Der Galopprennsport ist weltweit berühmt für seine skurrilen und lustigen Pferdenamen. Unser Gastautor Eckhard Sauren, selbst Besitzer eines Pferderennstalls, erklärt, wie die Namen zustandekommen.
GastbeitragVon Flatten the Curve bis Lommi - Wie entstehen die Namen von Rennpferden?

Flatten the Curve bildet mit Jockey Thore Hammer-Hansen ein erfolgreiches Gespann.
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Als Flatten the Curve im vergangenen Herbst nach Australien reiste, stand unser Wallach plötzlich selbst in Zeitungen, die sonst selten über Galopprennen berichten. Kein Wunder: Flatten the Curve, den Satz aus der Corona-Zeit kannte fast jeder. Und spätestens nach seinem überlegenen Sieg im Bowling Green Gold Cup in Kentucky wusste man auch in Amerika, dass hinter dem ungewöhnlichen Namen ein richtig gutes Rennpferd steht.
Wie kommen Galopper eigentlich zu ihren Namen? In Deutschland werden jedes Jahr mehr als 800 Vollblutfohlen geboren. Und die Namensfindung ist gar nicht so einfach. Ein hier gezogenes Pferd erhält grundsätzlich einen Namen mit dem gleichen Anfangsbuchstaben wie seine Mutter. Hinzu kommen weitere Regeln: Der Name darf unter anderem nicht zu lang sein, muss sich ausreichend von bereits vergebenen Namen unterscheiden und sollte gut auszusprechen sein.
Innerhalb dieser Grenzen beginnt die Kreativität. Manche Züchter haben über Jahrzehnte ihre ganz eigene Handschrift entwickelt. Im Gestüt Fährhof orientierte man sich beispielsweise an Orten aus Kaffeeanbaugebieten – Acatenango, ein Vulkan in Guatemala, ist eines der berühmtesten Beispiele. Schlenderhan verwendete früher gerne Begriffe aus dem Bankwesen wie Dividende, Lombard oder Agio.
Ich sammle das ganze Jahr über Namen – manchmal entstehen Ideen sogar in Gesprächen mit Fondsmanagern
Besonders sympathisch finde ich die kölsche Variante. Holger Renz gibt seinen Pferden Namen mit Bezug zu Köln und zur kölschen Sprache. Als er den Halbbruder von Arc-Sieger Torquator Tasso ersteigerte, wurde daraus kurzerhand Tünnes. Von Millowitsch über Bützje und Prümche bis Müllers Aap und Lappührche reicht die Palette. Für Rennkommentatoren außerhalb Kölns kann das durchaus zur Herausforderung werden.
International wird es nicht unbedingt einfacher. Ein englischer Besitzer nannte sein Pferd tatsächlich einmal „Backpfeifengesicht“. Und auch Namen wie „She sells sea shells“ zeigen, dass Besitzer offenbar gelegentlich Freude daran haben, Rennbahnsprecher an ihre Grenzen zu bringen. Bei mir geht es weniger systematisch zu. Ich sammle das ganze Jahr über Namen – manchmal entstehen Ideen sogar in Gesprächen mit Fondsmanagern. Deshalb findet sich auch schon einmal ein Begriff aus der Finanzwelt in meinem Stall. Entscheidend ist für mich aber: Ein Rennpferdename muss gut klingen – und möglichst auch schnell.
Manchmal ergibt er sich fast von selbst. Pachinko beispielsweise ist ein Bruder von Derbysieger Palladium und stammt vom Hengst Japan. Gesucht war also ein japanischer Begriff mit P. So kam ich auf Pachinko, das bekannte japanische Glücksspiel – für einen Rennstall eigentlich ziemlich passend. Bei Questa Luna wiederum lieferte die Abstammung die Idee: Die Mutter heißt Questa Bella, der Vater Sea The Moon. Aus Bella und Moon wurde Luna – einfach, logisch und klangvoll. Beide Pferde geben am Sonntag in Köln auf der Heimatbahn ihr Lebensdebüt und angesprochen auf einen guten Wett-Tipp würde ich am Sonntag eine Siegwette auf Questa Luna abgeben.
Pferdenamen sind weit mehr als ein Eintrag im Rennprogramm. Sie erzählen Geschichten über Herkunft, Familie, Heimat, Humor oder persönliche Erinnerungen
Und manchmal übernimmt man einen Namen einfach, weil er passt. Western wurde bereits vom Gestüt Röttgen so genannt. Er ist ein echtes Kölner Pferd: gezogen in Rath-Heumar und trainiert von Henk Grewe in Weidenpesch. Am Sonntag gehört er für mich in Weidenpesch im Preis des Winterfavoriten gemeinsam mit Laveran zu den Favoriten. Einer der beiden wird wahrscheinlich als Favorit auf das Deutsche Derby 2027 in den Winter gehen.
Mein vielleicht kölschster eigener Name bleibt aber Lommi – benannt nach dem legendären Kölner Wirt Hans Lommerzheim. Denn Pferdenamen sind weit mehr als ein Eintrag im Rennprogramm. Sie erzählen Geschichten über Herkunft, Familie, Heimat, Humor oder persönliche Erinnerungen. Und ich bin überzeugt: Ein Pferd läuft gefühlt immer ein bisschen schneller, wenn die Zuschauer auf der Rennbahn seinen Namen rufen.

Der Autor: Eckhard Sauren ist Präsident des Kölner Renn-Verein. Er hat einen eigenen Pferderennstall und wurde 2024 und 2025 Besitzer-Champion in Deutschland. Beruflich ist er als Fondsmanager tätig.
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