Vom Talent zum Führungsspieler: Kai Havertz hat sich im DFB-Team zu einer unverzichtbaren Schlüsselfigur entwickelt.
Havertz wird zum X-FaktorDer Aachener ist im DFB-Team zum Führungsspieler gereift

Kai Havertz ist auf dem Platz lieber ein Mann der Taten als der großen Worte.
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Sein Status hat sich gewandelt: Kai Havertz ist nicht mehr nur ein Talent. Vor seinem vierten großen Turnier ist er zur Schlüsselfigur gereift.
Für Kai Havertz sind Geburtstage während großer Turniere eine vertraute Gegebenheit. Die Feier findet dann im Kreis der Nationalelf statt, anstatt zu Hause bei seinen Angehörigen. Dennoch markiert der Ehrentag in Winston-Salem für den am 11. Juni 1999 in Aachen geborenen Angreifer eine Veränderung. Die Stellung des nun 27-Jährigen innerhalb der DFB-Auswahl hat sich spürbar gewandelt.
Der Spieler des FC Arsenal wird nicht mehr als Nachwuchshoffnung betrachtet, sondern hat das ideale Fußballeralter erreicht. Kürzlich sicherte er sich zudem den Titel in der englischen Meisterschaft. Sportdirektor Rudi Völler, ein bekennender Anhänger von Havertz, nennt ihn «ein Führungsspieler».
Vom Talent zur etablierten Kraft
Bundestrainer Julian Nagelsmann findet noch lobendere Worte und schwärmt, er sei «ein guter Mensch, ein super Typ, ein top Fußballer». Auch Kapitän Joshua Kimmich unterstreicht die Bedeutung seines Stellvertreters: «Kai ist extrem wichtig für uns. Ich finde, dass er in Deutschland in den vergangenen Jahren sehr unterschätzt wurde.»

«Ein begnadeter Fußballer», sagt Rudi Völler über Kai Havertz.
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Das Image des unterschätzten Spielers ist für Havertz Geschichte. In der aktuellen Phase soll er bei seiner vierten Teilnahme an einem großen Wettbewerb zur entscheidenden Figur im deutschen Angriff avancieren. Der Startschuss dafür fällt im Eröffnungsspiel am kommenden Sonntag (19.00 Uhr/ARD und MagentaTV) in Houston gegen den Underdog Curaçao.
Seine Funktion in der Nationalmannschaft umschreibt der Tierliebhaber, der privat Hunde und Esel hält, auf seine ihm eigene, zurückhaltende Weise. «Generell bin ich nicht derjenige, der die großen Reden schwingt. Ich will auf dem Platz vorangehen.» Dabei ist seine genaue Position – ob als zentrale Spitze, hängender Angreifer oder auf dem Flügel – für ihn zweitrangig. «Je nachdem, was man von mir braucht», lautet seine pragmatische Antwort.
Die Debatte um die Position des führenden Stürmers zwischen Kai Havertz, Deniz Undav und Nick Woltemade war in der Vorbereitungsphase nur von kurzer Dauer. Trotz einer längeren Ausfallzeit aufgrund von Verletzungen demonstrierte Havertz nach seiner Rückkehr im März umgehend seinen Anspruch als erste Wahl im Angriff. Er war sowohl beim 2:1-Erfolg gegen Ghana im März als auch bei der erfolgreichen WM-Generalprobe gegen die USA in Chicago (2:1) als Torschütze zur Stelle.
Mann für die wichtigen Tore

In Topform: Kai Havertz (l) beim Kopfballtor gegen die USA. (Archivbild)
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Seine Bilanz im Nationaltrikot umfasst 22 Tore in 58 Partien. Über die Jahre hat sich Havertz den Ruf erworben, ein Akteur für entscheidende Treffer in wichtigen Spielen zu sein. So schoss er 2021 das Siegtor für den FC Chelsea im Endspiel der Champions League gegen Manchester City. Auch im Finale mit dem FC Arsenal gegen Paris Saint-Germain, das im Elfmeterschießen verloren ging, brachte er die «Gunners» mit seinem Treffer in Führung, was letztlich jedoch nicht zum Sieg genügte.
Wie hoch die Wertschätzung für Havertz ist, verdeutlicht eine Bemerkung von Rudi Völler in Winston-Salem. «Beim Finale haben wir ihm die Daumen gedrückt. Er hat auch gleich ein Tor geschossen. Aber ich bin ehrlich und nicht scheinheilig: Ich habe mich gefreut, dass er dann rausgegangen ist, weil wir alle Angst hatten, dass er sich bei seiner Vorgeschichte in der Verlängerung verletzt.»
Havertz wird als eine der unverzichtbaren Säulen für einen erfolgreichen WM-Verlauf angesehen. Dennoch wird der Bundestrainer ihn angesichts der hohen Temperaturen und physischen Anforderungen in Amerika wohl nicht in jeder Begegnung über die volle Distanz von 90 Minuten bringen. Die Ergänzungsspieler Undav und Woltemade, Toptorschütze der WM-Qualifikation, werden ebenfalls Spielanteile erhalten. «Da wird es kein großes Drama geben», kommentierte Havertz den internen Wettbewerb und betonte: «Jeder ist hier für den anderen da.»
In einem Video zur Kader-Nominierung zählte Nagelsmann die Vorzüge von Havertz detailliert auf. «Du verkörperst Geschwindigkeit, Kreativität, Angriffstätigkeit, extreme defensive Verlässlichkeit, eine gute Gier in beide Richtungen», so die Analyse des Bundestrainers. Er schloss mit einem Appell: «Bleib gesund, schalte deinen Kopf aus, gib Gas. Du hast alles drin, was wir brauchen, um einen Top-Torjäger vorne im Kader zu haben.»
Große Wertschätzung im Team

Julian Nagelsmann (l) lobt Kai Havertz bei der WM-Nominierung in einem Video, das den Arsenal-Profi (oben) als kleinen Jungen zeigt. (Archivbild)
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Bei den Turnieren EM 2021, WM 2022 und WM 2024 war «der begnadete Fußballer» (Völler) jeweils mit zwei Toren erfolgreich. Ein legendärer Treffer für die Nationalmannschaft lässt allerdings noch auf sich warten. Die Anerkennung innerhalb des Teams ist dessen ungeachtet außerordentlich hoch.
«Ich glaube, dass der Kai auch in diesem Turnier sehr wichtig sein wird für uns, weil er ein Super-Gesamtpaket mitbringt», bekräftigte Kapitän Kimmich. Teamkollege David Raum pflichtete ihm bei: «Kai ist einer der talentiertesten Spieler, die wir haben in Deutschland». Raum fügte an: «Er hat eine richtig gute Quote. Im Champions-League-Finale knipst er, auch gegen die USA knipst er direkt wieder. Er ist in einer Topverfassung.»
Darüber hinaus ist Havertz, noch vor Kimmich, als erster Schütze für Elfmeter vorgesehen. Vier seiner fünf Strafstöße hat er verwandelt; nur der erste Versuch im Jahr 2023 gegen Peru scheiterte am Pfosten. Völler merkte dazu an: «Kai ist ein erfolgreicher Elfmeterschütze - also in der nächsten Verlängerung hier brauchen wir ihn dann schon.» (dpa/red)
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