sonst in der Mannschaft haben.
Zweiter Spieler des Spiels aus Schweizer Sicht war Kwadwo Duah, mit dem vor der Partie auch niemand in der Startformation gerechnet hatte. Die lange Verletzung von Breel Embolo und das allgemeine Stürmerproblem der Nati hatte Yakin auf die Idee gebracht dem Ex-Nürnberger (33 Zweitliga-Spiele/11 Tore) als Sturmspitze das Vertrauen zu geben. „Er ist ein echter Mittelstürmer, ein komplett anderer Stürmertyp, wie wir ihn sonst in der Mannschaft haben. Er hat super Abschlüsse“, lobte Taktgeber und Kapitän Xhaka seinen Teamkollegen.
Wie beim 1:0, als Duah hart an der Abseitskante startend Aebischers Pass aufnahm und Ungarns Keeper Peter Gulacsi keine Chance ließ. „Ich träume immer noch. Es wird wohl noch ein paar Tage dauern, bis ich das realisiere“, sagte der Stürmer von Ludogorez Rasgrad aus Bulgarien. Spätestens am Mittwoch muss der 27-Jährige wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen sein.
Ein Geheimfavorit der EM
Dann können die Schweizer in ihrer Homebase Köln und wieder unterstützt von tausenden Fans mit einem weiteren Sieg gegen Schottland schon den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale klarmachen. Nach dem überzeugenden, weil vor allem strukturierten und geschlossenen Auftritt am Samstag darf sich die Nati zu den Geheimfavoriten des Turniers zählen.
Auch, weil die Spieler von der Bank Einfluss auf den Ausgang des Spiels nahmen. Unmittelbar nach Vargas 1:2 und der einzigen Phase, in der die Schweizer in Nöte gerieten. wechselte Murat Yakin drei Mal. „Die SChweizer haben ihre Erfahrung genutzt, das Spiel verlangsamt und ihre Cleverness eingesetzt“, beschrieb Ungarns Trainer Marco Rossi die Auswirkungen der Wechsel.
Es war da kein Zufall, dass mit Breel Embolo einer der Joker das Spiel in der dritten Minute der Nachspielzeit mit dem 3:1 entscheid. Auf kuriose Art und Weise, denn als der ehemalige Schalker und Gladbacher in Richtung gegnerisches Tor unterwegs war, hatte er seine Kompressionsbandage verloren, die er nach seinem Kreuzbandriss aus dem August 2023 zur Sicherheit trug. Der Vorfall hinderte den 27-Jährigen aber nicht daran, den Ball gekonnt über Peter Gulacsi von RB Leipzig zu heben. „Ich bin froh, dass ich überhaupt auf dem Platz stehen konnte. Es war ein spezielles Jahr für mich, aber das gehört zum Leben dazu“, sagte der Stürmer von AS Monaco und freute sich auf das nächste Mal.
